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Politik Alte Busse, unsichere Zukunft: Nahverkehr fordert mehr Geld
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06:00 06.07.2017
Streitobjekt Nahverkehr: Verkehrsunternehmen fordern von der Politik ein Gesamtkonzept und mehr Geld für Bus- und Bahnnetz in MV. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Nur zweimal am Tag kommt ein Bus in manche Dörfer des Landes. In großen Städten ist das Nahverkehrsnetz teils überlastet. Doch den Verkehrsunternehmen fehlen die Mittel, um gegenzusteuern. Das Land, zuständig für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), müsse dringend die Zuschüsse erhöhen, fordern Verkehrsbetriebe. Zudem brauche es ein langfristiges Landeskonzept für den Nahverkehr. Sonst drohe nicht nur Stillstand, sondern ein Rückfall in alte Zeiten.Themen wie Digitalisierung, Investition in Elektro-Busse oder Barrierefreiheit müssten mangels Geld wie Stiefkinder behandelt werden.

In vielen Nahverkehrunternehmen in MV geht die Sorge um. 20, 25 Jahre sind Instandsetzung von Anlagen oder Fahrzeuganschaffung her. Nun müsste dringend reinvestiert, gar ausgebaut werden. Was fehle, sei eine klare politische Vorgabe vom Land. „Wir müssen wissen, was gewollt ist“, sagt Michael Mißlitz, Geschäftsführer der Mecklenburgischen Bäderbahn „Molli“, Kühlungsborn. „Und brauchen dann die dafür nötigen Mittel.“ Das Land habe viel für den Nahverkehr getan, „aber für die Zukunft wird das nicht ausreichen“. Er denke an einen Masterplan für ländliche, urbane, aber auch touristische Regionen „für die nächsten 20 Jahre“. Müsste die Molli GmbH nötige Investitionen an Gleisen, Weichen oder Bahnhöfenallein leisten, würde das die Fahrpreise verdoppeln, so Mißlitz. „Das wäre unrealistisch.“

Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen MV verschafft sich heute auf einer Konferenz in Rostock Gehör bei Landes- und Bundespolitik. „Wir müssen in unserem Bundesland ein stärkeres Bewusstsein dafür schaffen, dass der ÖPNV ein wesentlicher Bestandteil der Landesentwicklung ist“, sagt Jan Bleis, Geschäftsführer der Rostocker Straßenbahn AG. Der Nahverkehr sei „eine öffentliche Aufgabe, die selbstverständlich auch mit öffentlichen Geld zu finanzieren ist“. So stünden den Verkehrsunternehmen für Digitalisierung oder Anschaffung abgasarmer Technik „viel zu wenig Mittel zur Verfügung“. Ein bislang fehlendes Gesetz für die Neuverteilung so genannter Entflechtungsmittel vom Bund müsse man in MV „anmahnen“, in anderen Ländern sei es längst da. Die Regierung in Schwerin, die den Bus- und Bahnverkehr landesweit über ein komplexes System fördert, müsse handeln.

„Es fehlt in Sachen Mobilität koordiniertes Handeln“, moniert Jörgen Boße, Geschäftsführer der Usedomer Bäderbahn. Er sehe viele Baustellen, etwa die unzureichende Infrastruktur. „Hier muss man investieren“, so Boße, gerade in einem Urlaubsland. Man brauche nicht über „Mobilität 4.0“ reden, wenn bereits die vorhandenen Strukturen nur ungenügend funktionieren.

Viele Mängel sehen auch Fahrgäste. Es sei zum Beispiel „schwierig, nach einem Konzert- oder Kinobesuch in Rostock noch nach Ribnitz-Damgarten zu gelangen“, erklärt Cornelia Müller. Anton Werner, Stralsund, regt ein „Gratis-Ticket in allen Touristenregionen“ an. Gabriele Köpke aus Rostock nennt als Vorbild ein System wie im Schwarzwald, wo Bus und Bahn kostenfrei genutzt werden können.

Das Land habe im Vorjahr 272 Millionen Euro für den ÖPNV ausgegeben, sagt eine Sprecherin von Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). Hinzu kämen 81 Millionen an Landkreise und kreisfreie Städte als Träger des Nahverkehrs.

Frank Pubantz

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