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MV aktuell Der Nikolaus liebt Leder – Rostocker Schuhmacher gibt Tipps zum Stiefelputzen
Nachrichten MV aktuell Der Nikolaus liebt Leder – Rostocker Schuhmacher gibt Tipps zum Stiefelputzen
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16:48 05.12.2019
Pünktlich zu Nikolaus müssen die Schuhe geputzt sein. Gesundschuh-Mitarbeiterin Ute Thiel (48) bürstet in der Werkstatt einen neuen Schuh. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Kinder putzen ihre Schuhe mindestens so gerne, wie sie Brokkoli, Rote Beete oder Sauerkraut essen. Aber einmal im Jahr, am Abend des 5. Dezember, wienern die Kleinen bereitwillig ihre Stiefel. Denn wenn es dunkel geworden ist, irgendwann in tiefster Nacht, kommt er, der weißbärtige, rot bemäntelte Nikolaus – und er legt nun mal großen Wert auf sauberes Stiefelwerk. Sonst gibt’s keine Süßigkeiten.

Wie man Schuhe und Stiefel richtig putzt, das weiß Michael Kluth. Der 46-jährige Orthopädieschuhmacher ist ein echter Schuhputz-Profi: „Einmal in der Woche sollte man Lederschuhe von Staub befreien, mit guter Schuhcreme einfetten, ein paar Minuten einwirken lassen und dann ordentlich abbürsten.“

Richtige Pflege lässt Schuhe länger leben

Das freut nicht nur den Nikolaus, sondern das Schuhwerk selbst. Richtig gepflegt könne die Lebensdauer von Lederschuhen locker verdoppelt werden. Zu dick dürfe man die Schuhcreme aber nicht auftragen, gibt Kluth zu bedenken: „Sonst verschließt man die Poren, und das Leder kann nicht mehr atmen.“

Bildergalerie: Traditionelles Handwerk

So arbeiten die Schuhmacher bei Gesundschuh

Michael Kluth ist Gesellschafter des Unternehmens Gesundschuh, das neun Standorte in Mecklenburg-Vorpommern betreibt. Neben dem Stammsitz in Warnemünde gibt es Gesundschuh-Filialen in Rostock, Bad Doberan, Güstrow, Stralsund, Bergen auf Rügen und Anklam.

Das Unternehmen ging im Jahr 1990 aus der ehemaligen Rostocker Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Hans Sachs hervor. Im Handelsregister stehe Gesundschuh mit der Nummer 6, sagt Kluth: „Damit sind wir Rostocks älteste GmbH, denn die damals gegründeten Firmen mit den Nummern eins bis fünf gibt es inzwischen nicht mehr.“

Erfolgreich mit Schau-Werkstätten

Wer eine Gesundschuh-Filiale betritt, etwa die im Gesundheits- und Dienstleistungszentrum (GDZ) im Rostocker Stadtteil Lütten Klein, steht gleich mitten drin in der Werkstatt. „Früher stand vorne der Meister im Laden, hinten war die Werkstatt“, erklärt Kluth: „Wir wollen aber das alte Handwerk zeigen.“ Jeder, der hereinkomme, soll gleich sehen: „Hier sitzen richtige Schuhmacher, die das klassische Handwerk von Grund auf gelernt haben.“

Das Konzept des Schau-Handwerks geht offenbar auf: 75 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen. Damit sei es eine Ausnahme. In Deutschland gebe es nur zwei Schuhmacher-Betriebe dieser Größe, sonst vor allem Zwei- bis Fünf-Mann-Betriebe. Auch das Berufsbild habe sich gewandelt. Während früher die Schuhmacher zumeist Schuhe reparierten, überwiegen heute die Aufträge zur Herstellung von orthopädischen Spezialschuhen. „Das alte Schuhmacher-Handwerk ist eine aussterbende Tradition“, sagt Kluth.

Branche verzeichnet starke Rückgänge

Das kann der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, Jens-Uwe Hopf, bestätigen: „In den vergangenen Jahren hatte das Schuhmacherhandwerk starke wirtschaftliche Rückgänge zu verzeichnen.“ Gerade in den 1990er Jahren hätten viele Kunden Billigprodukte mit kurzer Lebenszeit, die nach Verschleiß entsorgt wurden, bevorzugt.

Im Bereich der Kammer gibt es derzeit 22 Schuhmacher-Betriebe, vor zwanzig Jahren seien es noch 44 gewesen. Noch dramatischer ist der Trend im Bereich der Handwerkskammer Schwerin: Dort ging die Zahl der Schuhmacher-Betriebe von 25 im Jahr 1999 auf sieben aktive Betriebe zurück.

Lederschuhe auf Dauer günstiger als Wegwerfware

Bei vielen Kunden setze jedoch ein Umdenken ein, „nicht nur unter umweltpolitischen Aspekten“, betont Hopf: „Etwas kostenintensivere Lederschuhe sind oft nicht nur aufgrund der Ästhetik wieder mehr gefragt.“ Unter dem Strich seien diese kostengünstiger als Wegwerfware, da sie z. B. repariert werden könnten.

In der Lütten Kleiner Filiale riecht es nach Leder und Schuhkleber. Die Schuhmacher fertigen traditionell neue Absätze, besohlen Schuhe, setzen Ösen und Reißverschlüsse ein. Und sie arbeiten mit modernster Technik: Per 3D-Scanner werden Füße eingemessen und Sonderanfertigungen am Computer digital bearbeitet – auch hochwertige Stiefel mit Lederfutter. „In diese Stiefel legt der Nikolaus vielleicht ein paar Süßigkeiten mehr rein, wenn er sieht, dass der Besitzer seine Füße und Schuhe wertschätzt“, meint Kluth.

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Von Axel Meyer-Stöckel

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