Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Polizei-Skandal in MV: Ermittler finden eine Maschinenpistole
Nachrichten MV aktuell Polizei-Skandal in MV: Ermittler finden eine Maschinenpistole
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:38 13.06.2019
Symbolbild: Beamte des SEK MV sollen Munition gestohlen haben. Jetzt werden weitere Details der Ermittlungen bekannt. Quelle: Tilo Wallrodt
Anzeige
Schwerin

Der Skandal um Elite-Polizisten des Spezialeinsatzkommandos (SEK), die dem Landeskriminalamt (LKA) über Jahre Munition gestohlen haben sollen, zieht weitere Kreise. Wie die Staatsanwaltschaft Schwerin am Donnerstag bestätigt, haben die Ermittler bei einem Verdächtigen, einem früheren SEK-Mann, auch eine Maschinenpistole gefunden. Dabei handele es sich um eine Waffe der israelischen Marke „Uzi“, so eine Sprecherin“. Auch zur Frage, wie Munition womöglich gestohlen werden konnte, gibt es neue Erkenntnisse: Nach OZ-Informationen wurden SEK-Leute bisher nicht tiefgründig darauf kontrolliert, ob sie bei Schießübungen die bis zu 500 Schuss pro Tag auch verschossen haben. So falle nicht auf, wenn „Munition in Größenordnungen“ verschwinde, ist zu hören. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und LKA-Chef Ingolf Mager wurden am Mittwoch vor den Innenausschuss des Landtags zum Rapport zitiert. Die Linke sieht ein Versagen in der Führungsebene, die SPD fordert eine externe Untersuchung.

Bereits 2017 sollen 30 000 Patronen gefunden worden sein

Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat am Mittwoch drei aktive und einen ehemaligen Polizisten festnehmen lassen, die im Verdacht stehen, Munition des LKA gestohlen zu haben. Mindestens 10 000 Patronen hätten die Ermittler bei einem Beschuldigten entdeckt – jetzt ist klar: auch eine Maschinenpistole. Unklar sei noch, woher die Munition stammt. Nach und nach sickern jetzt weitere Details durch. Bereits früher gab es demnach Funde: So sollen bei Durchsuchungen der Bundesanwaltschaft 2017 in Rostock und bei Schwerin bereits 30 000 Patronen entdeckt worden sein. Der Generalbundesanwalt (GBA) ermittelt gegen die teils rechtsextreme „Prepper“-Gruppe „Nordkreuz“. Damals haben die Ermittler eine „Feindesliste“ mit Namen politischer Gegner gefunden. Später wurde bekannt, dass Tausende Menschen aus dem Bundesgebiet auf dieser Liste stehen sollen. Neu: 29 davon sollen aus MV stammen.

Ministerium habe weitere SEK-Leute versetzt

Bezüge zu „Nordkreuz“ vermutet die Schweriner Staatsanwaltschaft auch im aktuellen Fall rund um die vier festgenommenen Polizisten. Einer soll Kontakt zu dieser Gruppe gehabt haben. Neu ist auch: Das Innenministerium hat offenbar weitere SEK-Leute auf andere Dienststellen versetzt. Sie sollen zu den Beschuldigten in Kontakt gestanden haben. Munitionsausgabe und -kontrolle sollen künftig nach „Vier- statt Sechs-Augen-Prinzip“ erfolgen.

Das alles bestätigt das Innenministerium offiziell nicht – mit Verweis auf laufende Verfahren. Caffier kündigt an, das SEK komplett neu aufstellen zu wollen. So sei angedacht, die Dienstzeit dort auf zehn Jahre zu begrenzen. Bei Einstellung von Beamten könnten vorab Geheimdienst-Informationen eingeholt werden.

SPD-Spitze: Vom Fuchs, der den Hühnerstall reparieren soll

Die Ermittler in MV haben dem Vernehmen nach Anfang dieses Jahres einen umfangreichen Datensatz von der Bundesanwaltschaft erhalten – 2,6 Terabyte. Die Auswertung laufe. Frank Niehörster, Abteilungsleiter im Innenministerium, hebt die Hürden des Verfahrens hervor: „Wir haben den GBA mehrfach angeschrieben und gesagt: Wir wollen Ergebnisse haben.“ Diese kämen allerdings nur zögerlich. Seit einigen Monaten gibt es eine Ermittlergruppe beim LKA.

Scharfe Kritik kommt aus dem Landtag. Viele Fragen seien bisher nicht beantwortet, sagt Peter Ritter (Linke). Es habe offensichtlich „Mängel und Versagen bei Führung und Kontrolle“ in der Landespolizei gegeben. Die SPD, Koalitionspartner der CDU in der Landesregierung, traut Innenminister Caffier und dem LKA keine lückenlose Aufklärung zu. „Zu sehr erinnert das an den Fuchs, der den Hühnerstall reparieren soll“, so Dirk Friedriszik. Er fordert eine unabhängige Kommission: „Der Sumpf muss trockengelegt werden.“ Horst Förster (AfD) wiederum fordert mehr Information: „Ohne klare Fakten-Lage schlichte Vermutungen in die Welt zu posaunen, hilft der Aufklärung nicht.“

Weiterlesen: 

Kommentar: Viele offene Fragen

Munition gestohlen: Vier Polizisten in MV festgenommen

Polizisten stehlen Munition: Politiker aus MV zeigen sich entsetzt

Frank Pubantz

Die umfangreichen Ermittlungen gegen den tatverdächtigen Stiefvater David H., der das sechsjährige Mädchen misshandelt und dadurch getötet haben soll, dauern immer noch an. Die Sechsmonatsfrist für die U-Haft läuft Ende Juli aus.

13.06.2019

Ein 37 Jahre alter Mann ist in Vorpommern-Greifswald beim Absturz eines Segelflugzeuges ums Leben gekommen. Ursache war vermutlich ein Strömungsabriss. Der Greifswalder erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen.

13.06.2019

Ein heute 17-Jähriger hatte Jürgen S. beschuldigt, ihn jahrelang sexuell missbraucht zu haben. Im Zuge des Prozesses hat der Angeklagte überraschend seine Schuld eingestanden. Der Jugendliche hatte bereits zuvor traumatische Erfahrungen gemacht.

13.06.2019