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MV aktuell Abverkauf von der Palette: Russischer Discounter drängt nach MV
Nachrichten MV aktuell Abverkauf von der Palette: Russischer Discounter drängt nach MV
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12:37 30.01.2019
Die ersten Kunden kaufen am Dienstag im russischen Discounter Torgservis in Leipzig ein. Mit dem Markt in Leipzig eröffnet das Unternehmen seine erste Filiale in Deutschland. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
Rostock/Leipzig

Billig, billiger, am billigsten – mit diesem Anspruch drängt ein russischer Discounter jetzt auf den deutschen Markt und sagt Aldi, Lidl & Co mit Tiefstpreisen den Kampf an. Den ersten Laden unter dem Name „Mere“ eröffnete das Unternehmen Torgservis am Dienstag in Leipzig – in einer alten Aldi-Filiale. Kommt der Super-Billig-Anbieter nun auch nach Mecklenburg-Vorpommern?

Rund 100 Standorte will die Torgservis-Tochter TS Markt GmbH eigenen Angaben zufolge vor allem in Ostdeutschland etablieren. Gesucht werden daher auch Immobilien in Mecklenburg-Vorpommern. Ob TS Markt im Nordosten bereits fündig geworden ist, verrät das Unternehmen jedoch nicht. Man gebe grundsätzlich keine Auskünfte an die Presse, teilt eine Mitarbeiterin der OZ mit. Laut der Firmen-Internetseite soll ein zweiter Markt im sächsischen Zwickau entstehen.

Schwerin wurde angefragt

Gesucht werden Immobilien in Großstädten mit rund 100 000 Einwohnern, was die Auswahl in MV auf Schwerin und Rostock beschränkt. Einen direkten Kontakt zu Torgservis habe es bisher nicht gegeben, erklärt die Sprecherin der Stadt Schwerin, Michaela Christen. Allerdings habe die Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes, Invest in MV, eine allgemeine Anfrage des russischen Discounters weitergereicht. Invest in MV bestätigt das, hat aber keine Informationen über Rückmeldungen.

Die Begeisterung über die Anfrage hält sich in Schwerin offenbar in Grenzen. Die Landeshauptstadt verfüge bereits über „eine gute und ausgewogene Einzelhandelsstruktur“, sagt Stadt-Sprecherin Michaela Christen. Ziel der Stadtentwicklung sei es daher, die bestehenden Standorte in den zentralen Versorgungsbereichen zu stärken. Michaela Christen: „Die Ansiedlung eines weiteren Discounters ist kein Schwerpunkt der Wirtschaftsförderung in Schwerin.“

Und die Rostocker Stadtverwaltung teilt mit: „Für den Standort Rostock ist bisher keine Anfrage zur Ansiedlung eines solchen Nahversorgers eingegangen.“

Schlichte Einrichtung

Bei der Eröffnung in Leipzig gab es laut Medienberichten ein reges Interesse von Kunden. Auf rund 1000 Quadratmetern bietet der Markt vor allem Lebensmittel an. Die Einrichtung ist schlicht. Kunden greifen die Ware direkt von der Palette ab. Neben Lebensmitteln, die etwa 70 Prozent des Angebots ausmachen, gehören Textilien, Drogerieartikel und Haushaltswaren zum Sortiment.

Mehr als 900 Filialen

Die russischen Unternehmensgruppe Torgservis wurde im Jahr 2009 gegründet. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben in Osteuropa und Asien derzeit 928 Filialen. Dazu gehören Läden unter dem Namen „Swetofor“ (russisch für: Ampel), „Majak“ (Leuchtturm) sowie „Mere“ (rumänisch: Apfel) in Russland, China, Kasachstan, Rumänien und Weißrussland. In Deutschland wurde jetzt die erste Filiale in Leipzig eröffnet, weitere Standorte werden gesucht; ebenso will das Unternehmen in Polen expandieren.

