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MV aktuell Manege frei für Witzbolde und Weltrekorde
Nachrichten MV aktuell Manege frei für Witzbolde und Weltrekorde
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22:00 23.01.2019
Tomi Kanerva tritt im Winterzirkus als Clown Tomi auf. Quelle: Ove Arscholl
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Stadthafen

Wer ihn als größte Lachnummer weit und breit bezeichnet, macht Tomi Kanerva (33) ein Riesen-Kompliment, denn von Beruf ist er Clown. Seit 17 Jahren bringt er sein Publikum zum Lachen. Routine will trotzdem nicht aufkommen. Dem Witzbold geht gerade mächtig die Düse. Sähe seine Frisur nicht ohnehin schon aus, als wäre sie explodiert, dann stünden ihm die Haare wohl zu Berge. Am Abend ist Premiere im Winterzirkus Rostock. „Ich hab’ ganz schön Lampenfieber,“ gesteht Clown Tomi beim Blick in die Manege.

Noch sind die Sitzplätze im Zelt leer, das Zirkusteam trifft letzte Vorbereitungen. „Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich wieder losgeht“, sagt Manfred Huppertz. Zum sechsten Mal gastiert der Zirkus-Direktor am Stadthafen. „Und es wird noch viel besser als im vergangenen Jahr“, verspricht der 32-Jährige. Artisten aus sechs Nationen hat er angeheuert. Besonders stolz ist Huppertz auf die „Cirdance Company“. Drei Jahre habe er gebraucht, um die zehnköpfige Truppe nach Europa holen zu können. „Die Generaldirektion in Havanna wählt sehr genau aus, welcher Zirkus ihre Artisten engagieren darf.“ Die langwierigen Verhandlungen hätten sich gelohnt, meint er. Das Ensemble aus der Karibik hat „die beste Schleuderbrettnummer der Gegenwart“ im Repertoire.

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Der Winterzirkus Rostock Quelle: Veranstalter

Sehenswert ist, was sich vor der Premiere unter der Zirkuskuppel abspielt. Im knallbunten Scheinwerferlicht probt Ilja Smyslov (21) für eine ganz große Nummer: Mit seiner Bouncing-Jonglage, bei der er aus nur 60 Zentimetern Wurfhöhe sieben Bälle blitzschnell zwischen Händen und Fußboden hin- und herfliegen lässt, will er einen Weltrekord aufstellen. „Wenn es so hinhaut wie geplant, kommen die Leute vom Guinness-World-Records-Buch in drei Wochen zu uns in die Manege“, sagt Huppertz stolz. Den Jongleur und den Zirkus-Chef verbindet eine gemeinsame Vergangenheit: Smyslovs Vater ist vor rund 25 Jahren als Clown durch die Manege von Huppertz’ Vater getobt. Dass jetzt die Söhne gemeinsam Zirkus machen, sei „der größte Witz überhaupt“, sagt Manfred Huppertz und lacht.

Huppertz ist in der Manege aufgewachsen. Sein Vater Ralf hat einst die Bürokaufmannslehre geschmissen, um bei einem Zirkus anzuheuern. In dieser Glitzerwelt verliebte sich der Rheinländer in seine spätere Frau Margot, ein echtes Zirkuskind. Sie gründeten eine Familie und Anfang der 1990er Jahre eine eigene Zirkusshow. Mit der und den fünf Söhnen tingelten die Huppertz gut 15 Jahre durch die Weltgeschichte. „Wir haben oft von der Hand in den Mund gelebt, aber es war eine tolle und unbeschwerte Zeit“, erinnert sich Manfred Huppertz wehmütig. Weil sich vom Zirkusgeschäft allein nicht leben ließ, stieg die Familie in die Vermietung von Großzelten ein und wechselte schließlich ganz in diese Branche. Heute spannt Manfred Huppertz in ganz Europa für Kunden Riesen-Dächer auf. Die Zirkuswelt aber hat ihn nie losgelassen. Die Wintermonate, wenn das Vermietungsgeschäft ruht, widmet er seiner Leidenschaft.

Manfred Huppertz ist Direktor im Winterzirkus und gibt als musikalischer Leiter bei m Live-Orchester den Ton an. Quelle: OVE ARSCHOLL

In den ersten Jahren bringen die Vorstellungen ihm kaum Geld ein. Inzwischen aber stimme der Umsatz. Aber reich werde man mit Zirkus nicht, sagt Huppertz. „Was wir verdienen, buttern wir gleich wieder rein.“ Das ginge gar nicht anders. „Die Gäste habe hohe Erwartungen und wollen jedes Jahr mit etwas Neuem überrascht werden.“ Um ihnen das zu bieten, hält er in aller Welt Ausschau nach Attraktionen. Eine findet er in einer Ungarischen Zirkusschule: Das Damen-Quartett „Four Phanteras“ turnt kopfüber an einem acht Meter hohen sich drehenden Karussell in V-Form. „So etwas hab’ ich noch nie gesehen. Da krieg’ ich Gänsehaut“, schwärmt Manfred Huppertz. So lange er auch schon im Showgeschäft ist, bekommt er Top-Artistik zu sehen, wird aus dem Profi wieder ein Kind, das sich verzaubern lässt. „Ich bin Geschäftsmann und Zirkusjunge zugleich“, sagt Huppertz.

Deshalb lässt er es sich nicht nehmen, selbst Teil des Programms zu sein. Beim achtköpfigen Live-Orchester gibt der Chef den Ton an. „Ich bin mit radikaler Freude dabei“, scherzt Huppertz. Bis zum ersten Tusch vor Publikum sind an diesem Morgen allerdings noch ein paar letzte Handgriffe zu tun. „Wenn’s dabei so kalt ist wie heute, frage ich mich schon: ,Warum bist du so blöd und machst das, wo du doch im Warmen die Beine hochlegen könntest?’“ Doch alle Zweifel sind verflogen, sobald die Show losgeht. „Das ist der Zirkus, den ich mir immer erträumt habe.“ Ob es den Rostockern genauso geht, wird sich am Donnerstagabend (24. Januar, 17 Uhr) zeigen. Dann heißt es: Manege frei für den Winterzirkus.

Alle Vorstellungstermine

Winterzirkus 24. Januar bis 10. Februar im Stadthafen Rostock

donnerstags 17 Uhr, freitags und samstags 16 und 19 Uhr, sonntags 11 und 15 Uhr

Sondervorstellung am Mittwoch, 6.2., 16 Uhr

Aktionstage:

sonntags 15 Uhr freier Eintritt für alle Papas

donnerstags 17 Uhr Familientag, Erwachsene zahlen Kinderpreise

Mittwoch, 6.2., 16 Uhr Sondervorstellung, freier Eintritt für alle Mamas

Karten gibt es im Ticket-Shop der OSTSEE-ZEITUNG unter www.oz-tickets.de

Antje Bernstein

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23.01.2019