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MV aktuell Angeklagter zum Mord an Maria K.: „Wir wollten uns nicht schmutzig machen“
Nachrichten MV aktuell Angeklagter zum Mord an Maria K.: „Wir wollten uns nicht schmutzig machen“
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16:57 20.08.2019
Der Angeklagte Nicolas K. hat sich zur Nacht, in der Maria K. gestorben ist, umfangreich geäußert. Quelle: Tilo Wallrodt
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Stralsund

Am ersten Tag des Mordprozesses im Fall Maria K. hat sich der Angeklagte Nicolas K. umfangreich zur Tatnacht und der Zeit davor geäußert. Vor dem Landgericht Stralsund schilderte der 19-Jährige, wie der Plan entstanden sei, die 18-jährige Maria, ein Mädchen aus seinem Zinnowitzer Bekanntenkreis, umzubringen.

Nicolas K. habe am 18. März, dem Tag des Mordes, zunächst bis mittags geschlafen – so wie immer – und danach den ganzen Tag Alkohol getrunken. Er habe sich mit Freunden getroffen, im Zinnowitzer Park und im Jugendklub. Am Abend seien schließlich er und der zweite Beschuldigte Niko G. übrig geblieben. Da sei er auf die Idee gekommen, Maria K. umzubringen. Niko G. habe eingewilligt. Nicolas K. sagt, es sei ihm darum gegangen, einen Menschen sterben zu sehen. Seine Erinnerungen schildert Nicolas K. so ruhig und sachlich, wie andere von ihrem Wochenendeinkauf sprechen.

Bilder vom Prozessauftakt im Mordfall Maria K. in Stralsund:

Bilder vom Prozessauftakt im Mordfall Maria K. am Landgericht Stralsund

Der Angeklagte, der den Namen seiner kleinen Tochter als Tattoo über der Augenbraue trägt, schilderte weiter, dass sie noch keinen Plan hatten, wie genau sie ihre Freundin töten wollten. Zunächst jedoch gingen sie nach Hause, um sich – und hier stockte den Zuhörern im Gericht der Atem – Wechselkleidung zu besorgen. Warum Wechselkleidung, wollte Richterin Birgit Lange-Klepsch wissen. „Wir hatten unsere guten Klamotten an, die wollten wir nicht schmutzig machen“, antwortete Nicolas K. Was heißt schmutzig machen, fragte die Richterin. Antwort: „Es sollte kein Blut darauf kommen.“ Sie seien dann zusammen mit einem Küchenmesser und einer weiteren Waffe losgezogen.

Gegen 22.30 Uhr seien sie an Marias Wohnung in der Zinnowitzer Waldstraße angekommen. Sie war nicht zu Hause, die beiden mussten sie mehrfach anrufen, ehe sie schließlich eintraf. Sie sind dann unter dem Vorwand in die Wohnung gegangen, ein Ladekabel holen zu wollen.

Als Maria Gläser für ihre Gäste holen wollte, habe Nicolas K. das Messer in ihren Hals gerammt. Sie sei zu Boden gesackt, habe aber noch versucht, sich zu wehren. Daraufhin habe sich K. auf sie gestürzt und wie im Rausch auf sie eingestochen, vor allem im Kopfbereich. Dabei habe sie ein Auge verloren. Der Kampf muss heftig gewesen sein, K. habe G. zugerufen, er solle ihm helfen und Maria festhalten. Danach hätten sie das Tatmesser sowie Marias Handy und einige Tassen aus der Wohnung in die Ostsee geworfen.

Als Nicolas K. im Stralsunder Landgericht den brutalen Tathergang zu schilderte, kam es zu einem Zwischenfall. Dem zweiten Beschuldigten Niko G. wurde auf einmal so schlecht, dass er sich in einen Eimer übergeben musste. Der Prozess wurde unterbrochen, bis er sich wieder erholt hatte.

Diese Kriminalfälle haben Mecklenburg-Vorpommern bewegt:

Seit 1992 wurden in Mecklenburg-Vorpommern etwa 400 Menschen ermordet. Mehr als 90 Prozent dieser Fälle wurden aufgeklärt. Doch auch dreiste Raubüberfälle, Trickbetrugsserien und mysteriöse Skulpturen bewegten in den letzten Jahren das Land. Wir zeigen spektakuläre Kriminalfälle, die in MV für Aufsehen sorgten.

Nach der Pause äußerte sich auch Niko G. in Form eines Statements über seinen Anwalt. Er ließ ausrichten, dass er zwar bei der Tat mitgemacht habe, aber nicht davon überzeugt gewesen sei. Das Geschehen habe ihn sehr mitgenommen, er habe in den Tagen danach viel geweint.

Der erste Prozesstag im Fall Maria K. hatte schon am Morgen mit einem Eklat begonnen. Der Beschuldigte Nicolas K. zeigte, während die Fotografen ihre Fotos machten, leicht verdeckt, aber sichtbar den Mittelfinger. Er erschien verhüllt in Kapuzenpullover, Basecap und mit Tuch vor dem Mund. Der ebenfalls angeklagte Niko G. verzichtete auf Verhüllung, trug Jackett und Jeans.

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