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MV aktuell Rapszüchter auf Poel fühlen sich durch EU-Urteil ausgebremst
Nachrichten MV aktuell Rapszüchter auf Poel fühlen sich durch EU-Urteil ausgebremst
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21:05 09.01.2019
In einem Gewächshaus der Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG auf der Insel Poel bringt Susanne Behrendt an blühenden Rapspflanzen Tüten an, in denen die Bestäubung stattfinden soll. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Poel

Der süße Blütenduft steigt sofort in die Nase: Im Gewächshaus der NPZ Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke in Malchow auf der Insel Poel weht dem Besucher ein Hauch von Frühling entgegen, denn dort blüht jetzt schon der Raps. Mitarbeiterinnen wie Susanne Behrendt ziehen Tüten über die Blüten. „Das sind unsere Verhüterli“, meint Geschäftsführer Dietmar Brauer lachend. Die Folien sorgen dafür, dass keine Pflanze mit Blütenstaub von Nachbarexemplaren in Berührung kommt.

Reinheit ist oberstes Gebot in der Mecklenburger Firma, die als Wiege der deutschen Rapszucht gilt. Vor mehr als 120 Jahren legte Brauers Urgroßvater, Hans Lembke, auf Poel den Grundstein für ein Unternehmen, das die Familie bis heute als „klassisches mittelständisches Unternehmen“ führt, wie Brauer am Mittwoch bei der Auftakt-Pressekonferenz des Landesbauernverbandes in Malchow berichtet. In 40 Ländern ist die Firma mit ihren Rapssorten aktiv, in Europa ebenso wie im Iran, China, Nord-und Südamerika. Wenn im Mai auf Mecklenburg-Vorpommerns Feldern der Raps blüht, kommt ein Großteil des Saatguts aus dem Züchterhaus NPZ/Lembke.

Kommentar zum Thema: Schwein muss man haben

Prognose für 2019 reicht von „sehr gut bis na geht so“

Doch nicht nur der Raps, auch die anderen Winterkulturen stehen derzeit in MV „recht ordentlich“, sagt Landesbauernpräsident Detlef Kurreck. Regional gebe es zwar Unterschiede, „von sehr gut bis na geht so“. Nach dem Dürrejahr 2018, das viele Betriebe „an die Grenze der Belastbarkeit“ brachte, sei er für das neue Jahr „verhalten optimistisch“. Allerdings hätten die Landwirte „eine teure Herbstbestellung hinter sich“. Zum Teil musste doppelt ausgesät werden, weil Kulturen wegen der Trockenheit nicht aufgingen.

Auch wenn Kurreck sich um Optimismus bemühte, rosig ist die Lage im Agrarsektor offensichtlich nicht. Die Europäische Union habe bei Getreide Marktanteile im internationalen Geschäft verloren, auf dem Milchmarkt hätten sich die Erwartungen nicht erfüllt, die Preise seien wieder rückläufig, informiert der Verbandschef. Auch im Schweinesektor werde es „hektischer“: Vor allem die Ferkelhalter stünden vor Herausforderungen, unter anderem wegen Änderungen in der Sauenhaltung und beim Ferkelkastrieren. Kurreck: „Und über allem schwebt das Damoklesschwert der Afrikanischen Schweinepest.“

Die Zukunft sei „mit großen Fragezeichen versehen“, meint Kurreck mit Blick auf die EU-Agrarpolitik. Für die neue Förderperiode ab 2021 gebe es noch keine Beschlüsse und niemand wisse, wie nach der Europa-Wahl im Mai die neuen EU-Kommissare agieren. Fest stehe nur, „das Korsett wird enger“.

Deutsche Pflanzenzüchter fühlen sich durch EU ausgebremst

Das spürt auch Saatzucht-Unternehmer Dietmar Brauer. Die deutschen Pflanzenzüchter würden durch den Europäischen Gerichtshof ausgebremst, der im Juli 2018 neue Züchtungsmethoden als Genveränderungen einstufte – und damit unterbindet. „Mit diesem Urteil hatten wir nicht gerechnet, wir sind richtig in Schockstarre verfallen“, sagt Brauer. Sein Unternehmen habe Anträge auf Eis gelegt und in der Winterrapszüchtung mehrere Projekte gestoppt. Dabei gehe es um „Punkt-Mutationen, wie sie bei intensiver Sonneneinstrahlung nach jedem Rasenmähen auch millionenfach in der Natur vorkommen“. Die Richter hätten dies als genetische Modifikationen eingestuft und damit den Gen-Transfers gleichgesetzt, die in der EU nicht akzeptiert sind. Brauer pocht auf Differenzierung. Bei den Verfahren gehe es um „minimalinvasive Eingriffe“, nicht um den Einbau von Fremd-Genen, wie sie zum in Amerika in der Sommerraps-Züchtung zulässig ist.

In der Zucht von Winterraps, aber auch von Ackerbohnen und Futtergräsern orientiert sich das Züchterhaus auf robuste Sorten mit einer „Summe guter Eigenschaften“. Kriterien seien hohe, Widerstandskraft gegen Krankheiten und Robustheit bei Witterungsunbilden. Es sei nicht leicht, Sorten zu züchten, die Trockenheitsstress ebenso verkraften wie zuviel Nässe im Boden. Brauer: „Wir brauchen ausgewogene Sorten.“

Dietmar Brauer als Agrar-Unternehmer des Jahres geehrt

Dietmar Brauer, Urenkel des Begründers der deutschen Rapsszucht, Hans Lembke, ist Geschäftsführer und als Familienmitglied einer der Gesellschafter der Norddeutschen Pflanzenzucht in Hohenlieth (Schleswig-Holstein) und Malchow/Poel (Mecklenburg-Vorpommern). Das vor 28 Jahren wiedervereinigte Unternehmen hat 300 Mitarbeiter an 15 Standorten in Deutschland, Polen, Kanada, Großbritannien, Frankreich und Dänemark. Um im Wettbewerb mit internationalen Konzernen bestehen zu können, engagiert sich Brauer sehr für die Kooperation mittelständischer Züchterhäuser im Rapool-Ring und in der Saaten-Union. In der Agrarbranche wurde der 55-Jährige als „Unternehmer des Jahres 2018“ geehrt, was Brauer als Ehrung für seine „großartige Belegschaft“ sieht.

Elke Ehlers

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