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MV aktuell Protest gegen drohendes Fangverbot
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06:16 03.07.2018
Fischer in Sassnitz Quelle: CHRISTIAN_ROEDEL
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Sassnitz

„Nicht nur die Fischer sind aufgeschreckt, sondern auch deren Kunden!“ Uwe Richter, Chef des EuroBaltic-Fischwerks in Sassnitz, ist besorgt. Besorgt um die Auslastung seines Werkes, mit rund 200 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber auf der Insel Rügen. Die Gründe: ein drohendes Heringsfangverbot in der westlichen Ostsee für 2019 und die Folgen des BrexitFangverbote für deutsche Fischer rund um die britischen Inseln. Diese will Richter nicht widerstandslos hinnehmen. Und steht damit nicht allein: Der EU-Abgeordnete und Vize-Chef des EU-Fischereiausschusses, Werner Kuhn (CDU), und der Landesverband der Kutter- und Küstenfischer starteten am Montag eine an EU-Fischereikommissar Karmenu Vella gerichtete Petition, das von der Wissenschaft empfohlene Fangverbot in der Ostsee 2019 zu verhindern. Unterstützung erhoffen sie sich von den deutschen Küstenkommunen. Forderung: eine Mindestquote für Hering. Ansonsten verlören die Fischer ihre Existenzgrundlage, sagt Kuhn. „Sozioökonomische Aspekte müssen bei der Festlegung der Quote eine Rolle spielen.“ Der EU-Ministerrat entscheidet im Oktober über die Fangmengen für 2019.

Auch im Fischwerk kritisiert man die Null-Fang-Empfehlung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) für die westliche Ostsee und die drohende Kürzung der Nordsee-Quote um 52 Prozent. Die Wissenschaft müsse die Ursachen des Bestandsrückgangs weiter erforschen, fordert Uwe Richter. Nicht die Fänge der Fischer seien seiner Meinung nach entscheidend, sondern „auch Umweltbedingungen, die Temperaturerhöhung in der Kinderstube der Heringe im Greifswalder Bodden, Baggerarbeiten, Robben“.

Aber auch wegen des bevorstehenden Brexits suche das Werk alternative Lösungen zur Auslastung. Es gehört mit einer Verarbeitungsmenge von jährlich bis zu 50 000 Tonnen Hering aus Nord- und Ostsee zu den größten Fischverarbeitern in Europa. Etwa 40 000 Tonnen stammen aus der Nordsee und zu 100 Prozent aus den vom Brexit betroffenen Gewässern, betont Richter. „Die inzwischen ausgehandelte Beibehaltung des Status quo mit Großbritannien bis 2020 ist ein Zwischenschritt.“ Er setze darauf, dass sich EU und Großbritannien für die Zeit danach auf einen Kompromiss einigen, der den gegenseitigen Zugang zu den Gewässern und ein Freihandelsabkommen beinhalte.

Dennoch geht das Fischwerk davon aus, dass die Anlandungsmengen in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen könnten. Die Reduzierung der Heringsquote in diesem Jahr habe bereits dazu geführt, dass das Werk im März und April nicht ausgelastet gewesen sei. Man wolle jetzt verbindliche Gespräche mit den Fischereiunternehmen führen, um diskontinuierliche Belieferungen im kommenden Jahr auszuschließen. Ansonsten müsse man die „Reißleine ziehen“, so Richter. Die Verarbeitung von Hering aus der östlichen Ostsee schließt er aus. Man wolle sich das Schadstoffproblem nicht ins Werk holen. Denn: Hering aus der östlichen Ostsee gilt als stärker schadstoffbelastet.

Wegen Mangel an Nachwuchs hatte der ICES eine einjährige Aussetzung der Heringsfischerei in der westlichen Ostsee empfohlen. Die Untergrenze für die Biomasse an erwachsenen Heringen wurde von derzeit 90 000 Tonnen auf 120 000 Tonnen heraufgesetzt. Der derzeitige Bestand von 105 000 Tonnen läge damit darunter.

OZ

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