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Politik Fischer in MV enttäuscht über niedrige Heringsquote
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09:33 10.10.2017
Auch die Fischer in Freest müssen aufgrund der Quotenkürzungen mit drastischen Einbußen rechnen. Quelle: Tilo Wallrodt
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Luxemburg/Freest/Sassnitz

Deutsche Fischer dürfen im kommenden Jahr deutlich weniger Hering aus der westlichen Ostsee ziehen als noch 2017. Die dort erlaubte Fangmenge werde um 39 Prozent gesenkt, teilte der estnische Minister Siim Kiisler am Dienstagmorgen in Luxemburg nach der Entscheidung der zuständigen EU-Minister mit.

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Drastische Verluste für Fischer in MV

Die Fischer in Mecklenburg-Vorpommern reagierten enttäuscht auf die Absenkung der Heringsquote. „Keiner ist glücklich über die Kürzung. Viele Fischer haben Existenzängste, wie sie das Jahr überstehen sollen“, sagte der Chef der Fischereigenossenschaft Freest, Michael Schütt. Allein die 26 Fischer der Genossenschaft müssten 2018 mit Umsatzeinbußen in Höhe von 350 000 Euro rechnen. Landesweit könnten sich die Einbußen auf 1,6 Millionen Euro belaufen. Schütt forderte Ausgleichszahlungen als Kompensation - ähnlich wie sie 2016 für den Dorsch gezahlt wurden. „Wir können die Verluste nicht durch den Fang anderer Arten kompensieren.“ Die Kutter- und Küstenfischerei sei auf die Hilfe der Politik angewiesen.

Geringere Quoten auch für Dorsch, Scholle und Lachs

Beim Dorsch verständigten sich die EU-Minister nach den rund 20-stündigen Verhandlungen darauf, die erlaubte Fangmenge 2018 um acht Prozent zu senken. Einschränkungen gibt es auch bei Scholle (minus zehn Prozent) sowie bei Lachs (minus fünf Prozent) in der gesamten Ostsee. Erhöht werden hingegen die erlaubten Fangmengen für Hering in der zentralen Ostsee um 20 Prozent und für Sprotte in der gesamten Ostsee um ein Prozent.

Aalfangverbot abgelehnt

In jedem Jahr legen die EU-Fischereiminister die sogenannten zulässigen Gesamtfangmengen fest. Die EU-Kommission gibt dafür vorab Empfehlungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Gutachten, in denen der Zustand der einzelnen Bestände untersucht wurde. In den Verhandlungen geht es dann darum, Kompromisse zwischen den Interessen der Fischfangindustrie und dem Schutz der Fischbestände zu finden. In diesem Jahr hatte die EU-Kommission zudem ein Aalfangverbot in der Ostsee gefordert. Dies nahmen die Minister allerdings nicht an. Stattdessen soll beim nächsten Treffen im Dezember nach einer gesamteuropäischen Lösung zum Schutz des Aals gesucht werden.

„Die notwendigen Quotenkürzungen sind schmerzlich für die deutschen Ostseefischer. Aber: Nur gute Bestände sichern langfristig die wirtschaftliche Perspektive der Ostseefischerei“, sagte Bundesminister Christian Schmidt (CSU). „Mit der heutigen Entscheidung leisten wir einen Beitrag zur weiteren Erholung der Bestände und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Ostsee.“

Experte: MSC-Zertifikat für Nachhaltigkeit gesichert

Der Direktor des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann, zeigte sich zufrieden mit der Neuregelung der Quoten. „Beim West-Hering entspricht der Beschluss genau der wissenschaftlichen Empfehlung und dem Managementplan, das ist gut so“, sagte Zimmermann. Damit könne die Fischerei das MSC-Zertifikat für Nachhaltigkeit behalten. Beim West-Dorsch sei die Fangmenge sogar niedriger festgesetzt worden als von der Wissenschaft vorgeschlagen.

Leider gehe aus dem Text des Rates nicht hervor, was mit dem Tagesfanglimit der Angler für West-Dorsch und mit der Laichschonzeit passiert. „Das war die eigentlich spannende Frage. Ich hoffe sehr, dass die Minister auch hier die Regeln aus 2017 fortschreiben“, so der Experte. Diese besagen, dass pro Tag und Angler fünf Dorsche erlaubt sind. „Nach unserer Vorhersage wird sich der Westdorsch schon bis 2019 erholen.“ Der einzige Bestand, der 2020 dann noch nicht im grünen Bereich ist, könnte möglicherweise der westliche Hering sein.

Umweltschützer nehmen Einigung mit gemischten Gefühlen auf

Die Naturschutzorganisation WWF zeigte sich hingegen kritischer. „Die Situation der deutschen Brotfische in der westlichen Ostsee ist besorgniserregend. Bei den hauptsächlich von Deutschland und Dänemark bewirtschafteten Beständen von Dorsch und Hering haben die Minister die Bestandserholung bisher nicht in den Griff bekommen“, sagte WWF-Fischereiexpertin Stella Nemecky. „Die diesjährige Entscheidung ist zwar ein guter Schritt, wird aber das Ziel der Fischereipolitik, bis 2020 gesunde Bestände zu erreichen, verfehlen.“

Mit den Gesamtfangmengen wird bestimmt, wie viel Fisch von einem bestimmten Bestand in einem jeweiligen Jahr gefangen werden darf. Die Gesamtfangmengen werden unter den EU-Staaten dann als nationale Quoten verteilt. Wenn das in einer Quote erlaubte Kontingent ausgeschöpft wurde, darf das jeweilige Land dort vorübergehend keine Fische mehr fangen. Im Dezember wird voraussichtlich über die Fangquoten für die Nordsee und den Atlantik für das kommende Jahr entschieden.