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Politik Reform ade? Schwesig bittet zum Theater-Gipfel
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19:06 06.06.2018
Seit Jahren gibt es Widerstand gegen die Theaterreform in MV. Nun übernimmt Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) in der Debatte die Führung. Quelle: Jens Büttner
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Schwerin

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erklärt die Theater-Reform im Land zur Chefsache: Für kommenden Dienstag hat sie Oberbürgermeister, Landräte und Intendanten kurzfristig zur Spitzenrunde nach Schwerin geladen. Ziel sei es, das „gute Theaterangebot langfristig zu sichern“, sagte Schwesig am Mittwoch auf OZ-Anfrage, eine „gemeinsame Lösung“. Am Gespräch in der Staatskanzlei sollen auch die Minister für Finanzen, Bildung und Inneres sowie die Fraktionschefs von SPD und CDU im Landtag teilnehmen.

Die Theater-Reform, die der damalige Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) ab 2014 durchpeitschen wollte, sitzt vor allem im Osten fest. Das Theater Vorpommern (Stralsund/Greifswald) sowie die Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz stemmen sich seit langem gegen eine Fusion, die viele Jobs, Struktur und Angebot kosten würde. Nach OZ-Informationen dürfte Schwesig einem Kooperationsmodell im Osten zustimmen, also die Reform von oben kassieren. Haken: Die Theater Schwerin und Parchim im Westen sind bereits verschmolzen, das Rostocker will nicht, hofft aber auf Landesmittel für einen Theaterneubau. Denkbar sei auch, dass das Land den Gesamtzuschuss von 38 Millionen Euro erhöht, ist zu hören. Vor allem die Linke im Landtag hatte immer wieder kritisiert, dass der Zuschuss seit mehr als 20 Jahren nahezu konstant ist.

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„Wir haben ein gutes Theaterangebot im Land“, sagt Schwesig. Es gebe „viel Verunsicherung und Protest“. Sie habe  selbst viel Post zum Thema erhalten. „Diesen Einsatz für unsere Theater nehme ich sehr ernst“, so Schwesig.

Beim Koalitionspartner CDU ertönt seit Jahren Kritik an der landesweiten Theaterreform. Tenor: Man werde vor allem die komplexe Zwangsfusion im Osten nicht zulassen. Über den Strategiefonds der Koalitionsfraktionen im Landtag sicherte die CDU - quasi durch die Hintertür - den Erhalt der Tanzcompagnie Neustrelitz mit jährlich 500000 Euro bis 2024. Dieser Zuschuss außer der Reihe konterkariere jedoch die Reform, heißt es aus der SPD. Andere Häuser seien schlechter gestellt. Das Rostocker Volkstheater etwa muss den Gürtel deutlich enger schnallen; seit Jahren sind Spartenschließungen und die Verkleinerung der Norddeutschen Philharmonie im Gespräch.

Pubantz Frank