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Politik Feuerfalter, Seeadler und Fischotter: Naturschützer retten ein Paradies
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20:03 28.12.2018
Die Nabu-Stiftung Naturerbe schützt die Wildnis Mecklenburg-Vorpommerns, zum Beispiel im Anklamer Stadtbruch. Quelle: Stefan Schwill/ Nabu
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Anklam

Beinahe wäre das Paradies verloren gewesen. Torfstecher sind die ersten, die im Moor die Ruhe stören. Später legen Schöpfwerke das Gebiet vor Anklams Toren trocken, es wird eingedeicht. 1995 holt sich die Natur zurück, was ihr gehört: Eine Sturmflut setzt alles unter Wasser und damit jeder Nutzung durch den Menschen ein Ende. Ein vorläufiges. Denn der Anklamer Stadtbruch, der mit seinen fast 15 Quadratkilometern inzwischen zu den letzten großen Wildnisgebieten Deutschlands zählt, weckt erneut Begehrlichkeiten: Privatleute wollen daraus Ackerland oder ein Jagdrevier machen.

Millionen für Moorlandschaft

Doch das Juwel hat wieder Glück, es bleibt auf ewig unberührt. Feuerfalter, Seeadler und Fischotter werden diesen Flecken Erde auch künftig für sich haben. Die Stiftung Naturerbe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) kauft zum Jahreswechsel 1360 Hektar vom Stadtbruch. Dafür fließt viel Geld. Die jetzige Eigentümerin, die Stadt Anklam, will sich dieses zu den artenreichsten Naturschutzgebiete Mecklenburg-Vorpommerns zählende Schätzchen mit rund 3,5 Millionen Euro versilbern lassen. „Wir haben die Summe zusammen", sagt Stefan Schwill, Nabu-Chef in MV. 1,6 Millionen Euro hat die Nabu-Stiftung, auch durch Spenden, dafür angespart, den Rest zahlt das Land. Der Gegenwert ist unbezahlbar: Es gelinge, ein Ausnahmeparadies für die Nachwelt zu bewahren, sagt Stefan Schwill. „Der Stadtbruch ist einzigartig. Er weist zum Beispiel mit bis zu 14 Brutpaaren die größte Seeadlerdichte Mitteleuropas auf.“ Seltene Vögel fliegen auf das nahe des Stettiner Haffs gelegene Land: Gut ein Drittel der hier nistenden Brutvogelarten steht auf der Roten Liste.

Stadtbruch, Teiche, Flusstäler: MV hat viele wilde und schöne Paradiese. Der Nabu will die unberührte Natur bewahren.

Weltweit kaufen Umweltverbände Land auf, um es dauerhaft als Lebensraum für bedrohte Tiere und Pflanzen zu sichern. „Die echte Wildnis hat in der Naturverbandsszene in den vergangenen 15 Jahren stark an Bedeutung gewonnen“, sagt Stefan Schwill. Die Nabu-Stiftung Naturerbe nennt inzwischen knapp 19 000 Hektar bundesweit ihr Eigentum, davon 3500 Hektar in MV. Dazu zählen Gebiete entlang der Peene, im Unteren Recknitztal, im Naturschutzgebiet Rustwerder auf Poel oder die Lapitz-Geveziner Waldlandschaft im Nordosten der Müritz.

Ausverkauf in der Natur

Eigentlich müsste sich der Staat um diese Paradiese kümmern, sagt Schwill. „Aber er tut sich schwer.“ So erlaube er immer wieder Ausnahmen vom Schutzstatus zu Gunsten wirtschaftlicher Interessen. Viele Kommunen hingegen engagierten sich kaum für Naturschutz. Um dem Ausverkauf schützenswerter Flächen an Privatleute zuvor zu kommen, nehmen Umweltaktivisten sie in Obhut und akquirieren dafür Spenden- und Fördergelder. Der Preis für ein Stück Wildnis hänge davon ab, wie viel sich damit theoretisch verdienen ließe, erklärt Schwill. „Ein Gebiet, in dem man beispielsweise noch Holz gewinnen könnte, kostet auch mehr.“ So gesehen ist der Anklamer Stadtbruch dank seiner unwegsamen Moorlandschaften ein Schnäppchen. Den Hektar gibt es für rund 2500 Euro. Bei echten Filetstücken wären der Kaufpreis mindestens dreimal so hoch, sagt Schwill.

