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Politik NSU-Prozess: Opfer-Familien hoffen auf Gerechtigkeit
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00:00 03.05.2013
Sie hoffen auf Erklärungen: Semiya Simsek (l.) und Gamze Kubasik, hier während der Gedenkveranstaltung für die NSU-Opfer in Berlin. Quelle: dpa
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Berlin

Sie teilen dasselbe bittere Schicksal: Über Jahre wussten sie nicht, warum ihre Väter oder Ehemänner sterben mussten. Nun hoffen die Angehörigen der Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) auf den 6. Mai. Dann werden einige von ihnen Beate Zschäpe erstmals ins Gesicht sehen. Zwischen Besuchertribüne und Anklagebank im Gerichtssaal sind es nur ein paar Meter. Sie wollen sehen, hören und fühlen, was diese Frau zu den Morden an ihren Männern, Söhnen und Brüdern zu sagen hat. Sie wollen Klarheit und Gerechtigkeit. „Es ist eine seelische Herausforderung für die Hinterbliebenen, diesen Prozess zu begleiten“, sagt Barbara John, die Ombudsfrau der Bundesregierung für die NSU-Opfer. Die Verschiebung des Prozesses sei deshalb eine große Belastung für die Angehörigen gewesen.

Die Familien bereiten sich nicht zum ersten Mal mental auf den Prozess vor. Wegen wochenlanger Querelen um die Vergabe der Presseplätze verschob das Gericht den Beginn um drei Wochen. „Es strapaziert die Nerven von allen Menschen, die zum Prozess fahren, und besonders die der Angehörigen“, sagt John. Die Verunsicherung sei dadurch noch größer geworden. „Die Enttäuschungen, kann man sagen, steigern sich nun langsam ins kaum noch Fassbare.“ Daher sei es so wichtig, dass endlich begonnen werde, Recht zu sprechen.

„Es lag doch auf der Hand, dass das Taten von Rechtsradikalen sind“, sagt etwa Semiya Simsek, die Tochter des ermordeten Blumenhändlers. Immer wieder äußerten sie und andere Angehörige der Opfer gegenüber der Polizei diesen Verdacht. Doch die vermutete die Täter bis zum Schluss im Milieu der organisierten Kriminalität — und setzte die Angehörigen selbst unter Druck. Wohnungen wurden nach Drogen untersucht, Kontobewegungen geprüft, Telefonkontakte hinterfragt. Der Witwe Simseks tischte man eines Tages auf, ihr Mann habe eine deutsche Liebhaberin gehabt. Es war eine Finte, um an Informationen zu kommen. Der Grieche Gavriil Voulgaridis, dessen Bruder Theodorus 2005 in München erschossen wurde, sah sich jahrelang dem Verdacht ausgesetzt, selbst in direktem Zusammenhang mit dem Mord zu stehen. Gemeinsam mit seiner Frau musste er sich immer wieder Verhören stellen. Freunde und Bekannte wandten sich zunehmend von der Familie ab. 2009 kehrte er physisch und psychisch schwer angeschlagen Deutschland den Rücken — nach 35 Jahren. Inzwischen ist Gavriil Voulgaridis zurückgekehrt. Die Nachricht, dass Neonazis hinter der Mordserie steckten, sei auch eine gewisse Form von Erleichterung gewesen, sagt er. So denken viele der Opferangehörigen. Jetzt, wo die Dinge klarer sind, finden sie Zeit für echte Trauer und Aufarbeitung des Geschehenen.

Eine Million Euro Entschädigung hat Deutschland ihnen gezahlt. Bundespräsident Joachim Gauck hat sie empfangen und ihnen Mut zugesprochen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat auf der offiziellen Gedenkfeier im Februar 2012 umfassende Aufklärung zugesagt. Semiya Simsek kann sich noch gut daran erinnern. Sie sagt: „Ich hoffe, dass die Politik ihr Versprechen hält.“ pti, dpa

Streit um Video-Übertragung
Der Eröffnung des NSU- Prozesses am 6. Mai vor dem Oberlandesgericht München steht nichts mehr im Weg. Das Bundesverfassungsgericht hat gestern den Antrag des freien Journalisten Martin Lejeune auf einen Presseplatz im Gerichtssaal abgewiesen. Die Beschwerde sei unbegründet, weil Grundrechte des Beschwerdeführers nicht verletzt worden seien, heißt es in der Begründung.

Lejeune hatte im ersten Akkreditierungsverfahren einen festen Sitzplatz erhalten, war im Losverfahren jedoch leer ausgegangen. Eine erfolgreiche Beschwerde in Karlsruhe hätte die umstrittene Akkreditierung erneut kippen können.

Rechtsexperten des Deutschen Bundestages halten unterdessen eine Videoübertragung des NSU-Prozesses für unzulässig, da sie die „Menschenwürde der Verfahrensbeteiligten“ verletzen würde. Das geht aus einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes hervor.

Zuletzt hatte sich unter anderem der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, für eine Videoübertragung ausgesprochen. Auch das Losverfahren nannte er unbefriedigend.

pti

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