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12:15 24.08.2018
Symbolbild: 8050 Lebensmittelproben haben Ämter im Vorjahr in MV genommen. Jede achte musste beanstandet werden. Quelle: Maik Ehrlich
Rostock

Maden im Gewürz, Salmonellen im Hackfleisch, Zigarettenstummel im Konfekt: Kontrolleure in MV finden die ekligsten Zutaten in Lebensmitteln. Von den 8050 Proben, die Ämter in Landkreisen und kreisfreien Städten im vergangenen Jahr nahmen, mussten sie knapp 13 Prozent beanstanden – das ist jede achte. Meistens hielten sich Hersteller oder Verkäufer nicht an die vorgeschriebene Kennzeichnung. Die Linke im Landtag fordert mehr Kontrollen.

1029 Lebensmittelkontrollen mussten 2017 beanstandet werden, heißt es vom Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (Lallf) in Rostock, wo die Daten zusammenlaufen. Über die Jahre „normaler Durchschnitt“, sagt Lallf-Sprecherin Anja Krüger. 2014 bis 2016 lag die Quote ähnlich hoch. Auffällig aber: Die Zahl der Kontrollen sinkt. „Die Dichte der Kontrollen ist noch einmal zurückgegangen – und die Zahl der Beanstandungen ist weiter viel zu hoch“, erklärt die Linken-Sprecherin für Verbraucherschutz, Jacqueline Bernhardt. „Es geschieht offenbar nichts, diesem Missstand endlich zu Leibe zu rücken und die Kontrollen zu verstärken.“ Sie fordert mehr Personal in den zuständigen Behörden.

In den örtlichen Verwaltungen beurteilt man das Problem offenbar gelassener. In einer Blitzumfrage erklären die Hansestadt Rostock sowie die Landkreise Rostock und Vorpommern-Rügen: keine aufsehenerregenden Fälle von Lebensmittelverunreinigung.

Ist das so? Der Lallf-Bericht für 2017 listet einige Ekel-Beispiele auf: Rüben, die mit dem verbotenen Farbstoff Rhodamin B versetzt waren, Maden in Paprikaflocken, Kunststoffstäbchen in einer Torte, Bio-Eier mit Schimmel im Innern, Larven von Fadenwürmern in Wildlachssteaks oder eine Überdosis Farbstoff E133 (Brilliantblau) in Pestokäse. Als „kurios“ wertet das Lallf folgenden Fund: In einer Rumkugel fand sich ein Zigarettenstummel. Urteil: ungenießbar.

Von 19 Proben sei Gesundheitsgefahr ausgegangen: So fanden die Kontrolleure Salmonellen, Listerien oder Coli-Bakterien – Krankheitserreger – in diversen Fleisch-, Wurst- und Fischproben. Ein Mineralwasser enthielt Reinigungslauge, zwei von 100 untersuchten Honigproben das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat über Grenzwert. Auffällige Tendenz: Die Zahl der falschen Kennzeichnungen von Lebensmitteln nahm zu – rund 700 Fälle. Bemängelt: fehlende Ausweisung von Zusatzstoffen, irreführende oder gar nicht erst vorhandene Angaben von Zutaten. Dies sei allerdings wichtig. „Verbraucher benötigen Kenntnisse über Lebensmittelkennzeichnung und Werbestrategien, um ihre Kaufentscheidungen treffen zu können“, erklärt Agrarminister Till Backhaus (SPD).

Auch schwere Durchfallerkrankungen könnten durch Lebensmittel ausgelöst sein, heißt es vom Landesamt. Im Vorjahr seien 470 „Häufungen“ von Darmerkrankungen festgestellt worden – rund die Hälfte durch Noro- oder Rotaviren ausgelöst. Problem: Das gesamte Ausmaß dieser Fälle lasse sich nicht bestimmen, da Betroffene oft nicht zum Arzt gingen. Eine Rückmeldung der örtlichen Ämter an das Landesamt erfolge nicht.

Beim Thema Personal lässt die Linke nicht locker. Es müsse mehr überwacht werden, so Bernhardt. „Schließlich geht es um die Gesundheit der Verbraucher.“ Das Ministerium hält die Kontrollen dagegen für ausreichend; Verstöße würden geahndet. Rund 165 Beschäftigte seien landesweit mit Lebensmittelkontrollen befasst, davon 115 in kommunalen Ämtern.

Firmen, in denen Hygienemängel angemahnt werden, bleiben meistens anonym. Man habe Angst vor gerichtlichen Auseinandersetzungen und setze auf Freiwilligkeit, räumt das Ministerium ein. Da müsse mehr geschehen, sagt Bernhardt. In anderen Ländern gebe es „Hygiene-Ampeln“, mit denen zum Beispiel Restaurants für sich werben können. „Ich könnte mir einige hier im Land vorstellen, die damit punkten würden“, so Bernhardt.

Frank Pubantz

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