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MV aktuell Rostocker Präventionsrat wird 25: Cyberkriminalität ist Thema
Nachrichten MV aktuell Rostocker Präventionsrat wird 25: Cyberkriminalität ist Thema
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10:00 06.11.2019
Im Rostocker Rathausanbau hat der Präventionsrat seinen Sitz. Vorsitzender Joachim Engster und Marlen Schmidt, hauptamtliche Koordinatorin, sind froh, dass es mittlerweile überall im Land ähnliche Gremien gibt. Quelle: Katja Bülow
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Rostock

Wie können wir künftig Gewalt im Keim ersticken? Nach den Ausschreitungen in Lichtenhagen ist in Rostock viel über diese Frage nachgedacht worden. Vor 25 Jahren ist aus diesen Überlegungen der Rostocker Kommunale Präventionsrat entstanden. Polizei, Jugend- und Sozialamt, Wohlfahrtsorganisationen und andere sitzen darin regelmäßig an einem Tisch und kümmern sich um Gewalt unterschiedlichster Art.

Ex-Polizist engagiert sich immer noch für die Sicherheit

Ein Projekt von vielen: die Seniorensicherheitsberater der Polizei. Ulrich Hinckfoth ist einer von ihnen. Früher war er Polizist, mittlerweile ist der 67-Jährige pensioniert, engagiert sich aber noch immer für mehr Sicherheit – ehrenamtlich. Diesmal ist er zu Gast im AWO-Seniorenheim Stadtweide, wo er den alten Leuten eindringlich rät: „Hängen Sie ihre Handtasche nicht hinten an den Rollstuhl!“ Eine alte Dame winkt entspannt ab: Bisher sei ihr noch nie irgendetwas gestohlen worden. Hinckfoth wiegt den Kopf und kontert: „Wenn aber doch mal was passiert? Je älter Sie werden, desto mehr sind sie gefährdet.“ Die Erfahrung der Polizei: Täter suchen sich möglichst leichte Opfer, die sich nicht wehren können. Und je älter die Menschen werden, um so weniger können sie sich wehren.

Es sind ganz einfache Tipps, die Hinckfoth seinen gut 20 Zuhörern gibt, die in Rollstühlen oder mit dem Rollator an der Seite gebannt zuhören. Es geht um Diebstahl unterwegs oder auch im Heim selber, um Preisausschreiben, bei denen sie nur verlieren können, oder um dreiste Betrügereien am Telefon. Der Sicherheitsberater freut sich immer wieder, wenn er zum wiederholten Mal in eine Einrichtung kommt und seine Zuhörer ihm berichten, dass sie inzwischen auf der Hut sind, und dass sie beispielsweise dreisten Anrufern mit selbstbewussten Antworten begegnen konnten.

Ein Präventionsrat für ganz MV

Projekte wie dieses hat der Rostocker Präventionsrat mittlerweile in vielen Bereichen angeschoben. Abgesehen von der Seniorenarbeit, die heute einen großen Raum einnimmt, reichen die Themen vom Mobbing in der Schule über Graffiti-Schmierereien oder Gewalt bei Fußballspielen bis hin zu ausländerfeindlich motivierter Kriminalität. Marlen Schmidt, hauptamtliche Koordinatorin, ist stolz: „Rostock war deutlicher Vorreiter, wir waren der erste Präventionsrat, der in MV gegründet worden ist. Und insgesamt ist dann auch der Präventionsrat für ganz MV auf Landesebene erst im Nachgang entstanden. Und heute haben wir viele Präventionsräte in Mecklenburg-Vorpommern.“

Alles zum Thema „Sicherheit“

Im Herbst und Winter gibt es besondere Dinge zu beachten. Ist Ihr Haus einbruchssicher? Ist Ihr Auto fit für den Winter? In unserem Sicherheitsspezial informieren wir über diese wie über zeitlose Themen – und erklären zum Beispiel, wie Sie Ihre finanzielle Vorsorge jetzt optimieren können, welche Apps Sie lieber nicht auf Ihrem Smartphone lassen sollten und welche Kindersitze wirklich halten, was sie versprechen.

Insgesamt 10.000 Euro kann sie jährlich für kleinere Projekte vergeben. Dazu kommt die Arbeit im Präventionsrat selber, der im Normalfall alle Vierteljahr zusammenkommt, bei akuten Problemen aber auch spontan tagt. Das Modell habe sich bewährt, meint Marlen Schmidt, denn in dem Gremium sitzen sowohl Mitarbeiter aus den Ämtern, die sich auch sonst abstimmen, als auch Partner wie der Stadtjugendring oder das AWO-Fanprojekt. „Also Menschen, die tief in der Sozialarbeit stecken. Die dann eben schon, wenn sie aus ihrem Alltag berichten und tatsächlich von der Basis Geschichten aus dem Alltag anbringen, in den Köpfen der Behördenleiter Dinge in Bewegung bringen.“

Arbeitsfelder änderten sich mit der Zeit

Auf diese Weise ist unter anderem das Rostocker Graffiti-Projekt entstanden, in dem Sprayer die von ihnen verunstalteten Häuser selber wieder reinigen müssen. Ob all das wirklich Erfolge bringt? Die Koordinatorin winkt ab: „Präventionsarbeit ist nicht messbar. Letztlich kann man nur versuchen, so viele junge Menschen wie möglich zu erreichen, aber wir sehen nie genau, wer macht in welchem Umfang dann doch Blödsinn.“ Immer wieder haben sich die Schwerpunkte der Arbeit in den vergangenen 25 Jahren verändert, ergänzt Joachim Engster, der Vorsitzende des Präventionsrates, der schon seit der Gründung des Gremiums mit dabei ist. Während er die Jahre Revue passieren lässt, versichert er: „Wir haben heute mit Themen zu tun, an die damals noch niemand gedacht hat. Enkeltricks, Cyberkriminalität, Recht am eigenen Bild…“ Sein größter Wunsch für die Zukunft wäre es, dass das Gremium eines Tages überflüssig wird, weil es in einer friedlichen, offenen Gesellschaft keinerlei Gewalt mehr in der Stadt gibt. Ein Wunsch, von dem er selber weiß, dass er wohl nie erfüllt werden wird.

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Von Katja Bülow

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