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MV aktuell Rostock hat beste Chancen auf die Buga 2025
Nachrichten MV aktuell Rostock hat beste Chancen auf die Buga 2025
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13:39 24.07.2018
Zwischen der Warnow und dem Dierkower Damm in Rostock, im Bereich des heutigen Werkhofes, soll mit der Buga 2025 eine „grüne Modellstadt“ entstehen.
Zwischen der Warnow und dem Dierkower Damm in Rostock, im Bereich des heutigen Werkhofes, soll mit der Buga 2025 eine „grüne Modellstadt“ entstehen. Quelle: Sinai Landschaftsarchitekten Mbh/Hansestadt Rostock
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Rostock/Bonn

Es wäre die vierte große Gartenschau in Mecklenburg-Vorpommern: 2025 könnte die Bundesgartenschau (Buga) in Rostock stattfinden. Das bestätigte der Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) in Bonn, Jochen Sandner. „Rostock hat in den vergangenen Monaten unheimlich Gas gegeben und eine effektive Bewerbung vorgelegt“, sagt der DBG-Chef. Dass die Hansestadt den Zuschlag für die Gartenschau erhält, dafür stünden „die Zeichen sehr positiv“. „Die Entscheidung falle vielleicht schon im August. Donnerstag und Freitag kommen Vertreter von Verwaltungsrat und Geschäftsführung der Gartenschaugesellschaft nach Rostock.

„Bei dem Besuch sehen wir uns das Gelände an, auf dem die Buga geplant ist“, informiert Sandner. So soll das Stadthafen-Areal städtebaulich weiterentwickelt und die einstige Mülldeponie in Rostock-Dierkow zum Stadtpark umgestaltet werden. Als Außenstandort werde auch der 2003 geschaffene Iga-Park in Schmarl einbezogen, informiert Rostocks Buga-Koordinator, Matthias Horn. Insgesamt geht es um Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro.

Pläne müssen finanziell abgesichert sein

Am Donnerstag will Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) offiziell die Bewerbungspapiere übergeben. Der Verwaltungsrat der Gartenschau-Gesellschaft werde das Konzept „genau prüfen“, meint Sandner. Ausschlaggebend sei, dass das Vorhaben „finanziell gut unterfüttert ist“, betont Sandner. Wichtig sei auch, die Bürger umfassend einzubeziehen. „Wo es Sorgen der Anwohner und Vorbehalte von Kritikern gibt, muss das ernst genommen werden“, verlangt der DBG-Chef.

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2016 hatte die zentrale Gartenschau-Gesellschaft die Buga 2025 eigentlich schon an Schwerin vergeben. Die Landeshauptstadt war 2009 schon einmal mit einer Buga erfolgreich. Bei der zweiten Bewerbung musste Schwerin allerdings einen Rückzieher machen. Wegen der angespannten Haushaltslage hatte die Kommunalaufsicht die Pläne der Landeshauptstadt durchkreuzt.

Wuppertal vor Rückzug?

Rostock hat da bessere Karten, die Stadt ist schuldenfrei. Außerdem habe es von der Landesregierung positive Signale gegeben, versichert Buga-Koordinator Horn. „Wir haben im Vorfeld prüfen lassen, ob das Land die einzelnen Vorhaben für förderfähig hält.“ Rostocks Chancen stehen auch deshalb gut, weil Mitbewerber Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) sich offenbar zurückzieht. Aus Wuppertal gebe es Hinweise, „dass die Bewerbung auf eine spätere Buga zielt“, heißt es aus Bonn.

Rostocks Bürgerschaft hatte im Mai mehrheitlich beschlossen, in knapp sieben Jahren eine Buga durchzuführen – allerdings ohne die Stimmen der Linkspartei. In einer Sondersitzung des Hauptausschusses wird am Dienstagabend in Rostock nochmals über die Buga-Bewerbung debattiert. „Wir haben die Sorge, ob die Stadt neben der Buga alle anderen wichtigen Vorhaben realisieren kann“, sagt Eva-Maria Kröger, Linksfraktionschefin in der Bürgerschaft. Geld müsse auch in Schulen, Kitas, Theater und Sportstätten fließen. Kröger: „Ich glaube nicht, dass wir alles zeitgleich gestemmt kriegen.“ Ihre Partei wolle die Bewerbung „nicht kippen, aber kritisch begleiten“.

Gartenschau mit Städtebau verbunden

Das Rostocker Konzept fußt darauf, die Gartenschau mit der städtebaulichen Entwicklung des Stadthafen-Areals zu verbinden. „Ein Oval am Warnowufer soll den Rostocker Nordosten besser mit der Innenstadt verbinden“, erläutert Rostocks Buga-Koordinator Matthias Horn. Für die Plattenbausiedlungen Dierkow und Toitenwinkel könne ein bis zu 30 Hektar großer Stadtpark entstehen. „Ohne Zäune“, verspricht Horn, der auch neuer Chef der Rostocker Iga-Gesellschaft ist. Dass für das Iga-Gelände in Rostock-Schmarl bis heute Eintritt bezahlt werden muss, gehörte zu den umstrittenen Punkten des Nachnutzungskonzeptes.

Auf einer einstigen Mülldeponie Liegewiesen anzulegen, ist für die Buga-Macher in Bonn kein Problem. „Es gab auch Gartenschauen auf Bergwerksgelände oder ehemaligen Militärliegenschaften“, sagt Jochen Sandner, der 30 Jahre Erfahrung im Gartenschau-Geschäft mitbringt. In Rostock dürfe man bei der Bebauung nicht in die Tiefe gehen. Das müssten die Verantwortlichen berücksichtigen.

Skeptiker erinnern an das Defizit der IGA 2003

Nach einer Landesgartenschau 2002 in Wismar konnten Rostock (2003) und Schwerin (2009) zu Bundes-Gartenbauausstellungen einladen, Rostock sogar mit internationaler Beteiligung. Solche „Kompetenzschauen der grünen Branchen“, die für die Stadtentwicklung der ausrichtenden Kommunen reiche Früchte tragen, finden im Zwei-Jahres-Rhythmus statt. Für Internationale Gartenbauausstellungen (Iga) wie 2003 in Rostock, 2013 in Hamburg-Wilhelmsburg und 2017 in Berlin sind die Abstände größer. Mit den „Gärten der Welt“ im Bezirk Marzahn-Hellersdorf von Berlin sei im vorigen Jahr eine Parklandschaft entstanden, die das Wohnumfeld einer der größten Plattenbausiedlungen Europas sehr bereichert, betont DBG-Presseprecherin Sibylle Eßer.

Skeptiker erinnern auch daran, dass die Iga 2003 mit einem Defizit von 20 Millionen Euro endete und auch die Landesgartenschau in Wismar ein Millionen-Minus hinterließ. Die Schweriner aber bewiesen, dass es auch anders geht: Die Buga 2009 bescherte ein Plus von drei Millionen Euro.

Elke Ehlers