Rostock: Radisson-Hotel-Baustelle im Stadthafen – Was macht der riesige Seilbagger?
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Rostock: Radisson-Hotel-Baustelle im Stadthafen – Was macht der riesige Seilbagger?

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11:53 04.06.2021
Auf der Radisson-Baustelle Am Strande entsteht derzeit eine sogenannte Schlitzwand, die den Tiefbau rings um die Grundplatte bis zu 18 Meter in der Tiefe umschließt.
Auf der Radisson-Baustelle Am Strande entsteht derzeit eine sogenannte Schlitzwand, die den Tiefbau rings um die Grundplatte bis zu 18 Meter in der Tiefe umschließt. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Es ist ein Anblick, der viele Passanten am Rostocker Stadthafen zum Stehenbleiben verleitet: Immer wieder lässt ein gigantischer Seilbagger auf der Baustelle des zukünftigen Radisson-Hotels in unmittelbarer Nähe zur Aida-Firmenzentrale einen tonnenschweren Greifer im Boden versinken. Eingesetzt wird das Stahlungetüm, um eine 18 Meter tiefe Schlitzwand herzustellen. Zwölf Bauarbeiter sind hier täglich im Einsatz.

Meter für Meter kämpfen sich Mensch und Maschine vorwärts. Insgesamt 20 000 Kubikmeter Erde müssen abgebaggert werden. Bis zu vier Stunden kann es dauern, ehe eine Lamelle – so werden die einzelnen Abschnitte genannt – ausgehoben ist. „Das kommt ganz darauf an, wie die Bodenbeschaffenheit an den einzelnen Stellen ist“, erklärt Oberpolier Alexander Stehle.

400 Gründungspfähle tragen Gebäude

In den entstehenden Gräben soll anschließend eine 280 Meter lange Umrandung aus 60 Zentimeter dickem Beton eingelassen werden, um den Baugrund zur Umgebung abzusichern. Erst dann sei es möglich, die restliche Grube auszuheben.

Kaum vorstellbar, dass im Rostocker Stadthafen schon im Herbst 2023 ein neues Radisson-Hotel eröffnen soll. Noch finden die meisten Arbeiten dafür unterirdisch statt.

Ist auch das schließlich geschafft, kommen 400 Gründungspfähle zum Einsatz. Diese sind etwa 50 Zentimeter dick und reichen bis zum sandigen Untergrund. „Sie sollen später die Bodenplatte tragen, auf der das Haus hochgezogen wird“, erklärt Bauleiter Sebastian Kock von der beauftragten Firma Züblin Spezialtiefbau.

181 Zimmer und ein Büro-Flügel entstehen

Fünf Stockwerke hoch soll das Gebäude reichen und Platz für 181 Zimmer und einen zusätzlichen Büro-Trakt bieten. Bauherr ist die Friedemann-Kunz-Familienstiftung des namensgebenden Scanhaus-Marlow-Gründers, der auch das Radisson Blu in der Langen Straße gehört.

Rund 60 Millionen wird das Projekt kosten. Mit insgesamt 900 Betten werden die beiden Radisson-Hotels dann zu den Branchenführern in der Hansestadt aufsteigen. Bis aber die ersten Gäste in der neuen Unterkunft einchecken können, dauert es noch eine ganze Weile. Die Fertigstellung des Gebäudes ist für den Herbst 2023 angedacht. Vorher muss noch reichlich Arbeit investiert werden.

So soll das neue Radisson-Hotel auf der Rostocker Silohalbinsel aussehen. Quelle: Tchobanvoss Architekten

Arbeiten direkt am Grundwasser

Seit mittlerweile dreieinhalb Jahren ist Bauleiter Kock in seinem Beruf tätig. Dabei hat der 29-Jährige schon so manchen Auftrag betreut. Der Bau im Rostocker Stadthafen bietet für ihn aber dennoch ein paar Besonderheiten. So begleitet er unter anderem das erste Mal in seiner Laufbahn Schlitzwandarbeiten. „Bislang läuft alles nach Plan“, sagt er zufrieden. Dennoch setzen er und seine Kollegen sich jeden Morgen zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Eine weitere Besonderheit bietet der Standort, an dem das Vorhaben verwirklicht wird. In unmittelbarer Nähe zur Warnow komme es nicht selten vor, dass die Bauarbeiter auf Grundwasser stoßen. Und das müsse bei der gesamten Vorbereitung und Planung genaustens berücksichtigt werden. „Damit uns das Wasser nicht zum Verhängnis wird, bauen wir auf dem gesamten Grundstück mehrere Pumpen ein.“ Auf diese Weise werde verhindert, dass das Wasser noch oben drückt.

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Tiefbauarbeiten Ende des Jahres abgeschlossen

Weil ein Großteil der Arbeiten unterirdisch stattfindet, sei es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig von außen nachzuvollziehen, wie rasch der Baufortschritt vonstattengeht. Spätestens aber Ende des Jahres werde man sehen, welche Leistung das ganze Team erbracht hat. Dann nämlich sollen die Tiefbauarbeiten abgeschlossen sein, so dass die nächste Firma anrücken und sich dem Rohbau widmen kann. „Bis dahin haben wir aber noch alle Hände voll zu tun.“

Von Susanne Gidzinski