Ursprünglich sollten die deutschen Filialen laut Medienberichten unter dem Namen „Centwelt“ an den Start gehen. Dagegen begehrte jedoch der deutsche Großhändler „Centi“ auf, der unter dem Namen „Centiwelt“ eine Kette für Haushaltswaren betreibt. Auch gegen „Mere“ gab es zwar eine Beschwerde der „Mera Tiernahrung GmbH“ aus Nordrhein-Westfalen, Torgservis konnte aber dennoch unter dem Namen starten.

Im Internet präsentiert sich das Unternehmen als ein „schnellwachsendes ehrgeiziges Team“. Den Kunden würden Waren für wenig Geld angeboten. Man arbeite nach dem Motto „Jeden Tag nur Tiefstpreise“. In der rumänischen Hauptstadt Bukarest hat Torgservis laut Medienberichten zur Eröffnung die dortigen Discounter bei Kaffee, Salz, Milch, Wurst und Nudeln um 20 Prozent unterboten.

Gewerkschaft warnt vor Preiskampf

Dem Anspruch von Torgservis gewinnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nichts Gutes ab. Die Eröffnung der Filiale in Leipzig sei ein „Alarmsignal“, sagt der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler. Die Gewerkschaft warnt vor „einer weiteren Verschärfung des Preiskampfs bei Lebensmitteln“. Zeitler: „Wer mit dem Versprechen antritt, die ohnehin schon günstigen Lebensmitteldiscounter in Deutschland drastisch zu unterbieten, der dreht weiter an der Preis-Abwärts-Spirale.“ Lebensmittel seien Qualitätsprodukte, die nicht unter Wert verkauft werden dürften.

Letztlich setze das „Billig-Prinzip“ des Handels auch Jobs aufs Spiel, betont Gewerkschafter Zeitler. Die Beschäftigten der Ernährungsindustrie – bundesweit knapp 600 000 Arbeitsplätze – würden diese Dumping-Lebensmittel bezahlen mit Druck auf Löhne und Arbeitsbedingungen „oder sogar mit dem Abbau von Jobs“.

Chancen nur als Nischenanbieter

Der Leiter für den Geschäftsbereich Handel bei der IHK Rostock, Peter Volkmann, räumt Torgservis allenfalls Chancen als Nischenanbieter in Rostock oder Schwerin ein. „Da in Westeuropa die Lebensmittelpreise nirgends so günstig wie in Deutschland sind, dürfte es für einen neuen Anbieter schwierig sein, auf dem hiesigen Markt Fuß zu fassen – auch das Feld der sogenannten Sonderpostenmärkte ist gut bestellt“, erklärt Volkmann. Die Kunden würden eine bestimmte Qualität erwarten, nicht aber den absolut günstigsten Preis.

Dass der russische Billig-Discounter andere Anbieter durch den Preiskampf in Existenznot bringen könnte, glaubt Volkmann nicht. Das würde „eine breite Kundenakzeptanz“ in der Region erfordern, wozu es jedoch eine weitaus höhere Anzahl als die geplanten 100 Filialen brauche.

Gebrauchte Einkaufswagen gesucht

Unterdessen sucht Torgservis nicht nur Immobilien und Personal, sondern das gesamte Equipment für die Einrichtung der Läden. Bei den Einkaufspreisen zeigt sich das Unternehmen sparsam: Für den gebrauchten Einkaufswagen beispielsweise will man laut einer im Internet veröffentlichten Liste maximal 50 Euro bezahlen, für Paletten acht Euro, für die Secondhand-Kühltruhe 400 Euro.

Torgservis könnte laut Handelsexperten eine Nische auf dem deutschen Markt finden. In den Märkten wolle das Unternehmen fast ausschließlich russische Produkte von Eigenmarken anbieten. Diese Produkte seien bislang nur zu relativ hohen Preisen bei kleineren Einzelhändlern zu bekommen.

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Axel Meyer

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