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MV aktuell Rettungsschwimmer in MV: Drohnen haben sich bewährt
Nachrichten MV aktuell Rettungsschwimmer in MV: Drohnen haben sich bewährt
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20:04 15.05.2019
Die Wasserwacht in Heiligendamm verfügt seit knapp einem Jahr über einen Rettungscopter. Die Rettungsschwimmer Benjamin Wehner und Markus Rackel präsentieren die Drohne. Quelle: Anja Levien
Rostock

Noch laden kühle Wassertemperaturen um 10 Grad nur Mutige zum Baden in der Ostsee ein. Für die Rettungsschwimmer in MV hat die Saison dennoch schon begonnen. Rund 2900 Lebensretter – 1500 der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und 1400 der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) – werden bis September erneut für Badesicherheit im Land sorgen. Immer häufiger erhalten sie dabei Unterstützung aus der Luft.

18 Drohnen hat die Wasserwacht im vergangenen Jahr erstmals regulär eingesetzt. Ihre Aufgaben reichten von der Hilfe bei der Suche nach Vermissten bis hin zur Unterstützung von Feuerwehr und Polizei bei Waldbränden. Bewährt hätten sich die fliegenden Helfer vor allem durch ihre geringe Größe: Mit ihren 50 mal 50 Zentimetern könnten die Fluggeräte tiefer als Hubschrauber fliegen und kämen daher auch unter Seebrücken oder dichter an Buhnenanlagen.

Kommentar zum Thema:
Technik kann Leben retten – aber nicht ohne den Menschen

Auch wenn die DLRG ebenso vermehrt auf die neue Technik setzt, warnt Landessprecher Thorsten Erdmann vor zu großer Euphorie: „Drohnen können höchstens als unterstützendes Hilfsmittel dienen, nicht aber die klassische Rettungsarbeit ersetzen“, sagt er.

Noch Rettungsschwimmer für Nebensaison gesucht

Nach Angaben der DLRG werden noch Rettungsschwimmer für die Vor- und Nachsaison gesucht. Grund dafür sei, dass viele der jungen Helfer noch auf der Schulbank oder in Hörsälen hängen. Bis Ende Juni sollen zunächst die Haupttürme besetzt werden, bevor mit steigenden Urlauberzahlen auch die Nebentürme in Betrieb gehen. „Wann genau welcher dran ist, hängt davon ab, wie gut das Wetter ist und wie belebt das Gebiet ist“, sagt Erdmann. Im vergangenen Jahr hätten die Lebensretter noch bis Anfang Oktober über Badegäste gewacht. Grund dafür sei der Super-Sommer gewesen. „Wenn das Wetter so bombe ist, kann man natürlich schlecht sagen: Wir hören jetzt auf.“

Bilanz 2018: Mehr Badetote in Mecklenburg-Vorpommern

32 Personen sind nach Angaben der Landeswasserschutzpolizei im Jahr 2018 an den Küsten, Binnenseen und Flüssen in Mecklenburg-Vorpommern tödlich verunglückt. 25 davon waren Badetote.

Der jüngste Verunglückte war ein siebenjähriger Junge aus Grevesmühlen, der bei einem Feriengruppenausflug in einem See bei Thelkow (Landkreis Rostock) ertrank. Er konnte nicht schwimmen und wurde erst nach einer Suchaktion von Polizeitauchern gefunden. Als älteste ertrunkene Person gilt eine 82-jährige Frau, die in der Ostsee vor Prerow ums Leben kam.

Im Jahr 2017 wurden nur elf Badetote gezählt. Neben Leichtsinn und Überschätzung der eigenen Kräfte hat auch der monatelange Sommer zu dem starken Anstieg beigetragen.

Als Hauptursache für Badeunfälle gelten weiterhin Leichtsinn, Selbstüberschätzung und das Missachten der Baderegeln. Ob Strömungen, Wind oder einfach kalte Temperaturen: „Viele haben immer noch nicht auf dem Schirm, welche Gefahren das Meer mit sich bringt“, sagt Erdmann. Bei Sturm oder hohem Wellengang würden deshalb nicht grundlos rote Flaggen ausgehängt werden. Doch die seien nur Empfehlungen und nicht rechtlich bindend. „Manche sagen, früher gab es den Sturmball, da war alles besser“, sagt Landesreferent der Wasserwacht, Thomas Powasserat. Doch das stimme nicht. Die Leute seien auch früher entgegen aller Empfehlungen ins Wasser gegangen.

Kleines Armband, große Wirkung

Ein Problem, das die Lebensretter beider Organisationen zunehmend beschäftigt, ist, dass Kinder und Eltern sich immer häufiger verlieren. Woran das genau liegt, weiß Thorsten Erdmann nicht: „Ich vermute aber, dass es eine Rolle spielt, dass die Strände Jahr für Jahr voller werden.“ Um Kinder, die allein unterwegs sind, wieder zu ihren Eltern zurückzubringen, hat sich die DLRG gemeinsam mit Nivea schon vor ein paar Jahren etwas ausgedacht.

Mit dem „Kindersuchband“ werden Familien dazu aufgerufen, sich am ersten Urlaubstag an einem der Haupttürme zu melden. Dort können sie wichtige Daten wie Name, Telefonnummer und Unterkunft angeben. Die Angaben werden mit einer Nummer hinterlegt, die auf einem weiß-blauen Gummiband steht. Das landet schließlich um die Handgelenke des Nachwuchses. „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, sagt Erdmann. Zum Glück, denn es beschleunige die Suche ungemein.

Für erwachsene Badegäste hat der Landesverbandssprecher der DLRG noch folgende Hinweise parat: „Ich kann es nicht oft genug betonen, aber es ist wirklich wichtig und sinnvoll, sich an die klassischen Baderegeln zu halten.“ Das bedeute unter anderem nicht mit vollem Magen, alkoholisiert oder gar bei Gewitter ins kühle Nass zu springen. „Ansonsten ist es auch immer zu empfehlen, nicht an unbewachten Badestränden schwimmen zu gehen.“ Denn dort wo niemand einen sieht, könne einem auch nicht geholfen werden.

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Pauline Rabe

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