Wildnis als Geschenk

Manches Schätzchen bekommt die Nabu-Stiftung für lau: Seit 2005 überträgt der Bund unentgeltlich, jedoch unter strengen Naturschutzauflagen, Flächen aus dem „Nationalen Naturerbe“ an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (circa 70 000 Hektar), die Länder (circa 30 000 Hektar) oder an von diesen benannte Organisationen (circa 26 000 Hektar). Ein solch wertvolles Geschenk erwartet die Nabu-Stiftung auf Rügen. Im Südwesten von Sassnitz, im Naturschutzgebiet Wostevitzer Teiche, gehören ihr schon 239 Hektar, weitere will ihr der Staat jetzt überschreiben. Das Land soll zur sicheren Heimat für Kiebitze, Feldlerchen und Braunkehlchen werden. Landwirtschaft ist dennoch nicht ausgeschlossen, nur naturnah muss sie sein.

Quelle: Arno Zill

„Natur wieder Natur sein lassen“ – getreu dieses Leitmotivs überlässt die Nabu-Stiftung den Großteil ihres Landbesitzes sich selbst. Denn dabei könne man viel lernen, sagt Stefan Schwill. Zum Beispiel, dass Eingriffe des Menschen oft unnötig seien. Paradebeispiel dafür sei der Lübecker Stadtwald. Der dazu gehörende Schattiner Zuschlag in der Gemeinde Lüdersdorf (Nordwestmecklenburg) sei seit mehr als 100 Jahren unangetastet und diene Forstwirten als Referenzobjekt. So habe man festgestellt, dass Pflegeeingriffe weder auf die Qualität noch auf das Wachstum von Buchenholz nennenswerten Einfluss haben. Naturnähe und Produktivität sei also kein Widerspruch.

Sehnsucht nach Paradiesen

MV ist reich an wilden Ecken und könnte noch reicher sein. „Zweieinhalb bis drei Prozent der Landfläche könnten, inklusive der Flächen in den Nationalparken, relativ problemlos in großräumige Wildnisgebiete überführt werden“, sagt Stefan Schwill. Davon, dass der Trend zurück zur Natur anhält, ist er überzeugt. Das sei auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. „Wir Mitteleuropäer fordern von Ländern, die in der Regel sehr viel ärmer sind als wir, ihre natürlichen Wildnisgebiete zu erhalten. Aber wir müssen auch unseren Beitrag leisten.“ Die Bereitschaft dazu sei da. „Die Gesellschaft hat zunehmend Sehnsucht nach Wildparadiesen.“

Ein Viertel MV unter Schutz

Das Nationale Naturerbe sind rund 156000 Hektar wertvolle Naturflächen im Bundeseigentum, die der Bund seit 2005 unentgeltlich an Länder und Naturschutzorganisationen überträgt. Hierzu zählen Flächen aus dem DDR-Volksvermögen, das „Grüne Band“ entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, stillgelegte Braunkohletagebaue in Ostdeutschland sowie ehemals militärisch genutzte Gebiete. Für einen Teil der ehemaligen Militärflächen, die sogenannte Bundeslösung, übernimmt der Bund selbst die Pflege und Entwicklung der Flächen. Die NABU-Stiftung hat unter den privaten Stiftungen bisher die größte Verantwortung bei der Bewahrung dieser wertvollen Naturflächen übernommen.

23 Prozent der Landfläche Mecklenburg-Vorpommerns gehören zu den zwölf Großschutzgebieten: den Nationalparks Jasmund, Müritz und vorpommernsche Boddenlandschaft, den Biosphärenreservaten Südost Rügen und Schaalsee sowie den Naturparks Mecklenburgisches Elbtal, Insel Usedom, Feldberger Seenlandschaft, Nossentiner-Schwinzer Heide, Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See, Sternberger Seenland und Am Stettiner Haff

Antje Bernstein

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