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MV aktuell Pilze verwechselt: Paar aus Vorpommern stirbt fast an Vergiftung
Nachrichten MV aktuell Pilze verwechselt: Paar aus Vorpommern stirbt fast an Vergiftung
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18:41 13.09.2019
Der giftigste Pilz im Deutschen Wald: Der Grüne Knollenblätterpilz. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Stralsund

Starke Übelkeit, Magenkrämpfe, Brechreiz, Leberversagen: Ein junges Paar aus der Nähe von Stralsund wäre Ende August fast an einer starken Pilzvergiftung gestorben.

Die zwei Vorpommern hatten laut einem Sprecher des Helios Hanseklinikums Stralsund im eigenen Garten vermeintliche Champignons geerntet, zubereitet – und auch gegessen. Rund einen Tag später befanden sie sich im Kieler Lebertransplantationszentrum, weil man auf der Intensivstation des Stralsunder Krankenhauses nichts mehr für sie tun konnte. Denn sie hatten keine Champignons verspeist, sondern tödlich-giftige Knollenblätterpilze.

Eine fast tödliche Mahlzeit

„Viele Menschen sterben nach so einer Vergiftung“, sagt Andrea Jung (59), Chefärztin der Notaufnahme und Expertin für klinische und akute Notfallmedizin. „Das Gift des Knollenblätterpilzes zerstört die Leber. Ohne Leber kann man nicht leben. Daher hätte ihre Mahlzeit fast zum Tod geführt.“

Beim Spaziergang im Wald stößt man auf die verschiedensten Pilzsorten. Hier sind einige Beispiele bei denen Sie zugreifen können, oder lieber die Finger von lassen.

Zwölf Stunden nach dem Verzehr kam das Paar in die Stralsunder Notaufnahme. „Das war spät. Es ging ihnen sehr schlecht“, sagt Jung. Ein Oberarzt hätte erkannt, dass es sich um eine Pilzvergiftung handelt. Dabei halfen die Patienten mit. Sie brachten Erbrochenes, Restpilze und auch Fotos mit, die sie vor dem Ernten der Pilze gemacht hatten.

Lesen Sie auch: Pilz-Experten warnen vor Leichtsinn – Ein falsches Exemplar kann tödlich sein

Zu spät für eine Magenspiegelung

„Wir haben schnell alles getan, was man tun kann“, sagt Jung. Für eine Magenspiegelung war es zu spät. Über eine Magensonde wurde den Patienten Kohle zugeführt, die das restliche Gift absorbierte. Eine Dauerinfusion pumpte ein Präparat zum Schutz der Leber in die Vene. „Trotz Erstversorgung stiegen die Leberwerte aber massiv an“, sagt Jung. „Einer der beiden Patienten hatte schon innere Blutungen. Notfallmäßig mussten wir sie nach Kiel verlegen.“ Denn nur dort sei eine schnelle Transplantation der Leber möglich gewesen.

„„Viele Menschen sterben nach so einer Vergiftung“, Andrea Jung, Chefärztin der Notaufnahme am Stralsunder Helios Hanseklinikum Quelle: Helios

Das Paar hatte Glück. „Sie sind Anfang 30“, erklärt Jung. „Vermutlich hat die Leber daher die Kurve gekriegt.“ Trotzdem war es knapp. Sie standen kurz vor einer Lebertransplantation. „35 Gramm des Pilzes können tödlich sein“, erklärt Jung. „Das Gift wird nicht beim Kochen zerstört und auch nicht durch die Magensäure.“

Pilze sind leicht zu verwechseln

2019 war es der erste Extremfall in Stralsund. Aber die Pilzsaison ist auch noch jung. Bevor man im Herbst in die Pilze geht, sollte man daher einen der hiesigen Pilzberater konsultieren. „Laien können Champignons und Knollenblätterpilze leicht verwechseln“, sagt Pilzberater Frank Dommer aus Groß Lüdershagen.

Das Gefährliche: Der bekömmliche und der tödliche Pilz können sogar zusammen wachsen, auch im Garten. Deshalb ist es wichtig, auf die Unterschiede zu achten. „Champignons haben nie rein weiße Lamellen. Selbst im jungen Stadium sind sie grau oder hellrosa, später dann schokoladenbraun. Bei Knollenblätterpilzen sind sie hingegen immer weiß“, sagt Dommer.

Hinweise bei Pilzvergiftungen

Beim geringsten Verdacht auf eine Pilzvergiftung ist unverzüglich ein Arzt zu informieren.

Beruhigen Sie den Betroffenen.

Stellen Sie Putz- und Speisenreste sowie ggf. Erbrochenes sicher.

Erbrechen nur dann auslösen, wenn die Pilzmahlzeit weniger als 4 Stunden zurückliegt, sicherheitshalber den Arzt fragen.

Giftnotrufzentralen verfügen über Listen der Pilzberater, die ggf. den Pilz bestimmen können. Bei bekanntem Pilz gibt der Giftnotruf Auskunft über die einzuleitenden Gegenmaßnahmen.

Mehr Infos unter www.lagus.mv-regierung.de/Gesundheit/Umwelthygiene_Umweltmedizin/Pilzberatung

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