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MV aktuell Rügener Fischer und Greenpeace-Aktivist diskutieren im OZ-Streitgespräch am 22.9.
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Rügener Fischer und Greenpeace-Aktivist im OZ-Streitgespräch am 22.9.

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10:08 22.09.2020
Alexander Steffen (l.), Kapitän des Fischkutters „Blauwal“ und Biologe Thilo Maack diskutieren über die Greenpeace-Aktion, bei der Steine in der Ostsee versenkt wurden, und über die Zukunft der Fischerei. Quelle: Anja Krüger/Greenpeace
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Rostock

Gegensätzlicher können Positionen kaum sein: Am kommenden Dienstag treffen ein Berufsfischer und ein Umweltaktivist zum OZ-Streitgespräch live vor der Kamera aufeinander. Alexander Steffen ist Kapitän auf dem Fischkutter „Blauwal“ in Sassnitz auf Rügen und lebt vom Fischfang. Thilo Maack ist Biologe und hatte im Juli gemeinsam mit der Umweltorganisation Greenpeace im Adlergrund vor der Küste Rügens riesige Felsbrocken versenkt. Die Aktion sollte dem Schutz des Meeresbodens vor der Zerstörung durch die Fischer dienen.

Nun werden beide Seiten, moderiert von Chefredakteur Andreas Ebel, in der Redaktion der OSTSEE-ZEITUNG zu Wort kommen. „Unser Ziel ist es, einen Dialog zu schaffen“, so Ebel. „Immer wieder berichten wir über die existenzbedrohte Lage der Fischer.“ Doch auch für Fangquoten und Umweltschutz nennen Politiker und Wissenschaftler nachvollziehbare Gründe. „Wir wollen den Lesern mit diesem Format die Möglichkeit geben, die Argumente aus erster Hand zu hören und zu verstehen.“

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Streitgespräch gibt Raum für ausführliche Gedanken

Wie wichtig dieser Raum für ausführliche Gedanken ist, zeigt ein konkretes Beispiel:  Vor wenigen Wochen stellte die OZ den 22-jährigen Eric Fisch vor und seinen Traum, eines Tages als Haupterwerbsfischer den Kutter seines Vaters zu übernehmen. Ein Satz aus dem Bericht, zitiert aus einem längeren Gespräch, führte im Anschluss zu Debatten unter den Fischern aus seinem Umfeld. Er zeigte darin Verständnis für das Herunterfahren der Fischerei zur Erholung der Bestände. „Doch so isoliert, wie es da stand, ist der Satz falsch“, sagt Fisch. „Die Fischerei, so wie sie jetzt existiert, kann gar nicht mehr heruntergefahren werden.“

Vielmehr gebe es vier Faktoren, die den Bestand der Fische beeinflussten. Neben den Fischern seien das die stark wachsenden Robben- und Kormoran-Populationen und Wettereinflüsse. „Das alles wird nicht ausreichend berücksichtigt. Nur die Fischer tragen die Last. Dabei gab es schon immer Jahre mit besseren und schlechteren Fängen.“

Fischer „Vielleicht sind wir die besseren Forscher“

Das sieht Alexander Steffen ähnlich.  Er kennt Eric Fisch, gemeinsam haben sie – von Steffen mitorganisiert – in Sassnitz gegen die Greenpeace-Aktion protestiert. Der 32-Jährigen ergänzt weitere Faktoren, die aus seiner Sicht den Fischbestand beeinflussen: „Auch die Strömung und der Salzgehalt gehören dazu.“ Von seinen 17 Jahren als Fischer habe er höchstens zwei weniger gute Jahre erlebt. Die erlaubten Mengen seien immer schnell abgefischt gewesen.

Steffen ist überzeugt: „Maßnahmen, wie die Fangquoten, haben längst Früchte getragen.“ Er habe den Eindruck, die Biologen erkennen viele Entwicklungen gar nicht. „Vielleicht sind wir die besseren Forscher, die jeden Tag draußen sind und alles unmittelbar im Alltag beobachten.

Greenpeace: „Wir sind keine Anti-Fischerei-Organisation“

Genau das wird er am kommenden Dienstag ausführlich mit Biologe Maack von Greenpeace diskutieren. Der freut sich auf das Gespräch. „Ich bin sehr am Austausch mit den Fischern interessiert. Wir sind, das ist mir ganz wichtig, keine Anti-Fischerei-Organisation“, betont Maack. „Wir sind für eine nachhaltige Fischerei. Dafür sind gesunde Fischbestände die Grundlage. Sie sichern das Auskommen der Fischer.“

Die OSTSEE-ZEITUNG überträgt das Streitgespräch zwischen Alexander Steffen und Thilo Maack aus der Redaktion am 22. September ab 10.30 Uhr im Livestream auf ostsee-zeitung.de.

Von Juliane Schultz