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MV aktuell Prozessbeginn um Mord an Rentner in Wittenburg
Nachrichten MV aktuell Prozessbeginn um Mord an Rentner in Wittenburg
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14:30 29.04.2019
Wittenburg: Kerzen zum Gedenken leuchten in der Bartholomäuskirche unter einem Stein, mit der Aufschrift "Du sollst nicht töten". Am 29. April 2019 beginnt in Schwerin der Prozess gegen einen jungen Mann wegen Mordes an dem Rentner. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
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Schwerin

Sechseinhalb Monate nach dem Mord an einem 85-jährigen Rentner in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) beginnt an diesem Montag der Prozess vor dem Landgericht Schwerin. Angeklagt ist ein abgelehnter Asylbewerber aus Afghanistan, der von der Tochter des Opfers für Arbeiten am Haus engagiert worden war. Der junge Mann war am Vorabend der Tat in Wittenburg eingetroffen. Die Tochter ist Nebenklägerin und soll am ersten Verhandlungstag auch als Zeugin aussagen, wie ein Gerichtssprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Sie hatte den Afghanen, der in einer Gemeinschaftsunterkunft im Raum Zwickau in Sachsen lebte, laut Staatsanwaltschaft schon im Sommer 2018 kurzzeitig für die Pflege ihres Vaters in dessen Einfamilienhaus in Wittenburg engagiert. Zum Zeitpunkt der Tat war demnach zudem ein Pfleger aus Bosnien im Haus. Dieser beobachtete die Tat über die Kamera eines Babyphones, das zur Überwachung im Schlafzimmer des pflegebedürftigen Rentners aufgestellt war.

Alter des Angeklagten ist unklar

Der Afghane, dessen Alter unklar ist, soll dem 85-Jährigen in der Nacht zum 17. November 2018 die Kehle durchgeschnitten haben. Anschließend flüchtete er in Richtung Hamburg und wurde einen halben Tag später an der A24-Anschlussstelle Talkau (Schleswig-Holstein) aufgegriffen. Zuvor hatte er wohl Autofahrer unter anderem an der Autobahn-Tankstelle Gudow angesprochen, ob sie ihn nach Hamburg mitnehmen könnten. Zwei von ihnen sollen ebenfalls am Montag als Zeugen vernommen werden.

An der Anschlussstelle Talkau soll der Angeklagte ebenfalls versucht haben, als Anhalter mitgenommen zu werden. Dabei fiel sein Zustand auf - er war laut Staatsanwaltschaft nur dünn bekleidet. Ein Rettungswagen und die Polizei kamen und der Mann wurde schließlich festgenommen.

Sieben Verhandlungstage angesetzt

Das Alter des Angeklagten könnte im Lauf des Prozesses noch eine Rolle spielen: Die Personaldokumente weisen als Geburtsdatum den 1. Januar 1998 aus. Damit wäre er zum Tatzeitpunkt 20 Jahre alt gewesen - weshalb er als Heranwachsender gelten und das Jugendstrafrecht angewendet werden könnte. Es sieht mildere Strafen vor als das Erwachsenenstrafrecht. Für Mord gibt es nach Jugendstrafrecht maximal zehn Jahre Haft, nach Erwachsenenstrafrecht ist lebenslang möglich.

Eine Altersfeststellung durch einen Gutachter in der Untersuchungshaft ergab nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber, dass er „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ älter als 21 ist. Die Staatsanwaltschaft geht von persönlichen Motiven für die Tat aus - einen politischen oder religiösen Hintergrund hatte sie schon früh ausgeschlossen. In Vernehmungen soll der junge Mann die Tat nicht eingeräumt, aber sinngemäß gesagt haben: „Alter Mann immer krank.“ Für den Prozess sind zunächst sieben Verhandlungstage bis Ende Mai angesetzt.

Mord an Rentner in Wittenburg: Eine Chronik

13. März 2019: Anklage gegen mutmaßlichen Mörder von Rentner in Wittenburg

16. Januar 2019: Tatverdächtiger älter als angenommen

23. November 2018: Gedenken an getöteten Rentner in Wittenburg – „Brauchen Respekt“

22. November 2018: Stadt und Kirchen planen große Trauerfeier

21. November 2018: Nach Rentner-Mord: Angst vor „zweitem Chemnitz

20. November 2018: OZ-Kommentar zum Mord in Wittenburg: Kühlen Kopf bewahren

20. November 2018: Rentner aus Wittenburg starb an tiefem Halsschnitt – neue Details

19. November 2018: Obduktion angeordnet – Motiv unklar

19. November 2018: Mutmaßlicher Täter offenbar nur zufällig verhaftet

18. November 2018: Ex-Pfleger soll schlafenden Rentner die Kehle durchgeschnitten haben

18. November 2018: Junger Pfleger tötet 85-Jährigen mit Messer

RND/dpa

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