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MV aktuell Rettungsassistent in MV: Ein Job zwischen Leben und Tod
Nachrichten MV aktuell Rettungsassistent in MV: Ein Job zwischen Leben und Tod
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13:05 07.09.2019
René Zoppa (55) leitet die DRK-Rettungswache in Bartmannshagen bei Grimmen. Ehrenamtlich engagiert er sich für die Medical Task Force und packt an, wenn Menschen in Not Hilfe brauchen. Quelle: ANTJE BERNSTEIN
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Bartmannshagen/ Lübtheen

Wenn René Zoppa (55) zur Arbeit geht, weiß er nie, was der Tag ihm bringt. Einen Herzinfarkt? Eine unerwartete Geburt? Eine Verkehrskatastrophe? „Es gibt kein Schema.“ So etwas wie einen Arbeitsalltag kennt der Vorpommer nicht.

René Zoppa ist Rettungsassistent. Er leitet die DRK-Rettungswache in Bartmannshagen bei Grimmen. In seinem Job geht es oft um Leben und Tod. Wenn es auf den Straßen kracht, ist er zusammen mit dem Notarzt einer der Ersten am Unfallort. Dass er auch dann zur Stelle ist, wenn’s richtig brennt, hat Zoppa Anfang Juli bewiesen. Als einer von Tausenden freiwilligen Einsatzkräften beim größten Waldbrand der Landesgeschichte.

Erster Auftrag für Spezialeinheit

Als der ehemalige Truppenübungsplatz bei Lübtheen in Flammen steht, schlägt für die engagierten Ehrenamtler der Medical Task Force Mecklenburg-Vorpommern (MTF) die Stunde. Bis dato hat diese Katastrophenschutzeinheit des Bundes nur Einsatzszenarien geübt, sie befindet sich quasi noch im Aufbau. Doch jetzt muss sie sich beweisen. Eine Premiere, auch für René Zoppa.

Er führt die in Grimmen stationierte MTF-Einheit an. Sein Auftrag: in Lübtheen ein mobiles Krankenhaus aufbauen. Mit Rettungswagen, Spezial-Lkw samt XL-Versorgungszelt und zehn Freiwilligen („eine super Truppe“) fährt René Zoppa zum Einsatz. Der dauert zwei Tage. Rund um die Uhr stehen die Ehrenamtlichen bereit – für den Fall, dass die Flammen Opfer fordern.

Premiere der Medical Task Force in Bildern:

Der 1. Einsatz der Medical Task Force MV

Quetschungen, kleine Brandwunden, Schnitte – zum Glück sind es nur kleine Verletzungen, die René Zoppa und sein Team behandeln müssen. „Unser täglich Brot.“ Er ist wesentlich Heftigeres gewohnt.

Erlebnisse, die er nie vergisst

Seit 25 Jahren ist René Zoppa Mitglied im DRK, hat sich im Verband erst zum Rettungssanitäter, dann zum Rettungsassistenten ausbilden lassen. Als solcher muss er vor allem zu internistischen Einsätzen raus: Herzinfarkt, Kreislaufkollaps, Lungenprobleme. Unfälle machen knapp 20 Prozent seiner Arbeit aus. Das ist mehr als genug. Denn was René Zoppa dabei zu sehen kriegt, ist nicht leicht zu verdauen.

Menschen, so dermaßen entstellt, dass sie kaum mehr als Mensch zu erkennen sind – Zoppa hat sie gesehen. Und nie wieder vergessen. „Die Bilder bleiben hängen.“ Auch, wenn manche so schrecklich sind, dass man sie sich nicht ausmalen mag: Um den Schlaf bringen sie ihn nicht. Es wäre auch fatal.

Alarm und Adrenalinkick

Schließlich muss der Rettungsassistent fit sein, wenn er eine seiner Zwölf-Stunden-Schicht schiebt. Und hellwach, wenn’s drauf ankommt. Sobald bei ihm der Alarm losgeht, bleiben ihm drei Minuten. Dann muss er im Rettungswagen sitzen und losfahren. Stressempfindlich darf er nicht sein. Er muss auch dann Ruhe bewahren, wenn das Adrenalin durch seine Adern schießt.

