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MV aktuell Rauchen an Ostseestränden: Welche Seebäder in MV es erlauben – und welche nicht
Nachrichten MV aktuell Rauchen an Ostseestränden: Welche Seebäder in MV es erlauben – und welche nicht
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20:41 25.04.2019
Viele Nichtraucher stören sich am Zigarettenrauch und an den Kippen im Sand. Quelle: Cosima Kuenzel
Rostock

Umweltbelastender Müll und Geruchsbelästigung einerseits – persönliche Freiheit und legaler Genuss andererseits: Mit dem Start der Strandsaison wird in MV auch wieder über das Rauchen am Strand diskutiert. Während es in einigen Ostseebädern bereits Nichtraucherstrände gibt, scheuen andere Kurverwaltungen diesen Schritt. Die Erfahrungen mit rauchfreien Strandabschnitten und anderen Ideen sind durchweg gut.

Mit dem Start der Strandsaison wird in MV auch wieder über das Rauchen am Strand diskutiert. In den Ostseebädern gibt es relativ wenige Nichtraucherstrände. Viele Kurverwaltungen setzen eher auf Aufklärung und Toleranz statt auf rigide Verbote. Was sagen die Betroffenen dazu?

In Heiligendamm gibt es seit fünf Jahren einen Nichtraucherstrand. Den Antrag dazu hatte der heutige Bürgermeister von Bad Doberan, Jochen Arenz (parteilos), noch als Stadtvertreter eingebracht. Er zieht eine positive Bilanz: „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht: Der Strand ist sauberer geworden und viele Familien entscheiden sich bewusst für den rauchfreien Strandabschnitt.“ Es gebe auch keine Konflikte zwischen Rauchern und Nichtrauchern oder Beschwerden. „Die Strandbesucher regeln das vernünftig untereinander“, glaubt Arenz. Das sei früher anders gewesen.

OZ-Umfrage: Sollte das Rauchen an den Stränden von MV verboten sein?

Allerdings gebe es bis heute große Probleme mit Kippen im Sand. Für ein generelles Rauchverbot am Strand ist Arenz dennoch nicht: „Der Strand ist ja kein geschlossener Raum, wie etwa eine Gaststätte.“

In Rostock wurden 2012 die ersten rauchfreien Aufgänge in Warnemünde und Hohe Düne eingerichtet. „Sie werden von unseren Gästen und von den Einheimischen sehr gut angenommen“, sagt Beate Hlawa, Marketingchefin der Tourismuszentrale.

Zudem werden seit 2014 kleine Strandaschenbecher verteilt sowie große Strandaschenbecher aufgestellt. „Schon nach einem Jahr ist die Zahl der Kippen im Sand deutlich zurückgegangen“, sagt Nardine Stybel, Geschäftsführerin des Umweltverbands EUCC, der mit der Tourismuszentrale bei dem Projekt zusammenarbeitet.

Pro-Kommentar: Eine freundliche Bitte ist nicht genug

Kontra-Kommentar: Es reicht mit der Bevormundung!

Während die Touristiker beim Nichtrauchen bislang auf Freiwilligkeit setzen, würde sich Stybel ein echtes Rauchverbot an einzelnen Strandabschnitten wünschen: „Kippen sind Sondermüll. In ihnen sammeln sich konzentriert die Schadstoffe der Zigarette, die im Wasser gelöst werden.“ Eine Kippe könne so 1000 Liter Wasser verunreinigen.

Zudem sei der Kunststoffanteil im Filter biologisch nicht abbaubar und bleibe so als Plastikmüll im Meer. Andere Umweltschützer gehen daher noch weiter: „Grundsätzlich wäre es angebracht, das Rauchen an Stränden zu verbieten“, forderte Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund Nabu im NDR.

Nichtraucherabschnitte auf Rügen

Am Strand von Göhren auf Rügen gibt es seit zehn Jahren zwei Nichtraucher-Abschnitte. Den Anlass dafür gaben einst Besucherumfragen, bei denen sich insbesondere Familien rauchfreie Strände wünschten. „Wir haben uns dann dazu entschlossen, kein Verbot, sondern ein Gebot zu erlassen“, berichtet Kurdirektor Jörn Fenske. Man vertraue auf die Disziplin der Besucher.

Strandkorbvermieter fragen die Gäste gezielt, in welchen Bereich sie gehen möchten. Für Raucher gibt es zudem kleine mobile Aschenbecher. „Es gibt viel Begeisterung, auch bei Rauchern“, sagt Fenske. „So ist es deutlich entspannter für beide Seiten.“

„Wir sind keine Erzieher“

In Sellin auf Rügen werden in diesem Jahr erstmals Maßnahmen gegen Kippen im Sand ergriffen. Bis zum 1. Juni werden sieben Aschenbecher an den Strandaufgängen aufgehängt. Zudem bekommen Raucher auch hier kleine Strandascher, die sie mit an ihren Strandkorb oder Liegeplatz nehmen können. „Wir wollen die Gäste dafür sensibilisieren, dass der Strand schützenswert ist“, erklärt Steffi Besch, Sprecherin der Kurverwaltung. „Wir sind keine Erzieher. Wir können die Menschen nur auf das Angebot aufmerksam machen.“

Auch in Dierhagen (Kreis Vorpommern-Rügen) setzt man eher auf Toleranz. „Ein Verbot ist schon allein von der Satzung her nicht möglich“, erklärt Kurdirektor Stephan Fellmann. „Das wäre ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.“

Appell an den Menschenverstand

In Dierhagen können Raucher kleine wiederverwendbare Aschenbecher aus Metall erhalten. „Wir appellieren an den Menschenverstand“, so Fellmann. „Mit Rücksicht und Toleranz kommt man am weitesten.“ Der Kurdirektor fordert ökologisch abbaubare Zigarettenfilter.

In Zinnowitz auf Usedom setzt man ebenfalls auf Angebote zur Müllvermeidung statt auf Verbote. Seit Jahren können Strandbesucher wiederverwendbare Aschenbecher kaufen. Viele Gäste nutzen diese auch zur Entsorgung von Kaugummis oder anderem Kleinmüll. „Dadurch ist der Strand deutlich sauberer“, berichtet Sabine Kähler von der Kurverwaltung.

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