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MV aktuell Mit Gas-Terminal an die Spitze deutscher Häfen
Nachrichten MV aktuell Mit Gas-Terminal an die Spitze deutscher Häfen
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23:17 21.10.2018
Die Rostocker Hafen-Geschäftsführer Gernot Tesch (l.) und Jens Scharner setzen große Hoffnungen in das neue LNG-Terminal. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Der Rostocker Hafen steht vor einem Quantensprung: Mit dem Bau eines Flüssiggas-Terminals sollen noch mehr Fracht- und Kreuzfahrt-Reedereien angelockt werden. Die Branche horcht auf und bestätigt: Das LNG-Terminal, über das Container- und Kreuzfahrtschiffe Gas als Treibstoff bunkern können, kann große Sogwirkung entfalten.

„Wir werden den ersten großen deutschen Seehafen mit einem LNG-Terminal haben“, erklärt Energieminister Christian Pegel. Einen gewaltigen Schritt dorthin hat man beim Russlandtag in Rostock gemacht. Rostock Port unterzeichnete einen Pachtvertrag; Partner: der russische Energieriese Novatek und das belgische Unternehmen Fluxys. Man wolle in eine Nische für kleinere und mittelgroße Frachttransporte eindringen, so Novatek-Chef Leonid Mikhelson. Gas als umweltfreundlicherer Treibstoff solle Diesel und Schweröl ersetzen. Auf diese Weise könnten Industrie oder Reedereien auf See und an Land CO2-Ausstoß zu verringern, so Fluxys-Chef Pascal De Buck.

Zahlen & Fakten

LNG-Terminals sollen auch in Brunsbüttel, Wilhemshaven und Stade entstehen, Rostock hat laut Energieministerium Vorsprung. LNG steht für „Liquefied Natural Gas“, Flüssigerdgas. Das Gas wird auf 163 Grad unter null abgekühlt, hat dann nur noch ein Sechshundertstel seines Volumens. Das Gas für Rostock stammt aus Feldern in Sibirien und wird nahe St. Petersburg verflüssigt.

In Rostock ist das LNG-Terminal auf einer 2,5 Hektar großen Fläche um Überseehafen geplant. Ein Lagertank soll 25000 Kubikmeter Flüssiggas umfassen. Versorgt werden sollen so Schiffe, aber auch Interessenten über den Landweg.

26,9 Millionen Brutto-Tonnen Güter wurden im Jahr 2017 im Rostocker Überseehafen umgeschlagen – das zweitbeste Ergebnis in 60 Jahren. Insgesamt gab es im Vorjahr 7752 Anläufe von Fähr- und RoRo-, Tank-, Fracht- und Kreuzfahrtschiffen, davon allein 5874 Anläufe von Fähr- und RoRo-Schiffen.

Die Branche lobt. „Das LNG-Projekt in Rostock ist hochinteressant“, sagt Hansjörg Kunze, Aida Cruises. Das Kreuzschifffahrt-Unternehmen hat gerade mit der AidaNova das erste rein mit Flüssiggas betriebene Schiff fertiggestellt. Das Gas allerdings komme weiter per Transportschiff aus Rotterdam. Das könnte sich ändern, wenn Rostock mit LNG am Netz ist. Auch Frachtreedereien blicken nach Rostock. „Eine höheres Angebot an Treibstoffarten macht einen Standort attraktiver“, erklärt Mikko Juelich, Containerships Lübeck. Sein Unternehmen baue derzeit vier LNG-Schiffe. Das Flüssiggas sei „ein Baustein, der zukünftig immer wichtiger wird“. Auch Christian Peter Hoepfner, Wessels Reederei aus Haren/Ems, sieht Vorteile: „Rostock kann mit einem LNG-Terminal und einer angebundenen Bunkereinrichtung von der aktuell noch sehr dünnen LNG-Infrastruktur profitieren.“ Der Hamburger Hafen habe kein Terminal, hoffe auf Neubauten in Brunsbüttel und Stade, so Sprecher Kai Gerullis. Dass Rostock auf Flüssiggas setzt, „unterstreicht den weiteren Trend zur Nutzung alternativer Kraftstoffe in der Seeschifffahrt“. Konkurrenz fürchte man (noch) nicht. Das liegt wohl auch daran, dass das Rostocker LNG-Projekt mit 300000 Kubikmetern Flüssiggas mittelgroß angelegt ist. Aber es sei ausbaufähig, so Minister Pegel. Seine Hoffnung: Mehr Reedereien steuern die Hansestadt an und löschen dann auch gleich ihre Ladungen. „Es wird Jobs sichern und, ich denke, auch neue Jobs bringen.“ Jens Scharner, Geschäftsführer von Rostock Port, betont: Mit dem Terminal wäre die „komplette Wertschöpfungskette in Rostock, als einzigem Standort in Deutschland“: Denn Schiffsmotoren kommen bereits von Caterpillar in Warnemünde, werden in der Neptun-Werft eingebaut. Zieltermin für die Eröffnung des Terminals ist 2022. Scharner: „Wir wollen in Deutschland die Ersten sein.“

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) schwelgt im Glück: „Wir vollziehen gerade die Energiewende und werden zum Trendsetter.“ „Die LNG-Lawine geht von Rostock aus.“

Frank Pubantz

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