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Politik Mehrheit der Bürger in MV für zwölf Euro Mindestlohn
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06:22 23.01.2018
Symbolfoto: Eine große Mehrheit Befragter in MV ist für eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns. Dies hätte auch Auswirkungen auf das Gastgewerbe. Quelle: Stefan Sauer
Rostock

Ein Großteil der Menschen in MV plädiert für einen höheren gesetzlichen Mindestlohn. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der OSTSEE-ZEITUNG. Demnach ist sogar eine Mehrheit dafür, dass der Mindestlohn von 8,84 Euro auf mindestens zwölf Euro pro Stunde ansteigt. Gewerkschaften und Arbeitgeber bewerten dies verschieden.

In diesem Jahr wird eine Kommission den gesetzlichen Mindestlohn auf der Basis von etwa Tarif- und Preisentwicklungen für ganz Deutschland neu festlegen. Das Gros der Befragten in MV ist schon jetzt der Meinung, dass es deutlich nach oben gehen sollte. 19 Prozent halten einen Mindestlohn von unter zehn Euro für angemessen. 22 Prozent stimmen für elf, 29 Prozent für zwölf Euro. 24 Prozent sind der Meinung, dass mehr als zwölf Euro pro Stunde gesetzlich vorgeschrieben werden sollten. Forsa hat dazu vom 2. bis zum 11. Januar 1001 Wahlberechtigte in ganz MV befragt – repräsentativ.

„Das überrascht nicht“, sagt Frank Schischefsky, Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Der jetzige Mindestlohn gehe „an der Realität vorbei“. Betroffene müssten Sozialleistungen aufstocken und steuerten dennoch in die Altersarmut. „Niedriglohn ist für viele ein Riesenproblem. Das dürfen auch die Arbeitgeber nicht mehr ignorieren“, sagt Uwe Polkaehn, DGB Nord. 8,84 Euro reichten „hinten und vorn nicht“.

Arbeitgeber-Vertreter warnen dagegen vor noch mehr staatlicher Einmischung. Thomas Lambusch, Vereinigung der Unternehmensverbände MV, verweist darauf, dass es in einzelnen Branchen bereits höhere Mindestlöhne gebe, „welche von den Tarifpartnern ausgehandelt werden“. Dies sei besser als „persönliche Wunschvorstellungen“.

Für höheren Mindestlohn sprechen sich Wähler parteiübergreifend aus. 53 Prozent der SPD-Klientel sind sogar für zwölf Euro oder mehr, bei der Linken sind es 50, bei der CDU 44, bei den Grünen 43 Prozent. AfD-Anhänger sind zu 70 Prozent dafür. Parteichef Leif-Erik Holm positioniert sich anders: „Der Mindestlohn kann nicht beliebig erhöht werden.“ Firmen müssten ihn erst erarbeiten.

„Der Mindestlohn muss weiter steigen“, sagt SPD-Landeschefin Manuela Schwesig. Vincent Kokert (CDU) erklärt: „Aus gutem Grund wird die Höhe der Löhne in Deutschland nicht von der Politik festgelegt.“ Das sei Sache der Kommission. Claudia Müller (Grüne) hält zehn Euro für „notwendig“. Denn überall seien die Lebenshaltungskosten gestiegen. Die Linke fordert zwölf Euro. Mindestens 11,67 Euro seien nötig, um Kinder- und Altersarmut zu verhindern, so Wenke Brüdgam.

Frank Pubantz

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