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MV aktuell Rentenwelle trifft MV: Arbeitgeber kämpfen um junge Fachkräfte
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06:00 18.05.2019
Auf tausende Erwerbstätige wartet der Ruhestand. Bei den Arbeitgebern hinterlassen sie meist offene Stellen. Quelle: dpa
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Rostock

 Die nahende Pensionierungswelle trifft zehntausende Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern. Bereits 2017 waren fast 186 000 Erwerbstätige in MV über 55 Jahre alt. Das entspricht knapp 25 Prozent aller Erwerbstätigen im Land. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Statistischen Amtes hervor.

Dem gegenüber steht der Mangel an Nachwuchs. Laut Bundesagentur für Arbeit waren im vergangenen April über 6000 Ausbildungsplätze in MV unbesetzt. Besonders viele offene Stellen gab es in der Gastronomie, im Einzelhandel und im Handwerk.

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Alle Handwerksbranchen suchen Mitarbeiter

„In allen handwerklichen Branchen werden Mitarbeiter gesucht“, sagt Jens-Uwe Hopf, Chef der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Der Mitarbeiterstamm werde immer älter. Dies schlage sich auch in der Nachfolge nieder. „Im Bereich der Handwerkskammer werden mehr als 3000 Betriebe von Unternehmern geführt, die älter als 55 Jahre sind.“

Hoher Altersdurchschnitt, offene Stellen, zu wenig Azubis – damit haben diese Branchen besonders schwer zu kämpfen.

Vor diesem Problem stehen auch Speditionsfirmen. Norbert Voigt, Geschäftsführer vom Landesverband des Verkehrsgewerbes, erklärt: „Wenn keine Nachfolger da sind, müssen die Unternehmer ihr Gewerbe abmelden, wenn sie vor der Rente stehen.“ Bundesweit gingen jährlich 30 000 Lkw-Fahrer in den Ruhestand. Nur halb so viele kämen dagegen aus der Ausbildung. „So kann der Abgang nicht kompensiert werden.“

Kaum noch Juristen im öffentlichen Dienst

Auch unter Beamten ist der Altersdurchschnitt besonders hoch. Laut Michael Mack, dem Vorsitzenden des Richterbundes MV, werden in den Jahren 2027 bis 2032 insgesamt 234 Richter und Staatsanwälte des Landes pensioniert. Das sind fast 40 Prozent aller Juristen im öffentlichen Dienst.

Die Einkommensentwicklung in Anwaltskanzleien und Wirtschaftsunternehmen wird indes zunehmend besser. Das wirbt potenziellen Nachwuchs ab. „Gute Juristen ziehen deshalb immer häufiger eine Tätigkeit als Rechtsanwalt oder Wirtschaftsjurist vor“, erklärt Mack.

Land muss 700 Lehrerstellen besetzen

Nicht viel besser sieht es in den Schulen aus: Bis 2030 gehen knapp 8700 Lehrer in MV in den Ruhestand. Das sind drei Viertel aller Lehrkräfte. Laut Bildungsministerium liegt der Altersdurchschnitt an allgemeinbildenden Schulen aktuell bei knapp 50, an Berufsschulen bei 51 Jahren. Ministeriumssprecher Henning Lipski erklärt: „Zum Schuljahr 2019/20 muss das Land rund 700 Lehrerstellen neu besetzen. Das ist eine große Herausforderung, weil es auch in anderen Ländern viele freie Stellen gibt.“

Maik Walm, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, rät: „Es muss jetzt dringend in die Attraktivität der Arbeitsplätze investiert werden.“ Die Gewerkschaft fordert faire Bezahlungen, bessere Ausbildungen und mehr Transparenz bei den Einstellungsverfahren.

Wirtschaftsministerium startet Kampagne

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, arbeitet das Wirtschaftsministerium MV derzeit an der neuen Kampagne „Anheuern in MV – Volle Kraft voraus“. Dabei wird ein Portal entwickelt, das Jobinteressierte künftig informieren und an passende Ansprechpartner im Land verweisen soll. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sagt: „Es gilt, möglichst viele Erwerbsfähige im Land in den Arbeitsmarkt zu integrieren und so die dort schlummernden Fachkräftepotenziale zu nutzen.“

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