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MV aktuell Rad-Star Stefan Nimke: Vom Olympiasieger zum Lokalpolitiker
Nachrichten MV aktuell Rad-Star Stefan Nimke: Vom Olympiasieger zum Lokalpolitiker
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12:21 27.08.2019
Stefan Nimke (41), Olympiasieger und sechsfacher Weltmeister im Bahnradsport, mischt jetzt in der Kommunalpolitik mit. Quelle: Frank Pubantz
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Schwerin

Stefan Nimke schwitzt. Sein Kopf wird rot vor Anstrengung. In der Palmberg-Arena, wo Schwerins Spitzensportler zu Hause sind, ist heute Kraft-Einheit angesagt. Rudern, Klimmzüge, Sit-ups. Nimke, der 2004 als Bahnradfahrer olympisches Gold holte, sechsmal Weltmeister war, ist mit 41 Jahren immer noch aktiv. „Ich muss meinem Herzen etwas anbieten“, sagt er. Ein Leben lang.

Das Herz von Leistungssportlern ist von den Anforderungen meist groß, abtrainieren langwierig. Nimke plaudert über eine neue Aufgabe: Als Stadtvertreter rückte der Sportstar in die Schweriner Kommunalpolitik. Erster Plan: die Lücken schließen im Radwege-Netz.

Ziel: die Paralympics 2020 in Tokio

Aber Nimke trainiert gar nicht ab. Er hat die Rolle gewechselt, ist immer noch geförderter Sportler des Landes – „Perspektivkader“, zweite Reihe. Im Frühjahr wurde er über 4000 Meter Achter als Pilot auf dem Tandem-Rad mit Paracycler Tim Kleinwächter. „Wir hatten uns mehr ausgerechnet“, gibt er zu. Bald will Nimke wieder angreifen. Ziel: bei den Deutschen Meisterschaften im November die Quali zur WM schaffen, dann womöglich noch einmal Paralympische SpieleTokio 2020. „Bis dahin muss ich Gas geben.“

Die Muskeln in Stefan Nimkes Körper spannen sich. 60 Kilo drückt er locker auf der Bank, immer wieder. Kein Vergleich mehr zu früher, als er bei 1,86 Meter Größe 94 Kilo wog, ein Muskelpaket. „Ich hatte solche Oberschenkel“, sagt er und umkreist mit seinen Händen die kräftigen Beine. Und Po-Muskeln. „Da hatte ich Probleme, Hosen zu kaufen“, sagt Nimke und lacht. Heute seien es noch 87, 88 Kilo. Sein Ruhepuls liege bei 42, 43 Schlägen pro Minute. Mit neun Jahren kam er zum Rad-Leistungsport – das bedeutet: über 30 Jahre Training und Disziplin. Das sei nicht immer leicht. „Mein größtes Laster ist Schokolade“, gibt er zu.

Sorge um den Radsport-Nachwuchs in MV

Im Kraftraum ist der Radsportler fast allein. Er flachst kurz mit Jo Ellen Look, einem Frauen-Nachwuchstalent auf dem Rad, und Trainer André Quaiser. Alle wirken tiefenentspannt. Dann werden sie ernst. Thema: kaum Nachwuchs im Radrennsport des Landes. Schwerin ist Bundesstützpunkt. „Wir sind bis 2020 bestätigt“, sagt Quaiser. Eine neue Radrennbahn ist im Gespräch. „Die Chancen stehen gut.“ Aber: Es gebe zu wenige Trainer.

Bildergalerie: Stefan Nimke – früher und heute

Jahrelang hat er sportliche Höchstleistungen gebracht, nun will er auch in der Kommunalpolitik etwas bewegen: der Olympiasieger und sechsfache Weltmeister im Bahnradfahren Stefan Nimke.

Nimke macht Klimmzüge. Mehrere Serien. An der Wand hängen Plakate der Schweriner Volleyball-Damen. Auch von ihm mit Medaille. „Home of Team Germany“, steht auf einem. Fünf bis sechs Tage pro Woche trainiere er. Morgens, nachmittags. Heute steht noch eine Tandem-Fahrt auf dem Plan. 90 Minuten lang.

