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Politik Zschäpe will im NSU-Prozess nicht mal ihren Namen sagen
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00:00 15.05.2013
Von Patrick Tiede
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Berlin

Beate Zschäpe schweigt. Gerade hat sie die Angaben zu ihrer Person vom Vorsitzenden Richter Manfred Götzl verlesen lassen. Jetzt hält sie den Kopf gesenkt und die Arme leicht verschränkt. Den vor ihr liegenden Laptop hat Zschäpe zugeklappt.

Es ist der zweite Verhandlungstag im NSU-Prozess, Oberlandesgericht München, Saal A 101, 15.36 Uhr: Bundesanwalt Herbert Diemer tut das, worauf zahlreiche Nebenkläger so sehr gehofft hatten und womit nach einem Verhandlungstag mit erneuten Verzögerungen kaum noch zu rechnen war: Diemer verliest eine Stunde und vier Minuten lang den Anklagesatz gegen Zschäpe und die vier Mitangeklagten.

Es ist die Vergegenwärtigung des rechten NSU-Terrors, der zehn Menschen das Leben kostete. Noch einmal beschreibt Diemer die Taten im Detail. Er listet die Todeszeitpunkte der Opfer auf und nennt Hintergründe. Mord in zehn Fällen wird Zschäpe vorgeworfen. Auch schwere Körperverletzung, schwere räuberische Erpressung, besonders schwere Brandstiftung und die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Als „hinrichtungsgleiche Erschießungen“ bezeichnet die Anklage die Taten: Neun Morde an arglosen Geschäftsleuten, die nur deshalb erschossen wurden, weil sie aus der Türkei oder Griechenland stammten. Dazu die bekannte Kette der weiteren Anschläge: zwei Bombenanschläge in Köln, der Mordanschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn, bei dem eine Polizistin getötet wurde, die zahlreichen Banküberfälle.

Das alles nimmt die Angeklagte ohne äußerliche Regung zur Kenntnis. Plötzlich sitzt auf der Anklagebank in der öffentlichen Wahrnehmung die zehnfache Mörderin. Statt der zierlichen jungen Frau ist die mutmaßliche Mörderin im Saal präsent. Beate Zschäpe, die heute einen grauen Hosenanzug und die Haare zum Zopf trägt, verschmilzt mit der NSU-Terroristin. Sie soll Morde, Raubüberfälle und Sprengstoffanschläge aktiv mit organisiert und gebilligt haben. Außerdem soll sie Waffen und Papiere besorgt, Wohnmobile angemietet und das Geld verwaltet haben.

Als wollten sie es nicht wahrhaben, halten einige Neonazis auf der Zuschauertribüne die Augen geschlossen. Zschäpes Verteidiger schauen stur auf ihre Laptops, der Kopf von Wolfgang Heer ist knallrot angelaufen. Für ihn ist die Verlesung eine kleine persönliche Niederlage, hatte er doch mit einer fintenreichen Verzögerungstaktik eben dies den ganzen Tag über zu verhindern gesucht. Und sich mit dem Vorsitzenden Richter verbale Scharmützel geliefert. Jetzt beantragt er eine Pause „aus diversen Gründen“.

Mehrere Stunden hatte man vorher erneut um die Eignung des Gerichtssaals A 101 gestritten. Aufgrund der begrenzten Kapazitäten sei der vor Gericht vorgeschriebene Grundsatz der Öffentlichkeit verletzt, beklagte Heer. Immerhin könnten ihm zwei Richterinnen aufgrund der Sitzordnung irregulär über die Schulter schauen und interne Papiere studieren.

Zschäpes Verteidiger forderten deshalb, die Hauptverhandlung auszusetzen und an einem anderen Ort neu zu beginnen. Mehr Verzögerung geht nicht.

Doch Richter Manfred Götzl lehnte ab. „Die Öffentlichkeit ist mit 51 Zuschauer- und 50 Journalistenplätzen gewährleistet. Nicht jedermann muss jederzeit Zutritt im Gerichtssaal haben.“

Heer empfahl er süffisant, den Platz zu wechseln: „Neben dem Angeklagten Ralf W. ist noch Platz.“ Heers Reaktion: „Ich setze mich doch nicht an den Katzentisch.“ Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar: Der Ton im Saal wird schärfer, die Visiere sind hochgeklappt, der Prozess hat jetzt wirklich begonnen.

Die Angehörigen allerdings, die zum Teil mit großen Hoffnungen in das Verfahren gegangen sind, werden durch die juristische Fingerhakelei zunehmend abgeschreckt: Waren am ersten Verhandlungstag nach Angaben des Gerichts noch 26 Nebenkläger nach München gekommen, sind es schon am zweiten Tag nur noch 6.

Patrick Tiede

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