An den Tag, als das zum ersten Mal passiert, kann sich René Zoppa genau erinnern. „Ein Motorradunfall.“ Nach mehr als zwei Jahrzehnten im Dienst kann ihn kaum noch etwas schocken. „Ich denk’ manchmal, ich hab’ alles schon gesehen und dann erleb’ doch immer wieder was Neues.“

Deshalb liebt er den Job

Routine stellt sich nicht ein. „Ein Kribbeln hab’ ich heute noch.“ Aufgeregt sei er aber nicht. Die Erfahrung beruhigt den Puls. Die halbjährlichen Prüfungen, bei denen er sich in Theorie und Praxis beweisen muss, auch.

Fachwissen, Organisationstalent, Stressresistenz, Einfühlungsvermögen – sein Job verlangt ihm viel ab. Und trotzdem – oder gerade deshalb – liebt er ihn. Die Entscheidung, Rettungsassistent zu werden, habe er nie bereut, sagt Zoppa. „Ich geh’ jeden Tag gern zur Arbeit.“

Galgenhumor gegen das Grauen

Wie begegnet er dem Tod? Mit Professionalität. Und manchmal mit Zynismus. „Ein bisschen Galgenhumor gehört dazu“, sagt Zoppa. Jeder seiner Kollegen habe schlimme Einsätze durch. Damit dürfe man sich nicht zu sehr belasten. „Du musst loslassen können, sonst zerbrichst du daran. Sonst kannst du diesen Job nicht machen.“

Leid und Elend erlebt René Zoppa hautnah mit, Happy Ends dagegen selten: Geschichten von Personen, die auch dank seiner Hilfe einen Unfall, einen Infarkt überlebt haben – die kennt er in der Regel nur vom Hörensagen. Ist seine Aufgabe am Einsatzort getan und der Patient unterwegs ins nächste Krankenhaus, geht es für Zoppa zurück zur Wache. Warten auf den nächsten Alarm.

Rauchen und runterkommen

Zwischen zwei Einsätzen: Kaffee trinken, Zigarette rauchen, runterkommen. Die Tage, an denen nichts passiert – Zoppa kann sie an einer Hand abzählen. War es besonders stressig, sucht er nach Feierabend die Ruhe. „Ich geh’ gern zum Angeln. Einfach mal nichts machen.“

Doch René Zoppa ist keiner, der die Hände lang in den Schoß legen kann. Auch deshalb engagiert er sich in seiner Freizeit für die Medical Task Force. Die Premiere der Spezialeinheit verlief wie geübt, und dennoch: „Das muss ich so schnell nicht wieder haben“, sagt Zoppa und schmunzelt. Doch käme es drauf an, der Rettungsassistent wäre sofort wieder zur Stelle.

Mobiles Krankenhaus

In wenigen Stunden ein komplettes Krankenhaus auf dem freien Feld errichten – das können die Frauen und Männer der Medical Task Force (MTF). Sie sorgen im Katastrophenfall dafür, dass die medizinische Versorgung der Bevölkerung und der Rettungskräfte sichergestellt ist. Und zwar in großem Umfang. Mit ihrer Ausrüstung und ihrer Ausbildung sind sie auf Notfälle eingestellt, die mit den herkömmlichen Strukturen nicht zu bewältigen sind.

Um im Ernstfall schnell zur Stelle zu sein, sind die Fahrzeuge der Medical Task Forces dezentral in ganz Mecklenburg-Vorpommern verteilt. Die Krankenwagen und Lkw, die für Aufbau und Betrieb der Behandlungsplätze notwendig sind, sind an den Krankenhäusern des Deutschen Roten Kreuzes in Neustrelitz, Grevesmühlen, Grimmen und Teterow oder an den Standorten der DRK-Kreisverbände stationiert.

In der MTF engagieren sich Ehrenamtler aus allen Bereichen. Ob mit oder ohne medizinische Vorkenntnisse – jeder kann helfen.

Weitere Informationen unter: www.drk-mtf.m-v.de

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