Idee: Autos sollen in Schwerin den Radfahrern weichen

Der Sportler erzählt von seiner neuen Aufgabe. Im Mai wählten ihn die Schweriner zum Stadtvertreter. Er erhielt die zweitmeisten Stimmen für die CDU. „Das Radfahren ist ein großes Thema in Schwerin“, sagt Nimke. Mit der CDU-Fraktion fuhr er gerade problematische Strecken ab. Beispiel: In der Lübecker Straße endet der Radweg plötzlich; Radler müssen auf Straße oder Gehweg ausweichen. Das gehe so nicht, findet er. Idee: Auch dort könnte der Autoverkehr von zwei- auf einspurig wechseln. Mehr Platz für Radfahrer. „Alle reden doch von Klimaschutz“, sagt Nimke, der CDU-Mann ohne Partei-Buch. „Da muss man auch was tun, nicht nur reden.“

Noch ein Thema: Die Taktung der Radfahrer-Ampeln müsse verbessert werden. Der Verkehr sei immer noch zu sehr auf Autos ausgerichtet. Für ihn kein Problem, der bei grüner Welle mit 50 km/h durch Schwerin strampelt. Aber für andere. Entscheidend sei: „Was will Schwerin?“ Politik müsse dichter bei den Menschen sein und zuhören. Er sitzt im Ausschuss für Bildung, Soziales und Sport, dazu im Aufsichtsrat der Stadtreinigung.

Warum er Kommunalpolitiker wurde? „Ich wurde gefragt“, sagt Nimke. Bereits 2017 nominierte ihn die CDU für die Bundesversammlung, um den neuen Bundespräsidenten zu wählen. Vielleicht sei Politik ja sogar was für die Zukunft, grübelt er beim Klimmzug unter Adrenalien-Schub. „Vielleicht erschließen sich ja noch andere Möglichkeiten.“

Nimke: Verständnis für Sorge um „deutsche Tugenden“

Zum Umgang mit der AfD hat er eine klare Sicht. Die Partei sei demokratisch gewählt, daher in die Arbeit einzubeziehen. „Man muss versuchen, mit jedem zurechtzukommen“, sagt der Stadtvertreter. Für die Bürger der Stadt. Dass er nicht CDU-Mitglied ist, sei „ein Vorteil“. Seine Prägung nennt Nimke „konservativ, aber offen“. Pünktlichkeit sei ihm wichtig. Disziplin habe er in Jahrzehnten des Leistungssports gelernt. „Aber auch Toleranz und Miteinander gegenüber der Konkurrenz.“ Dies wolle er auch in der Politik umsetzen: „Man muss jedem Gegner mit Respekt gegenübertreten.“

Dann schwenkt er zur aktuellen Politik. Migration, Werteverlust, zunehmende Aggressivität. „Ich verstehe die Sorge von Menschen, die um deutsche Tugenden fürchten“, sagt er. Das sagt er zweimal. „Es gelten die Regeln des Gastlandes.“ Weltweit – das wisse er von unzähligen Reisen als Sportler. „Wer sich nicht daran hält, fliegt raus.“ Punkt.

Am Nachmittag steigt Stefan Nimke im Norden Schwerins auf ein Tandem. Seine Partnerin heute ist Katharina Pilz (19), Sportstudentin aus Bielefeld. Nimke schiebt das Rad durch seinen Vorgarten. Im Hintergrund sind Obst- und Gemüse-Kulturen zu sehen. Das sei sein Hobby, sagt er. Und gesund. Ein Gewächshaus baue er gerade auf. Am Stadtrand lebt er mit Frau und zwei Töchtern. Vor der Garage steht ein roter Mini Cooper. „SN – OS 4“ steht darauf. Olympiasieger 2004. Nimke grinst. „Das bin ich ja.“

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