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MV aktuell Steigende Preise in Gastronomie und Hotellerie auf Rügen erwartet: „Wir können nicht anders“
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Rügen: Steigende Preise in Restaurants und Hotels für 2022 erwartet

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11:23 02.01.2022
Eine Nacht im Hotel? Einmal essen gehen? Das könnte 2022 auch auf Rügen deutlich teurer werden.
Eine Nacht im Hotel? Einmal essen gehen? Das könnte 2022 auch auf Rügen deutlich teurer werden. Quelle: Wenke Büssow-Krämer/dpa/pixarbay
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„Es wird 2022 teurer werden auf Rügen.“ Kein Vielleicht, keine Mutmaßung, sondern eine Tatsache. Lars Schwarz, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in MV, ist sich sicher: „Wir können gar nicht anders.“

Mit „wir“ meint er die Restaurantbetreiber und Hoteliers – in ganz MV. Aber vor allem in einer Top-Destination – einer Touristen-Hochburg, wie der Insel Rügen – werden die Preise klettern. Sowohl für die exklusive Übernachtung mit Meerblick als auch für das einfache Schnitzel „Wiener Art“ mit Pommes. „Ich rechne hier mit einer Steigerung um mindestens zehn Prozent.“ Stichworte: Angebot und Nachfrage.

„Erhöhte Energiekosten, explodierende Lebensmittelpreise, steigende Ausgaben für das Personal: Es spielen viele Faktoren hinein“, benennt der Dehoga-Präsident die Gründe. Es gebe Gastronomen im Verband, die bereits jetzt von einer Verdopplung ihrer Energiekosten sprechen. „Zudem liegt der Mindestlohn seit 1. Januar bei 9,82 Euro, im Juli steigt er auf 10,45 Euro.“ Dazu kommen die gestiegenen Spritpreise. „Logistiker, Brauereien – sie alle erhöhen. Und wir bekommen das am Ende alles ab.“ Selbst Reinigungsservices und Parkplatzwächter haben angekündigt, dass ihre Preise steigen, wie Schwarz sagt.

MV’s Dehoga-Präsident Lars Schwarz rechnet auf Rügen mit einem Preisanstieg von mindestens zehn Prozent. Quelle: Dehoga

Kürzere Sommerferienzeit treibt Preise nach oben

„Die Hotelpreise werden saftig anziehen“, meint auch Jan Steinfurth, Chef des Hotels „Villa Osada“ in Binz. „Bei uns ist der Preisumschlag mit drei bis vier Prozent Erhöhung minimal im Vergleich zu anderen Kollegen“, das habe er mittlerweile schon mitbekommen. Das liege aber vor allem daran, dass in der „Villa Osada“ die Preise jährlich schrittweise angepasst werden. „Letztendlich sind sie aber nie starr, sondern richten sich nach Angebot und Nachfrage.“ Da sind sie wieder, die beiden Stichworte.

„Wenn wir im März noch wenige Buchungen und Anfragen haben, gehen wir mit den Preisen runter. Sind im Sommer nur noch wenige Zimmer frei, gehen wir hoch“, erklärt Steinfurth. „Wir müssen das Geld in der Hauptsaison verdienen.“ Und da kommt das nächste Problem ins Spiel, das die Kosten für den Urlauber nach oben treiben wird: „Der Ferienkorridor wird in den kommenden Jahren kürzer. Die Sommerferien der einzelnen Bundesländer überschneiden sich mehr. Im nächsten Jahr ergeben sie zusammen nur noch knapp 80 Tage“, beklagt Dehoga-Präsident Schwarz. Im Klartext: kürzere Haupturlaubszeit, mehr Andrang, höhere Preise.

Putbusser „Jägerhütte“ hält noch an alten Preisen fest

Und da ist ja auch noch die Corona-Krise, die nicht vergessen werden darf. „Allein die fünf Monate Zwangsschließung im vergangenen Jahr haben ein großes Loch hinterlassen, das gestopft werden will“, sagt Schwarz.

Doch nicht jeder auf der Insel hat deswegen bereits angezogen. „Wir halten noch die alten Preise von vor der Pandemie“, erzählt Ute Thiele, Seniorchefin der Gaststätte „Jägerhütte“ in Putbus. Wie lange das noch durchzuhalten ist, sei jedoch fraglich. „Ab März werden wir die Preise bei unseren Zulieferern abfragen. Wenn die erhöhen, steht uns das auch ins Haus. Wir befürchten, dass es so kommt.“ Absolut sicher ist sich in dieser Hinsicht eine Mitarbeiterin des Restaurants „Fährblick“ in Sassnitz: „Es wird doch alles teurer. Das müssen auch wir umschlagen.“

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Gäste bekommen für Geld mehr geboten

Also nur noch Luxus-Urlaub auf Rügen? „Nein“, beschwichtigt Schwarz. „Auch auf der Insel wird es nach wie vor Angebote fürs kleinere Portemonnaie geben.“ Eines dürfe man jedoch nicht vergessen, wenn man von den neuen Preisen schockiert ist: „Viele Häuser haben in der Krise Finanzierungsprogramme des Landes genutzt und grundlegend renoviert, saniert, teilweise erweitert.“ Zahlreiche Hotels haben so ihren Standard gesteigert, sogar mehr Sterne bekommen. „Der Gast bekommt nachweislich mehr für sein Geld. Das ins Verhältnis zu den alten Preisen zu setzen, wäre wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen.“

Von Maria Lentz