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MV aktuell Prozess gegen Pfusch-Chirurg aus Rostock: Urteil in Abwesenheit doch möglich
Nachrichten MV aktuell Prozess gegen Pfusch-Chirurg aus Rostock: Urteil in Abwesenheit doch möglich
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16:29 19.11.2019
Thomas R. neben seinen Pflichtverteidigern Wolf Klink (l.) und Temba Hoch (r.) beim Prozessauftakt im April 2018 im Rostocker Landgericht. Mittlerweile sitzt der 56-jährige Chirurg in Zürich in U-Haft. Quelle: Stefan Tretropp
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Rostock/Zürich

Der Prozess gegen den Rostocker Neurochirurgen Thomas R. steht kann trotz der Verhaftung des 56-Jährigen in der Schweiz zu Ende geführt werden. Das machte Richter Guido Lex am Dienstag im Rostocker Landgericht deutlich, wo seit anderthalb Jahren gegen den Mediziner wegen schwerer Körperverletzung verhandelt wird.

R. war am 28. Oktober in einem Schweizer Hotel verhaftet worden und sitzt seitdem in Zürich in U-Haft. Das Rostocker Landgericht geht davon aus, dass sich R. ins Ausland absetzte, um einer drohenden Gefängnisstrafe in Deutschland zu entgehen. „R. flüchtete in die Schweiz, um sich dem Verfahren zu entziehen“, sagte Richter Lex.

Auslieferung würde sechs Monate dauern

Eine Auslieferung nach Deutschland lehnt der Arzt ab. Die Auslieferung gegen seinen Willen würde laut Schweizer Behörden sechs Monate dauern. Nach Ansicht des Rostocker Landgerichts bleibt R. mit dieser Weigerung dem Prozess „eigenmächtig“ fern. So sei eine Voraussetzung erfüllt, um das Verfahren ohne ihn fortsetzen zu können, begründete Lex. Bisher hatte es geheißen, eine Weiterführung wäre ohne R. sehr wahrscheinlich nicht möglich.

Betrug im See-Spital

Die Züricher Strafverfolger werfen dem Chirurgen laut Rostocker Landgericht Betrug, Urkundenfälschung und Körperverletzung vor. Thomas R. soll unter anderem am See-Spital in Kilchberg in der Nähe von Zürich Patienten mit gefälschten Rechnungen betrogen haben. R. arbeitete 2013 und 2014 in der Schweiz. Im Herbst 2014 wurde er in Deutschland wegen Abrechnungsbetrugs zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, die er absaß.

Lebenslanges Berufsverbot gefordert

In Deutschland drohen R. weitere acht Jahre Haft und lebenslanges Berufsverbot. Das ist jedenfalls die Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Wirbelsäulenspezialist soll Patienten durch Behandlungsfehler und überflüssige Operationen bleibende Schäden zugefügt haben. Vor Gericht wird nur ein Fall verhandelt – der einer 47-jährigen Frau aus der Nähe von Neubrandenburg, die heute schwerbehindert und berufsunfähig ist.

Richter wirft Verteidigern Prozessverschleppung vor

Temba Hoch, einer der beiden Pflichtverteidiger von Thomas R., kritisiert das Landgericht. Das habe ihn nicht über die Gespräche zwischen Rostock und Zürich zu einer möglichen Auslieferung informiert. Richter Lex wies das zurück und wirft der Verteidigung wiederum Prozessverschleppung vor, unter anderem durch eine Vielzahl von Befangenheitsanträgen. Die seien so gestellt worden, dass mehr Termine notwendig waren als geplant. Hoch wollte sich dazu am Dienstag nicht äußern. Kommenden Montag fährt er erstmals nach Zürich und besucht seinen Mandanten im Gefängnis. Die Verhandlung geht Anfang Dezember weiter.

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