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MV aktuell Prost, Europa: Wie die EU den Weinpreis mitbestimmt
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05:00 24.05.2019
OZ-Mitarbeiterin Dana Frohbös mit einer Auswahl von Weinen aus aller Welt, die hierzulande erhältlich sind Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Kaum ein anderes Produkt steht so sehr für die vielfältigen Handelsbeziehungen der EU: Wein aus allen Erdteilen und in jeder Preisklasse findet sich in unseren Supermarktregalen. Doch wie kommen die Preise überhaupt zustande? Die OSTSEE-ZEITUNG hat aus Anlass der Europawahl mal genauer hingeschaut.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der europäische Binnenmarkt mit seiner Zollunion, erklärt Mario Rothaupt, Europa-Experte bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rostock. „Früher war es am einfachsten, innerhalb Deutschlands zu handeln. Bei Geschäften mit dem Ausland mussten die verschiedensten Regelungen berücksichtigt und Zölle entrichtet werden. Heute ist das in der EU alles harmonisiert, alle Standards gelten EU-weit und es gibt keine Zölle mehr.“

Keine Weinsteuer in Deutschland

Ein Großteil des Handels wird jedoch weiterhin innerhalb Deutschlands abgewickelt. Hier gibt es keine Sprachbarrieren und die Transportkosten sind gering. So wird in fast jedem Lebensmittelgeschäft eine große Auswahl deutscher Weine angeboten, wie der Spätburgunder aus Baden (Nr. 7 im Bild) für 4,69 Euro. Trotz hoher Lohnkosten in Deutschland ist er unter anderem deswegen relativ günstig, weil es in Deutschland zwar eine Schaumwein-, aber keine Weinsteuer gibt.

Anders ist es in Frankreich: Dort fallen pro Liter 3,75 Cent Weinsteuer an. Diese machen sich jedoch beim Kunden kaum bemerkbar. Grund für die meist etwas höheren Preise für Wein aus dem Nachbarland ist eher der gute Ruf des klassischen Weinbaulandes, erklärt Rothaupt. „Mit hochwertigem französischen Wein wird weltweit spekuliert. Da kann eine Flasche auch mal über 1000 Euro kosten.“ Der Bordeaux (1) im OZ-Test ist da mit 7,99 Euro doch deutlich günstiger.

Geschützte Herkunft

Etwas teurer ist der italienische Vertreter: Der Chianti Classico (2) kostet 8,29 Euro. Chianti steht für viele Deutsche für italienische Lebensart – und das lassen sie sich etwas kosten. Und sie können auch darauf vertrauen, dass der Wein wirklich aus dem Chianti kommt, sagt Rothaupt: „Beim Wein ist der Anteil von geschützten Herkunftsbezeichnungen sehr hoch.“ Anders als etwa beim Schwarzwälder Schinken, bei dem das Fleisch auch aus anderen Regionen stammen darf, müssen beim Wein die Trauben tatsächlich in der jeweiligen Region angebaut werden.

Das gilt auch für den Rioja (8) aus Spanien, der mit 5,79 Euro deutlich günstiger ist. Das liegt auch daran, dass Spanien früher den Ruf hatte, Massenware zu produzieren. Heute gilt es als eines der Weinanbauländer mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis weltweit.

Euro spielt keine Rolle

Ob ein Land der Euro-Zone angehört, spielt dagegen bei der Preisbildung keine Rolle, erklärt Rothaupt. „Es gibt ein festes Währungssystem, das nur ab und an angepasst wird. Im Handel merkt man das nicht.“ So ist der Rosenthaler Kadarka (5) aus Bulgarien, wo mit Leva bezahlt wird, mit 2,29 Euro dauerhaft unschlagbar günstig.

Schwieriger wird es, wenn Wein aus Ländern außerhalb der EU kommt. Hier gibt es eine wahre Flut von Zoll- und Einfuhrbestimmungen: Sie richten sich unter anderem nach Flaschengröße, Alkoholgehalt, Rebsorte und sogar nach der Art des Flaschenverschlusses. „Das ist für Kleinimporteure sehr schwer zu durchschauen“, erklärt Rothaupt. Diese kaufen daher oft bei Großhändlern. Innerhalb der EU können sie dagegen direkt beim Winzer kaufen und so den Großhandelspreis einsparen. „Außerdem ist es gutes Marketing, wenn man sagen kann, dass man den Wein von einem bestimmten Weingut bezieht“, so der IHK-Experte.

Zollerleichterungen für manche Länder

Mit einigen Ländern hat die EU Zollerleichterungen für Wein vereinbart, etwa mit Chile: Während der Zollsatz der Welthandelsorganisation WTO bei 32 Cent pro Liter liegt, darf der chilenische Wein zollfrei eingeführt werden. Der Merlot Reserva (3) kann daher für 5,99 Euro angeboten werden.

Andere Länder bekommen in der EU immerhin einen Zollrabatt, wie etwa Argentinien: Auf argentinischen Wein wird ein ermäßigter Satz von zehn Cent pro Liter erhoben. Der Malbec (9) im OZ-Test kommt so auf 6,49 Euro.

Strafzölle möglich

Keine Vergünstigungen genießt dagegen Wein aus den USA. Hier besteht zudem angesichts der Streitlust von Präsident Donald Trump theoretisch die Möglichkeit, dass die EU in einem Handelskrieg Strafzölle erheben könnte – innerhalb der EU undenkbar. Noch kostet der kalifornische Zinfandel (4) im OZ-Test jedoch 7,49 Euro.

Ebenfalls mit 32 Cent pro Liter wird australischer Wein verzollt. Das gilt auch für die Briten, solange sie in der EU sind. Die Briten hoffen ja darauf, dass sie nach einem möglichen Brexit besondere Handelsbeziehungen mit ihren früheren Kolonien, die heute im Commonwealth vereint sind, aufnehmen können. Bei einem geregelten Brexit bliebe Großbritannien jedoch zunächst Teil des Binnenmarktes und damit an die EU-Zollsätze gebunden, betont Rothaupt: „Es gibt in der Zollunion nur einen Zollsatz für alle Länder, Ausnahmen sind nicht möglich.“ Somit gebe es auch keinen Rabatt für den australischen Shiraz (6), der im OZ-Testkauf 4,99 Euro kostet.

Axel Büssem

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