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MV aktuell Privatschulen in MV werden immer beliebter
Nachrichten MV aktuell Privatschulen in MV werden immer beliebter
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07:15 23.02.2019
Privatschulen wachsen in MV stärker als staatliche Schulen. Quelle: Marijan Murat/dpa
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Rostock

Immer mehr Schüler in MV gehen an eine private Schule. Im Schuljahr 2017/18 waren laut statistischem Landesamt 17 090 Kinder und Jugendliche an einer Schule in privater Trägerschaft angemeldet. Fünf Jahre zuvor waren es noch 13 460 (+27 Prozent). Für den Privatschulverband liegt das am gestiegenen Interesse der Eltern an neuen Schulideen, aber auch an den Negativschlagzeilen über das staatliche Schulwesen vom Lehrermangel bis zur verschleppten Digitalisierung.

„Eltern machen sich heute mehr Gedanken darüber, auf welche Schule ihr Kind gehen soll“, sagt Barb Neumann, Landesvorsitzende des Verbands Deutscher Privatschulen (VDP). „Dabei geht es nicht darum, ob eine Schulform besser oder schlechter ist als die andere, sondern was die einzelnen Schulen bieten und was davon zu welchem Kind passt“, glaubt Neumann.

Größere Vielfalt

So gebe es zum einen Schulen mit eigenen Konzepten wie Waldorf- oder Montessorischulen und Schulen mit Schwerpunkten wie Sprachen oder jahrgangsübergreifenden Unterricht. „Da gibt es heute eine größere Vielfalt als früher“, erklärt die VDP-Vorsitzende. „Das staatliche Schulsystem ist dagegen stark genormt und reglementiert. Es heißt ja nicht umsonst Regelschule.“

Schüler in MV

149 000 Kinder und Jugendliche gingen im Schuljahr 2017/18 in MV an eine allgemeinbildende Schule. 131 888 waren an einer öffentlichen Schule angemeldet, 17 090 an einer Schule in freier Trägerschaft. Damit lag der Anteil der Privatschüler bei 11,5 Prozent. In der gymnasialen Oberstufe gehen sogar 16,0 Prozent aller Jugendlichen auf eine private Schule.

In den letzten fünf Jahren wurden nur noch vier Privatschulen neu gegründet, insgesamt sind es in MV heute 77. Dass die Schülerzahlen in diesem Zeitraum dennoch um mehr als ein Viertel gestiegen sind, liegt laut Neumann auch daran, dass viele Neugründungen der vergangenen Jahre „erwachsen“ geworden seien: „Viele Schulen fangen mit einer Klassenstufe an und nehmen dann in jedem Schuljahr einen weiteren Jahrgang auf.“ So dauere es einige Jahre, bis die Schulen ihre volle Stärke erreichen.

Keine Sorge um Regelschule

Im Vergleich zum Vorjahr war der Schülerzuwachs an den Privatschulen 2017/18 dreimal so groß wie an öffentlichen Schulen. Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) macht sich deswegen jedoch keine Sorgen um das staatliche Schulsystem: „Freie Schulen sind Bestandteil unseres Schulsystems. Mit ihren pädagogischen Angeboten tragen sie zur Vielfalt der Schullandschaft bei. Deswegen kann von einer Sorge nicht die Rede sein.“

In den größeren Städten ist die vermeintliche Konkurrenz durch Privatschulen besonders groß: „Insbesondere in den Städten müssen wir schauen, ob wir gut aufgestellt sind“, sagt Hesse. „Das längere gemeinsame Lernen muss umsetzbar sein. Wir müssen anerkennen, dass freie Schulen hier manchmal ein besseres Angebot machen.“

Linke: Desaströse Bildungspolitik

Für Simone Oldenburg, Fraktionsvorsitzende und Bildungsexpertin der Linken im Landtag, trägt die Politik der Landesregierung zum Aufschwung der Privatschulen bei: „Die desaströse Bildungspolitik und der Sparwahn der Landesregierung führen zu verschlechterten Unterrichts-und Arbeitsbedingungen an den staatlichen Schulen.“ Immer größere Klassen, nicht besetzte Lehrerstellen, erhöhter Unterrichtsausfall, immer mehr Schulschwänzer und Kürzungen in den Kernfächern belegen für Oldenburg „die teilweise verfehlte Bildungspolitik“. Der damit verbundene Vertrauensverlust in das staatliche Schulsystem führe mit dazu, dass Eltern den Ausweg in die Schulen in freier Trägerschaft suchen.

Oldenburg fordert ein Umsteuern: „Hier müssen dringend Investitionen in das System erfolgen. Die öffentlichen Schulen müssen so ausgestattet werden, dass sie für die Bildung der Kinder und Jugendlichen wieder attraktiv sind.“ Die Landesregierung müsse verhindern, dass öffentliche Schulen weiter ausbluten und so der staatliche Bildungsauftrag gefährdet wird.

Keine Obergrenze

Eine Obergrenze oder Quote, wie hoch der Anteil der Privatschüler im Land noch werden soll, gibt es laut Hesse nicht. „Die Möglichkeit der Gründung einer Privatschule ist verfassungsrechtlich verankert. Wenn Träger freier Schulen die rechtlichen Bedingungen erfüllen, müssen wir diese Schulen genehmigen“, so die Ministerin.

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