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Politik A-20-Loch: Bund will jetzt Schadenersatz prüfen
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19:45 22.06.2018
Verkehrsminister Christian Pegel (SPD, r.) und Straßenbauamtsleiter Ronald Normann vor Monaten an der Pannenautobahn A20. Der Bund schließt Schadenersatzforderungen gegenüber beteiligten Planern und Firmen nicht mehr aus. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Zigtausende Touristen werden zu Ferienbeginn in MV erwartet, viele im Stau an der A20 bei Tribsees landen. Warum die Autobahn vor neun Monaten dort im Boden versank, ist bis heute ungeklärt. Neu: Die Bundesregierung erwägt doch Schadensersatzforderungen gegenüber Planern und Baufirmen. Insgesamt sind für Behelfsbrücke und Neubau der A20 bis zu 200 Millionen Euro im Gespräch.

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Werden die Macher der 2010 bei Tribsees fertiggestellten Pannen-A-20 doch zur Rechenschaft gezogen? Die Bundesregierung erwäge eine Prüfung von Ansprüchen, erklärt Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, auf eine Anfrage von Kerstin Kassner (Linke). „Sollten sich eindeutige Hinweise auf Mängel bei Planung und/oder Bau ergeben“, dann werde man Ansprüche „ableiten und gegebenenfalls durchsetzen“. Bisher hieß es immer, die Fristen wären verjährt.

Das Loch auf der Autobahn 20 bei Tribsees (Vorpommern-Rügen) wird immer größer. Aktuelle Video- und Fotoaufnahmen zeigen das ganze Ausmaß der Katastrophe.

Zuständig für den A-20-Bau war seinerzeit die Fernstraßengesellschaft des Bundes Deges. Kassner ist fassungslos, dass weder Bund noch Land heute, neun Monate nach dem A-20-Debakel, Antworten haben. Die Suche nach den technischen Ursachen sei „aufgrund der Komplexität noch nicht abgeschlossen“, heißt es vom Bundesministerium. „Das kann doch nicht angehen“, empört sich Kassner. Im Oktober sackte die A20 auf einer Länge von 100 Metern komplett weg. Vermutungen kursieren: Zu schmale Säulen bei der Gründung oder eine Wiedervernässung des Moores an der Autobahn könnten Ursachen sei.

Baufirma von damals erhält erneut Zuschlag

Was Kassner zudem wurmt: Beim Bau der jetzigen Behelfsbrücke, die bis Ende des Jahres stehen soll (Kosten: 51 Millionen Euro) sei ausgerechnet eine Firma beteiligt, die auch schon vor zehn Jahren für die Gründung der Pannen-Autobahn verantwortlich war. Das bestätigt Ronald Normann, Leiter des zuständigen Straßenbauamtes.

Die Firma Bauer aus Berlin sei die einzige gewesen, die sich die auf europaweite Ausschreibung beworben hat und sich den schwierigen Bau auf Moor zutraut. „Ich hätte gern mehr Auswahl gehabt“, so Normann. Aber: „Die Firma kann es. Ich gebe Bauer keine Schuld.“ Denn an den Gründungssäulen habe es vermutlich nicht gelegen, wie sich gerade zeige: „Die geborgenen Säulen sind dick und in gutem Zustand“, so Normann. Die wirkliche Ursache des Absackens stehe wohl erst im kommenden Jahr fest.

Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) erklärt: „Nach Auskunft der Deges zeichnete die Firma Papenburg für den Bau des abgesackten Abschnittes als Hauptauftragnehmer verantwortlich.“ Fragen nach Regress stellten sich aus heutiger Sicht nicht, so Pegel.

Frank Pubantz