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MV aktuell Skandal-Heim: Polizisten hielten Bewohnerin bereits für tot
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13:24 28.03.2019
Ani S. am Mittwoch mit ihrem Anwalt im Verhandlungssaal des Amtsgerichts Güstrow. Quelle: Danny Gohlke/dpa
Güstrow

Knapp drei Jahre nach dem Pflegeheim-Skandal in Krakow am See (Landkreis Rostock) muss sich seit Mittwoch die mutmaßliche Hauptverantwortliche vor dem Güstrower Amtsgericht verantworten. Ani S., ehemalige Chefin des Pflegedienstes Elisa, soll Pflegebedürftige, darunter Demenzkranke, unter teils katastrophalen Bedingungen untergebracht haben. 2016 schloss die Heimaufsicht des Landkreises nach mehreren Gerichtsverfahren die insgesamt drei Einrichtungen in Krakow und Güstrow. Freiheitsberaubung in zehn Fällen, Misshandlung von Schutzbefohlenen, Körperverletzung und Betrug werden der Ex-Pflegeunternehmerin vorgeworfen. Sollte sie in allen Punkten schuldig gesprochen werden, droht ihr eine mehrjährige Haftstrafe.

Bewohner eingesperrt und schwer hydriert

Zeugen berichteten von unhaltbaren Zuständen: Eine Mitarbeiterin der Heimaufsicht schilderte, sie habe eine Bewohnerin abgemagert im Dachgeschoss eines der Häuser gefunden, die hilflos in einem vergitterten Bett gelegen habe und schwer dehydriert gewesen sei. „Wie ein Häufchen Elend“ habe sie dagelegen. Ein Kriminalpolizist berichtete, er habe die Frau für tot gehalten, bis sie „Durst, Durst“ gesagt habe. „Wir waren schon sehr schockiert von dem Gesamtbild dort“, sagte ein anderer Polizist. Die Tochter der Frau tritt als Nebenklägerin im Prozess auf und verließ bei den Schilderungen weinend den Gerichtssaal.

In einem Keller sei ein verwahrloster, dehydrierter Mann gefunden worden, der offene Wunden am Fuß gehabt habe, sagte die Zeugen übereinstimmend. Beide Pflegebedürftigen hatten damals wegen ihres Zustandes von Notärzten versorgt werden müssen.

Auch die weiteren Vorwürfe gegen die Angeklagte wiegen schwer: So sollen in anderen Einrichtungen drei Menschen auf 15 Quadratmetern eingepfercht und nachts die Türen verschlossen gewesen sein. Personal sei dann keines mehr im Haus gewesen. Unangemeldeter Besuch habe die Frau untersagt, sie soll außerdem selbst entschieden haben, ob Bewohner ärztliche Behandlung erhalten. Eine Mitarbeiterin sei etwa als Köchin eingestellt, dann aber als Pflegerin eingesetzt worden.

Promi-Anwalt legte Mandat nieder

Ani. S. wird inzwischen nicht mehr von Promi-Anwalt Peter-Michael Diestel vertreten. Der ehemalige DDR-Innenminister lobte 2016 noch das seiner Meinung nach menschliche Engagement seiner Mandantin. Die Schließung der Heime sei rechtswidrig, Arbeitsplätze würden zerstört, sagte Diestel damals zu den Vorwürfen von Heimaufsicht und Krankenkassen. Inzwischen hat er das Mandat niedergelegt. Die 33-Jährige mit armenischen Wurzeln war zeitweise an sechs Unternehmen beteiligt. So besonders einträglich waren die wohl nicht, mehrere schuldnerrechtliche Einträge wiesen sie als zahlungsunfähig aus. Fälschlich bezeichnete sie sich als Pflegefachkraft, so die Staatsanwaltschaft. Tatsächlich war sie früher Versicherungsmaklerin. In der Pflegebranche droht ihr ein Berufsverbot.

Betrogen haben soll Ani S. auch ihre eigenen Mitarbeiter. In einem weiteren Verfahren sicherte sie einem Mann und einer Frau, die gekündigt hatten, nach einer Güteverhandlung am Arbeitsgericht 3500 bzw. 4000 Euro Abfindung zu. Sie soll nie geplant haben, zu zahlen. Der Hauptprozess geht am 16. April weiter.

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