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MV aktuell Resistenter Erreger: Patienten in vier Klinken in MV von Darm-Keim befallen
Nachrichten MV aktuell Resistenter Erreger: Patienten in vier Klinken in MV von Darm-Keim befallen
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17:36 24.09.2019
Klebsiella pneumoniae (sekundärelektronenmikroskopische Aufnahme) Quelle: Von Janice Carr / CDC - CDC, Atlanta, USA
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Greifswald

Ein bislang in Deutschland nicht verbreiteter Krankenhaus-Keim hat Patienten in vier medizinischen Einrichtungen in Vorpommern befallen. „Dieser Stamm kommt von außen. Wir suchen derzeit nach der Quelle“, sagte Professor Nils Hübner, Hygiene-Experte an der Universitätsmedizin Greifswald. Bislang sei der Erreger nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) bei insgesamt 14 Menschen nachgewiesen worden.

Erreger vor einer Woche entdeckt

Bei sechs Patienten seien inzwischen Infektionen festgestellt worden, bei den acht anderen sei der Erreger nachweisbar, ohne dass sie bisher daran erkrankt sind. Die Betroffenen seien zwischen 50 und 84 Jahre alt und hätten bedingt durch vorhandene Grunderkrankungen ein geschwächtes Immunsystem, sagte Martina Littmann vom Fachbereich Infektionsschutz des Lagus.

Der Krankenhaus-Keim sei am 17. September an der Universitätsmedizin Greifswald zu ersten Mal nachgewiesen worden. In Lebensgefahr allein durch die Infektion schwebe niemand. Die Patienten werden mit drei verschiedenen speziellen Antibiotika behandelt, ein viertes Antibiotikum sei noch im Zulauf, betonte Hübner. Gängige Antibiotika seien gegen diesen Erreger unwirksam.

Keim vermehrt sich in Krankenhäusern besonders gut

Bei dem Erreger handle es sich Hübner zufolge um den seltenen Typ 4MRGN des Darm-Bakteriums Klebsiella. „Wir kennen diese Form aus Ländern in Südosteuropa, Asien und Russland“, sagte Hübner. Hier in der Region trete diese besonders widerstandsfähige Form erstmals auf.

Bei der normalen Klebsiella-Variante handle es sich um ein Bakterium, das statistisch bei jedem dritten Menschen vorkomme, ohne Symptome zu verursachen. Die nun aufgetauchte Variante habe aber „einen besonderen Mechanismus der Resistenz entwickelt.“ Sie könne sich zudem sehr gut in Krankenhäusern vermehren und für eine längere Zeit auf Oberflächen überleben, sagte Hübner. Außerdem gebe es Hinweise darauf, dass der Keim selbst Desinfektionsmitteln nicht schutzlos ausgeliefert sein könnte.

Maßnahmen gegen weitere Ausbreitung angelaufen

Um eine weitere Ausbreitung einzudämmen, seien in den vier betroffenen Krankenhäusern – der Universitätsmedizin Greifswald , dem Krankenhaus Wolgast, dem Herzzentrum in Karlsburg und der Greifswalder BDH-Klinik – aufwendige Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden. So würden Patienten, die neu aufgenommen, entlassen oder verlegt werden, mit einem speziellen rektalen Abstrich auf das Bakterium hin untersucht.

„Wenn jemand den Erreger bei der Entlassung in sich trägt, er aber bei der Aufnahme nicht nachgewiesen wurde, muss er sich ihn im Klinikum oder im Krankenhaus geholt haben“, sagte der Greifswalder Hygieniker, Professor Axel Kramer. Die Experten hoffen, die Ausbreitung des Erregers damit eingrenzen und stoppen zu können.

Eine erste Prognose, ob die Maßnahmen anschlagen, sei Ende dieser Woche möglich, betonte Hübner. In allen betroffenen Einrichtungen sind die mit dem Keim befallenen Patienten auf speziellen Stationen isoliert worden.

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