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Politik Erst ein Bad in der Menge — dann eine Predigt für die Welt
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00:00 20.03.2013
Der italienische Kardinal Angelo Sodano steckt dem neuen Papst den Fischerring an den Finger. Quelle: Fotos: dpa
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Rom

Und wieder müssen den Sicherheitskräften die Haare zu Berge gestanden haben: Im offenen Papamobil, ohne Panzerglas, drehte Franziskus seine Runden auf dem Petersplatz, bevor er in einer Messe offiziell die Insignien päpstlicher Autorität entgegennahm. Er ließ anhalten, stieg aus, segnete Alt und Jung, Groß und Klein, berührte die Menschen buchstäblich und gefühlsmäßig. Die Sonne über Rom strahlte mit den 200 000 aus aller Welt angereisten Pilgern um die Wette — besonders aus Argentinien hatten sich begeisterte Katholiken eingefunden, um den ersten südamerikanischen Papst, den ersten der Neuzeit überhaupt, der nicht aus Europa kommt, bei seiner Amtseinführung zu erleben.

Der vormalige Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, setzte dabei wieder kleine Zeichen des Wandels hin zu mehr Bescheidenheit und weniger Pomp. Als sogenannten Fischerring ließ

Franziskus einen bereits vorhandenen Ring der Ära Pauls VI. und der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils recyceln, als die Zeichen der Zeit auf Wandel standen — immer noch aus vergoldetem Silber, aber eben nicht mehr aus Gold wie bei seinem Vorgänger. Von dem wiederum übernahm er das Pallium, eine Stola aus Lammwolle.

Vor der Zeremonie hatte er sich mit einigen Würdenträgern in die Grotten unter dem Vatikan begeben — dort betete er an jener Stelle, an der die katholische Mythologie das Grab des Apostels Petrus lokalisiert, den die katholische Weltkirche als ihren ersten Papst versteht.

Zu Beginn seiner mit Spannung erwarteten Predigt grüßte der neue Papst nicht nur Christen sowie Staats- und Regierungschefs, sondern auch die anwesenden Vertreter des Judentums und anderer Religionen — unter anderem den orthodoxen Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., der als erstes Haupt der Ostkirche nach dem Schisma von 1054 an einer solchen Zeremonie teilnahm. Verantwortung für die Mitmenschen und für die Schöpfung gehe nicht nur Katholiken an, mahnte der Pontifex. „Seien wir Hüter unserer Nächsten und der Umwelt.“

Seine erste große Predigt vor den Gläubigen entwarf auch ein soziales Programm, um den Ärmsten, Hungernden, den Fremden und den Gefangenen zu helfen. „Erinnern wir uns daran, dass Hass, Neid und Hochmut das Leben verunreinigen.“

Wenn der Jubel von gestern und die Lobeshymnen der politischen und religiösen Hochkaräter aus über 130 Delegationen aus aller Welt verklungen sind — aus Deutschland war Kanzlerin Angela Merkel angereist, aus den USA Vizepräsident Joe Biden —, warten auf den Argentinier Herkulesaufgaben. Die römische Kurie, über den „Vatileaks“-Skandal um Verrat und Machenschaften im Vatikan ins Gerede gekommen, muss gründlich reformiert werden.

Sie habe „einen heiteren Papst angetroffen, der klare Vorstellungen hat“, verriet Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner nach einem Treffen mit ihrem Landsmann, mit dem sie eigentlich herzliche gegenseitige Abneigung verbinden soll. „Aber er war auch bewegt und besorgt wegen der immensen Aufgabe, den Heiligen Stuhl zu führen und die Dinge zu ändern, die er ändern muss.“

Änderungen, die, so ist schon jetzt zu hören, nicht jedem Traditionalisten in der Kurie gefallen. Schon ist die Rede vom Obama-Effekt: Es werden so viele Hoffnungen und Erwartungen auf einen Mann projiziert, dass er fast scheitern muss. „Betet für mich. Amen“, sagt der Papst denn auch schlicht am Ende der gestrigen Predigt. Er wird gewusst haben, warum.

Die Insignien des Papstamtes
Feste Kleidervorschriften und Insignien kennzeichnen die herausgehobene Stellung des Papstes.


Die Fergula ist der Hirtenstab des Papstes, ähnlich dem der Bischöfe, allerdings endet er statt in einer Krümmung in einem Kreuz.


Der Fischerring war ursprünglich der Siegelring des Papstes und weist ihn im katholischen Glauben als Nachfolger des biblischen Petrus aus. Er trägt neben dem Namen des Papstes ein Petrus-Bild mit Fischernetz. Jeder Papst hat seinen eigenen Ring, der nach seinem Tod zerschlagen wird.


Die Mitra ist die liturgische Kopfbedeckung, eine spitz zulaufende Mütze.


Das Pallium, ringförmige Stola, ist in Erinnerung an die Wundmale Jesus‘ mit roten Kreuzen bestickt.

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