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00:01 09.01.2018
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Einer schaffte es als Direktkandidat, vier über die Liste ihrer Parteien: Bei der Bundestagswahl zogen neben elf alten Hasen fünf Abgeordnete aus MV neu in den Bundestag ein. Was machen sie dort? Von der Grünen-Politikerin Müller bis zur AfD-Abgeordneten Schielke-Ziesing eint sie ein Wunsch: eine zügige Regierungsbildung.

„„Ich teile mir noch ein eher zu kleines Büro mit vier Mit- arbeitern in Berlin. Wir sollen aber im Januar endlich ein eigenes richtiges Büro ,Unter den Linden’ bekommen.“Enrico Komning (AfD)
„„Die schleppende Regierungs- bildung behindert uns. Ich will mich vor allem bei Arbeit und Soziales und im Haushalts- ausschuss einbringen.“Ulrike Schielke-Ziesing (AfD)
„„Man kam in etwas hinein, was man vorher nicht kannte. Der Bundestag ist ein riesiger Apparat, an den man sich erst gewöhnen muss.“Claudia Müller (Grüne)
„„Ich hoffe, dass es möglichst schnell eine arbeitsfähige Regierung gibt, idealerweise ohne Frau Merkel. Aber das ist nicht ganz realistisch.“Leif-Erik Holm (AfD) FOTOS (5): MICHAEL KAPPELER/DPA

Der zweitjüngste aller 709 Bundestags-Abgeordneten kommt mit Philipp Amthor (CDU) aus Vorpommern. Der heute 25-Jährige, der als Direktkandidat im Nachbarwahlkreis von Angela Merkel in das Parlament einzog, empfindet auch fünfzehn Wochen nach der Wahl noch immer eine Mischung aus „Stolz, hoher Verantwortung und einer gewissen Demut“.

Der Arbeitstag sei eng getaktet, mit Sitzungen in der Fraktion, Büroarbeit oder Hintergrundgesprächen – auch wenn der parlamentarische Alltag mit klar definierter Regierungs- und Oppositionsseite noch nicht begonnen hat. „Obwohl wir noch keine Regierung haben, steht der Bundestag nicht still“, sagt der gebürtige Ueckermünder.

Wegen der langen Hängepartie bei den Regierungssondierungen werden erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik die Ausschüsse des Bundestages vor der Regierungsbildung eingesetzt. „Dass die Fachausschüsse ihre Arbeit aufnehmen, ist jetzt dringend notwendig“, sagt Amthor. Der Jurist strebt in den Innenausschuss. Die Regelung der Zuwanderung, Stärkung der Bundespolizei seien zwei wesentliche seiner politischen Schwerpunkte.

Das Büro von Claudia Müller (36/Grüne) ist bezogen. Alle Mitarbeiterstellen bis auf den Posten des wissenschaftlichen Mitarbeiters sind besetzt. Die erste Rede im Bundestag (Thema: Das ERP-Sondervermögen und Mittelstandsförderung) ist gehalten. Und an das Pendeln zwischen Berlin und Stralsund hat sich Müller inzwischen auch gewöhnt. „Von Berlin nach Stralsund sitze ich nicht viel länger im Zug als auf der Strecke Schwerin-Stralsund“, sagt die Grünen-Landesvorsitzende.

Ihren ersten Posten bekam die Stralsunderin, die über die Liste in den Bundestag einzog, bereits Anfang November, als sie zur Sprecherin der Landesgruppe Ost gewählt wurde. „Mir ist es wichtig, dass Themen mit ostdeutscher Relevanz nicht hinten runterfallen.“ Besonders lägen ihr die ländlichen Regionen am Herzen. Den Abwanderungstrend zu stoppen, indem auf dem Land Zukunftschancen für junge Menschen entstehen, das sei ihr Ziel. „Doch ein Patentrezept gibt es dafür leider nicht.“ 

Leif-Erik Holm (AfD) wollte der Kanzlerin das Direktmandat abringen, musste dann doch den Umweg über die Liste in den Bundestag nehmen: Der AfD-Landeschef und Vize der AfD-Bundestagsfraktion sagte, es sei spannend in Berlin ohne Bundesregierung. „Das gibt uns die Zeit, den Aufbau der Fraktion gut hinzukriegen.“ Und die werde als konstruktive Oppositionskraft agieren, ist sich der 47-Jährige sicher. In der Parlamentsarbeit habe die AfD schon einige Ausrufezeichen gesetzt, etwa mit dem Thema der „rechtswidrigen Grenzöffnung“ durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Holm als studierter Volkswirt kündigt an, im Bundestagsausschuss Wirtschaft und Energie arbeiten zu wollen. Bisher gebe es nur den Hauptausschuss. „Der Bundestag scharrt mit den Hufen, wir wollen endlich Facharbeit machen“, drängt Holm.

„Das behindert uns“, sagte die AfD-Newcomerin Ulrike Schielke-Ziesing zur schleppenden Regierungsbildung. Die 48-Jährige hat sich – obwohl dreifache Mutter – in Berlin eine Wohnung genommen, damit sie dort arbeiten kann. Ihr Mann unterstützt sie. Die Mecklenburgerin, bisher Versicherungsfachangestellte bei der Rentenversicherung, will sich vor allem bei den Themen Arbeit und Soziales und im Haushaltsausschuss einbringen.

Enrico Komning (AfD), Rechtsanwalt aus Neubrandenburg, dringt aufs Tempo: „Ich finde es nicht gut, dass es noch keine neue Bundesregierung gibt.“ Man würde gern schon Oppositionsarbeit leisten. Dabei werde die AfD keine Fundamentalopposition machen. „Für uns wäre es gut, wenn es eine Minderheitsregierung gäbe.“ Dann könne man bei bestimmten Themen auch mit der CDU stimmen.

Komning sieht seinen Schwerpunkt zwar auch in Berlin, aber noch mehr im Wahlkreis in Vorpommern und Ostmecklenburg. Er wolle die wirtschaftsschwache Region voranbringen.

Martina Rathke, Birgit Sander und Winfried Wagner

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