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MV aktuell Rostocker Staatsanwalt könnte EU-Chefankläger werden
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05:00 20.02.2019
Europaflaggen vor der Europäischen Kommission: Die EU gründet eine eigene Staatsanwaltschaft, die Ende 2020 den Betrieb aufnehmen soll. Quelle: Daniel Kalker/dpa
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Rostock/Luxemburg

Milliarden Euro an Fördermitteln gehen jedes in der Europäischen Union verloren – das Geld versickert spurlos in dunklen Kanälen. Kriminelle Banden habe sich darauf spezialisiert, Gesetze und Vorschriften zu umgehen und mit Betrug zu Lasten des Steuerzahlers Kasse zu machen. Ein weiteres Problem ist Korruption. Eine neue EU-Staatsanwaltsschaft, die zurzeit gegründet wird, soll helfen, diesen Sumpf auszutrocknen.Die EU sucht einen Chef für die neue Anklagebehörde, die in ihren Sitz in Luxemburg haben wird. Ein Rostocker hat gute Chancen, den Spitzenposten zu ergattern.

Nur noch drei Bewerber im Rennen

Andrés Ritter (54) leitet seit 2013 die Rostocker Staatsanwaltschaft. Im November schrieb die EU die Stelle für den neuen Generalstaatsanwalt für die neue Anklagebehörde aus. Ritter schickte eine Bewerbung ab und schaffte es als einer von nur drei Bewerbern in die Endrunde. In der kommenden Woche beginnen die Beratungen zwischen EU-Parlament und EU-Rat, Anfang März soll feststehen, wer auf die mächtige und einflussreiche Stelle berufen wird.

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Andrés Ritter, Chef der Staatsanwaltschaft Rostock, ist als einer von drei Bewerbern für den neuen Posten des EU-Generalstaatsanwalts. Quelle: privat

„Die Einrichtung einer europäischen Staatsanwaltschaft ist eine revolutionäre Entwicklung“, sagt der Rostocker Jurist. Mit der einer eigenen Staatsanwaltschaft bekomme die EU das ein neues Werkzeug im Kampf gegen Kriminalität und Korruption. „Dieses Problem betrifft uns alle, weil es um das Geld der Steuerzahler geht“, sagt Ritter. Auf internationalem Parkett zu arbeiten, ist dem Vater von zwei erwachsenen Kindern nicht fremd. Andrés Ritter wuchs in Chile auf, seine Muttersprache ist Spanisch, er spricht auch Englisch und Französisch. Nach dem Jura-Studium in Bonn schloss er ein Aufbaustudium für europäische Integration als Jahrgangsbester ab. Mitte der 1995 kam der aufstrebende Jurist nach Rostock – mit seiner Frau, die gerade eine Richterstelle am Amtsgericht angetreten hatte.

Karriere an der Küste

Ritter machte Karriere an der Küste. Nach Stationen bei mehreren Staatsanwaltschaften und im Justizministerium wurde er zum Chef der Rostocker Ermittlungsbehörde berufen. Zwischendurch arbeitete er ein Jahr lang als Rechtsexperte bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Nebenbei betreute der Oberstaatsanwalt in Rostock Berufskollegen aus anderen europäischen Ländern, die für ein Austauschprogramm nach Deutschland kommen, außerdem beriet er Länder wie Mexiko, Chile und Paraguay dabei, ihre Strafrechts- und Ermittlungsbehörden zu verbessern.

22 Staatsanwälte und 1 General

Ende 2020 soll die neue EU-Staatsanwaltschaft in Luxemburg ihre Arbeit aufnehmen. An der Spitze der Behörde steht ein Generalstaatsanwalt. Um diesen Posten hat sich der Rostocker Jurist Andrés Ritter beworben. Dem Chef unterstehen 22 Staatsanwälte, die von den Gründungsländern entsandt werden. Einige EU-Länder beteiligen sich nicht, darunter Polen und Dänemark. Für die Arbeit vor Ort sind delegierte Staatsanwälte zuständig, mindestens zwei pro Land. Aufgabe der Ermittler ist der Kampf gegen Korruption, Geldwäsche und Betrug zu Lasten der EU. Jedes Jahr verliert die Staatengemeinschaft dadurch Milliardenbeträge.

Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) ist stolz, dass es einer „ihrer“ Juristen im strengen Auswahlverfahren bis in den Endrunde gekommen ist. „Ich freue mich außerordentlich, dass es ein Leitender Oberstaatsanwalt aus Mecklenburg-Vorpommern unter die drei Kandidaten geschafft hat“, sagt sie. Ritter selbst bezeichnet sein bislang gutes Abschneiden als „Auszeichnung für die Justiz in MV“. Er setzte sich in der ersten Runde gegen Dutzende Mitbewerber durch. Von denen blieben elf Kandidaten übrig, die sich einer zwölfköpfigen Jury aus Top-Juristen aus ganz Europa stellen mussten. Am Schluss wurden drei Kandidaten als geeignet für den Spitzen-Job erachtet. Nun muss die Politik entscheiden, wer der erste EU-Ankläger der Geschichte wird.

Rumänische Staatsanwältin galt als Favoritin

Über seine Mitbewerber findet Andrés Ritter nur lobende Worte. Es sei ihm eine Ehre, es in diese erlesene Runde geschafft zu haben: Jean-Francois Bohnert gilt als einer der angesehensten und wichtigsten Ermittler Frankreichs. Über die Nummer der Runde „brauche man eigentlich kein Wort zu verlieren“, so Ritter: Die rumänische Staatsanwältin Laura Codruta Kövesi ermittelte in ihrer für Korruption anfälligen Heimat gegen 4000 Politiker und Beamte, bis sie 2018 von der Regierung abgesetzt wurde. Sie galt lange als Favoritin für Posten der EU-Generalstaatsanwältin. Doch laut Medienberichten gibt es im EU-Parlament Widerstand gegen sie – was Ritter Chancen steigen lassen könnte. Er möchte nicht darüber spekulieren.

Egal, wie es ausgeht, in Rostock will Ritter auf jeden Fall bleiben. Er mag die Hansestadt. „Die Lebensqualität hier ist sehr hoch“, sagt er. In ein paar Tagen weiß er Bescheid: Ob alles bleibt wie es ist, oder ob er demnächst nach Luxemburg pendeln darf.

Gerald Kleine Wördemann

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