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MV aktuell Postbotin bekommt nach 17 Jahren Festanstellung
Nachrichten MV aktuell Postbotin bekommt nach 17 Jahren Festanstellung
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01:25 14.06.2014
Happy End für Anja Helffenstein nach einem Arbeitsleben, das durch befristete Verträge geprägt war. Quelle: Jens Büttner/dpa
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Schwerin

17 Jahre lang hat sich die Postbotin Anja Helffenstein in der Probezeit gefühlt. Erst als sie nach 88 Zeitarbeitsverträgen gefeuert wird, ist ihre Geduld zu Ende. Die Frau aus Wittenburg (Kreis Ludwigslust-Parchim) klagt vor dem Arbeitsgericht Schwerin auf eine Festanstellung. Mit Erfolg. Bei einem Gütetermin bot die Deutsche Post AG der 41-Jährigen gestern endlich einen unbefristeten Arbeitsvertrag an.

Helffenstein kommt nach knapp 30 Minuten überrascht und sprachlos aus dem Gerichtssaal. Als Erstes umarmt sie Betriebsrat Heinz-Joachim Sauer. „Ich kann es noch gar nicht realisieren, dass ich wieder arbeiten darf“, sagt sie. Doch ehe sie strahlen kann, vergeht ein bisschen Zeit. „Meine Sachen liegen bereit. Ich könnte morgen wieder arbeiten.“ Auch ihr Anwalt Klaus Bertelsmann ist von der Einigung verblüfft. „Damit hat wohl niemand gerechnet“, sagt er. Der Fachbereichsleiter Nord der Gewerkschaft Verdi, Lars-Uwe Rieck, sagt: „Es ist schön, dass sich ihr Mut, an die Öffentlichkeit zu gehen, gelohnt hat.“

Von 1997 bis zum April 2014 hangelte sich Helffenstein von einem befristeten Arbeitsvertrag zum nächsten. Dann bekam sie auf einmal keinen neuen Vertrag mehr. Als Grund sei ihre zweieinhalbwöchige Krankheit im Januar genannt worden, sagt sie. Der Niederlassungsleiter in Lübeck habe sie als untragbar bezeichnet.

Die befristeten Arbeitsverträge haben das Leben der Frau bestimmt. „Mal waren es zwei Wochen, mal ein Viertel- oder ein halbes Jahr, die ich arbeiten durfte.“ Ihre Arbeit habe sich nicht von der ihrer unbefristet angestellten Kolleginnen unterschieden. Dennoch habe sie weniger Geld erhalten. Da sie für Festangestellte einspringen musste, richtete sich ihr Urlaub nach deren Urlaub und fiel eher selten in die Schulferien. Manchmal schloss sich ein neuer Zeitarbeitsvertrag nahtlos an, manchmal lagen Tage oder Wochen dazwischen. „Ich hatte auch schon die Türklinke vom Arbeitsamt in der Hand, als der Anruf kam, dass ich wieder arbeiten könne“, sagt sie.

Ihre Freude wird allerdings etwas gedämpft: Der Arbeitsort ist in dem angebotenen Vertrag nicht festgelegt. Sollte er für seine Mandantin nicht annehmbar sein, müsse er die Einigung widerrufen, sagt Anwalt Bertelsmann.

Das Angebot der Post sieht einen Vertrag über 38,5 Wochenstunden vor. Die Betriebszugehörigkeit solle allerdings nicht seit 1997, sondern erst seit 2009 anerkannt werden, wegen mehrjähriger Unterbrechungen des Arbeitsverhältnisses. Helffenstein begründet sie mit Elternzeiten für ihre Kinder.

Gewerkschafter Rieck meint aber auch: „Mit dem schnellen Angebot zur Güte betreibt die Post nur Schadensvermeidung, indem sie in einem Einzelfall einknickt.“ Anders als ein Urteil habe die gütliche Einigung keine Bedeutung für andere Fälle.

Befristete Arbeit
5 Jahre darf ein befristetes Arbeitsverhältnis höchstens dauern. Allerdings können immer neue Verträge geschlossen werden, sogenannte Kettenbefristungen. Je länger diese Befristungen allerdings andauern, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie vor Gericht als missbräuchlich angesehen werden. Dem Beschäftigten könnte dann eine unbefristete Anstellung zustehen. Das hat das Bundesarbeitsgericht 2012 klargestellt (Aktenzeichen 7 AZR 443/09).



Birgit Sander

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