Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Pilz aus Asien bedroht die Esche
Nachrichten MV aktuell Pilz aus Asien bedroht die Esche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:08 26.05.2018
Forstfachmann Marco Schrader kontrolliert in einem Wald bei Wittenförden eine Esche, die vom Eschenstengelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus) befallen ist. Quelle: Fotos: Danny Gohlke
Anzeige
Schwerin/Wittenförden

Beim Blick hinauf zu den Baumwipfeln legt sich die Stirn von Marco Schrader in Falten. Es ist Mai und ringsum treiben die Bäume frisches Grün. Doch bei einigen ragen die Äste laublos in den blauen Frühlingshimmel. Es sind Eschen. Sie haben den Kampf gegen einen aggressiven, aus Asien eingeschleppten Pilz verloren. Bei anderen offenbaren unübliche Seitentriebe, dass auch sie an dem vom Pilz verursachten Eschentriebsterben leiden. „Die Folgen des Pilzbefalls zeigen sich von Jahr zu Jahr deutlicher. Es gibt so gut wie keine Bestände mehr, die nicht betroffen sind“, konstatiert der Forstfachmann. Im Rahmen eines vom Bund geförderten Forschungsprojektes ist Schrader in MV auf der Suche nach Bäumen, die dem Parasiten trotzen und widerstandsfähige Nachkommen liefern könnten. Es ist fast wie bei der Suche nach der Nadel im Heuhaufen: „Ein, wenn es gut kommt, vielleicht zwei Prozent der Eschen könnten weitgehend resistent sein“, verweist Schrader auf die Ergebnisse jüngster Bestandsaufnahmen.

Bundesweit suchen Forstleute nach resistenten Bäumen. Dazu läuft in MV ein mit 750 000 Euro gefördertes Projekt.

Seit gut 15 Jahren macht sich der Eschenstengelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus) genannte Pilz von Nordosteuropa her auch in Deutschland breit und bedroht die Bestände in ihrer Existenz. Nach Angaben Schraders dringt der Pilz über die jungen Triebe bis ins Holz vor, unterbindet die Wasserzufuhr und lässt so Blätter welken und Triebe absterben. Ein wiederkehrender Prozess. Im Frühsommer bilden sich auf vorjährigen Blattstielen am Boden die nur wenige Millimeter großen Fruchtkörper des Pilzes aus. Diese setzen Sporen frei, die mit Hilfe des Windes auf neue Blätter gelangen, dort keimen und die gesamte Krone absterben lassen. Laut Jörg Grüner von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg weisen Untersuchungen darauf hin, dass der Pilz auch in geschädigte Stammfüße eindringt.

Doch nicht bei allen befallenen Bäumen zeigen sich unumkehrbare Folgen. Um die genetisch bevorteilten Bäume zu finden, holt sich Schrader Hinweise bei Revierförstern und durchstreift die feuchten Niederungen in MV, die als bevorzugte Standorte der gemeinen Esche gelten. Findet er besonders vitale Bäume, werden von diesen jeweils 20 bis 25 Reiser gewonnen, auf Jungstämmchen aufgepfropft und in einer Plantage gepflanzt, in der später dann Samen gewonnen werden sollen. Etwa 70 solcher Bäume wurden laut Schrader im Nordosten bislang gefunden. Bis zum Herbst 2019 sollen es dann mindestens 150 sein.

An dem vom Bundeslandwirtschaftsministerium über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe mit 750 000 Euro geförderten Projekt ist auch das Thünen-Institut für Forstgenetik im ostbrandenburgischen Waldsieversdorf beteiligt. Dort wird nach Angaben Schraders die Samenplantage mit dem Genpool aus dem Nordosten aufgebaut. Ähnliche Vorhaben laufen laut Grüner auch in den süddeutschen Ländern Bayern und Baden-Württemberg oder in Rheinland-Pfalz. Wegen des hohen Infektionsdrucks werden schon seit einigen Jahren keine Eschen mehr ausgepflanzt.

„Wir hoffen, dass wir Erkenntnisse gewinnen, um auf vielen Schadflächen wieder gesunde Eschenwälder aufbauen zu können“, erklärt MVs Agrarminister Till Backhaus (SPD). Die Esche sei als heimische Laubbaumart „von hohem ökologischen und ökonomischen Wert“. Viele mit Eschen bewachsene Nassstandorte lägen in Schutzgebieten, die wiederum Lebensraum seltener Pflanzen- und Tierarten seien. Ob die beharrliche Suche Schraders nach resistenten Eschen dazu beiträgt, dass die Baumart auch in Zukunft noch in nennenswerter Größenordnung in deutschen Wäldern vorkommt, wird sich erst in vielen Jahren zeigen.

Eiche derzeit sehr gefragt

Die Esche macht in den deutschen Wäldern insgesamt nur gut zwei Prozent aus.

Neben der Eiche sei auch Esche derzeit sehr gefragt, sagte eine Sprecherin des Möbelbauers Pickawood. Für qualitativ sehr gutes Stammholz, das zu Furnieren verarbeitet werden könne, werden Preise bis zu 1000 Euro je Kubikmeter gezahlt.

Auch beim Bau von Treppen, Sportgeräten oder Musikinstrumenten kommt Esche zum Einsatz.

Frank Pfaff

Beim Landesdatenschutzbeauftragten Heinz Müller in Schwerin herrscht derzeit fast „Land unter“.

26.05.2018

+++ Gespenstische Netze auf Rügen +++ Kaum Besucher zum Start des Seaborn-Festivals +++

25.05.2018

Beim elften Umweltfotofestival vom 26. Mai bis zum 3. Juni steht das Seebad wieder im Zeichen der Fotografie: Wir zeigen euch zehn der schönsten Events.

25.05.2018