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MV aktuell Rostocker Crossfit-Trainer: Darum ist der Trend-Sport so genial
Nachrichten MV aktuell Rostocker Crossfit-Trainer: Darum ist der Trend-Sport so genial
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11:06 26.08.2019
Eric Bill (29) betreibt die Crossfit-Box Motus. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Die Lunge pumpt, der Bizeps brennt: Mit aller Kraft schwingt sich Thomas Nickel (25) an zwei Ringen in die Luft. „Genau so, gleich noch mal“, motiviert Eric Bill (29). Nickel beißt die Zähne zusammen. Ring-Muscle-up nennt sich die Übung, ein Mix aus Klimmzug und Stütz. Allein vom Zuschauen bekommt man Muskelkater.

Heiß auf Quälerei

Thomas Nickel geht die Puste aus. Nach drei, vier Wiederholungen lässt sich der muskulöse Mittzwanziger keuchend auf die Matte fallen. „Ich mach’ schon mein halbes Leben lang Sport. Aber das hier ist echt anstrengend.“ Und doch bekommt er von der Quälerei nicht genug. „Ich mag es, wenn mich der Trainer über meine Grenzen hinausbringt.“ Mit seiner heutigen Leistung scheint der Coach zufrieden. „Gut gemacht“, lobt Eric Bill.

Auspowern in der Box

Eric Bill (29, r.) berät Thomas Nickel (25) bei seinen Übungen an den Ringen. Quelle: OVE ARSCHOLL

Dort, wo Eric Bill jetzt Sportler wie Thomas Nickel dazu antreibt, das Leistungslimit zu knacken, gab’s bis vor wenigen Monaten nur eine leere Lagerhalle. Im Gewerbegebiet der Rostocker Gartenstadt in der Straße Friedrichshöhe erfüllt sich der Fitnesstrainer einen Lebenstraum. Hier baut er seine eigene Box auf. So nennen sich die Gyms, in denen sich einer der meistgehypten Trends der Fitnessszene abspielt: Crossfit.

In Deutschland ist Crossfit eine vergleichsweise junge Sportart. Im Ursprungsland, den USA, ist die Methode dagegen schon seit rund 20 Jahren etabliert. Von Kalifornien aus schwappte die Fitness-Welle nach Europa und fixt seit Anfang der 2000er auch hierzulande immer mehr Sportbegeisterte an.

Schnelle Erfolge

Die Trainingsmethode kombiniert olympisches Gewichtheben, Laufen und Eigengewichtsübungen miteinander. Gewissermaßen Zirkeltraining, nur viel intensiver. Und effektiver. Sicht- und spürbare Erfolge stellen sich schon nach kurzer Zeit ein, sagt Eric Bill. „Dabei werden Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination trainiert“, erklärt er, „Crossfit verbindet Fitness- und Gesundheitssport.“ Alle Muskeln werden beansprucht, der ganze Körper soll profitieren.

Kollektiver Kraftakt

Trainiert wird in kleinen Gruppen von maximal zwölf Leuten. Jede Einheit beginnt ganz harmlos – mit einem gemeinsamen Warm-up. Dann nimmt Eric Bill seine Schützlinge so richtig in die Mangel. Erst lässt er sie Technik- und Kraftübungen ausführen, dann folgt das Herzstück von Crossfit: das Workout of the Day – kurz WOD. Ein Kraftakt ohne Gnade. Und ein Kampf gegen die Zeit. Wer schafft die Übungen am schnellsten oder legt in vorgegebener Zeit die meisten Wiederholungen hin? Dabei spornen sich die Crossfitter gegenseitig an. Das kollektive Schweißtreiben schweißt die Truppe zusammen und brachte dem Trendsport den Ruf als Brachial-Fitness ein.

Ordentlich was stemmen

Crossfitterin Myrjam Ahrens (26) stemmt 50 Kilo. Quelle: OVE ARSCHOLL

Um seinen Athleten die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben, braucht der Coach weder Laufband noch Rudermaschine. Einziges Equipment sind Klimmzugstangen und freie Gewichte, wie Kettlebells oder Scheibenhantel. Wie man die trotz zentnerschwerer Last auf jeder Seite reißt, ohne dass man sich dabei einen Bruch hebt, weiß Eric Bill genau. Schließlich ist er mit dem TSV Grün-Weiß Rostock Landes- und Norddeutscher Meister im Gewichtheben geworden. In seiner Crossfit-Box bringt er andere zum Schwitzen.

Training für jedermann

Ob Muskelprotz oder Hänfling, Profiathlet oder Couchkartoffel – mitmachen kann jeder. „Die Übungen werden auf das jeweilige Niveau des Einzelnen angepasst“, sagt Eric Bill, „Ich hab’ schon mit meiner Tante trainiert, die ist ü 60. Kein Problem.“

Basketballer sattelt um

Eric Bill ist selbst durch und durch Sportskanone. Zehn Jahre lang ist der ausgebildete Personal Trainer mit Rostocks Basketballern, den Seawolves, auf Korbjagd gegangen, hat genauso lange Fußball gespielt. Seit drei Jahren ist er begeisterter Crossfitter. Er war der 08/15-Fitnessstudios überdrüssig. Immer die gleichen Übungen – das reizte ihn irgendwann nicht mehr. Bei Crossfit läuft er nicht Gefahr, dass Langeweile aufkommt. „Das ist ja das Coole daran: Das Training ist immer neu, ich lerne ständig etwas dazu und verbesser’ mich.“

Eröffnung im September

Momentan ist Eric Bill nicht nur als Coach, sondern auch als Handwerker gefragt. Denn während seine ersten Kunden schon tüchtig Gewichte stemmen und an Reckstangen hangeln, werden daneben noch die Umkleiden zusammengezimmert. „Wenn alles hinhaut, wollen wir Anfang September offiziell eröffnen.“ Workouts bietet Bill in der Box aber jetzt schon an.

Kaputt, aber glücklich

Nach einer Stunde haben Crossfitter die Tortur überstanden. Doch auch wenn die Muskeln wie Feuer brennen und die Shirts mit Schweiß getränkt sind – die meisten Sportler sind heiß auf mehr, sagt Eric Bill. „Am Ende bist du platt, aber glücklich.“

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