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MV aktuell Russische Öl-Importe gestoppt – Versorgung der Tankstellen in MV gesichert
Nachrichten MV aktuell Russische Öl-Importe gestoppt – Versorgung der Tankstellen in MV gesichert
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21:35 26.04.2019
Die russischen Öllieferungen über die „Freundschafts“-Pipeline sind gegenwärtig unterbrochen, doch die Versorgung mit Benzin, Diesel und Heizöl in Deutschland ist davon nach Aussage der Branche nicht berührt. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Rostock/Schwedt

Die russischen Öllieferungen über die „Druschba“-Pipeline nach Deutschland sind teilweise gestoppt worden. Engpässe sind in Mecklenburg-Vorpommern jedoch offenbar nicht zu befürchten. „Die Versorgung ist gesichert“, sagte der Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbands, Alexander von Gersdorff, der OZ. Die Öltanks in den Raffinerien seien noch ausreichend gefüllt.

Verunreinigtes Rohöl

Polen hatte die Pipeline „Druschba“ („Freundschaft“) am Mittwochabend geschlossen, weil starke Verunreinigungen mit Chloriden festgestellt worden seien. Der zulässige Wert sei um ein Vielfaches übertroffen worden, hieß es. Dies könne zu Schäden in den Raffinerien führen. Chloride werden bei der Förderung des Rohöls benötigt, anschließend aber wieder entfernt.

„Druschba“-Pipeline Quelle: Arno Zill

Auch die PCK-Raffinerie in Schwedt (Brandenburg), wo die Pipeline das russische Öl anliefert, geht nicht von Lieferengpässen aus. „Mit unseren Ölvorräten in Schwedt können wir die Anlage zehn Tage problemlos laufen lassen“, sagte PCK-Sprecherin Vica Fajnor. Der Zeitraum sei ausreichend, um alternative Versorgungen mit Rohöl über die Pipeline Schwedt-Rostock aus dem Großtanklager im Überseehafen in die Wege zu leiten.

Großtanklager in Rostock

Die Tanks auf dem Gelände der Großtanklager-Ölhafen Rostock GmbH verfügen über eine Gesamtkapazität von 700 000 Kubikmetern. Gelagert werden darin zum großen Teil Öl, aber auch andere Flüssiggüter, die in Rostock umgeschlagen werden, darunter etwa Ethanol, Methanol, Pflanzenöl und Biodiesel. „Mit dem Öl aus Rostock könnten wir die Raffinerie in Schwedt zu einem guten Teil weiterbetreiben“, erklärte Vica Fajnor.

Bei PCK Schwedt werden jährlich zwölf Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet – zu Diesel, Benzin, Kerosin, Flüssiggas, Heizölen und Bitumen. 1200 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Gesellschafter sind Rosneft Deutschland, Shell Deutschland und die AET-Raffineriebeteiligungs-Gesellschaft.

Druschba ist wichtiger Versorgungsweg

Die Druschba-Pipeline hat eine große Bedeutung für die Öl-Versorgung vor allem in Ostdeutschland. Laut PCK sichere die mehr als 5000 Kilometer lange Leitung ein Viertel des Rohölbedarfs in Deutschland. Neben Schwedt wird eine weitere Raffinerie in Leuna (Sachsen-Anhalt) mit der Pipeline beliefert. Außerdem werden durch den Einfuhrstopp Versorgungswege für die polnischen Raffinerien PKN Orlen und Grupa Lotos gekappt.

„Wir gehen davon aus, dass das Problem relativ schnell gelöst wird“, sagte PCK-Sprecherin Vica Fajnor. Das kann der Mineralölwirtschaftsverband bestätigen. Russland habe versprochen, dass die Qualitätsmängel bis Montag behoben seien, erklärte Sprecher Alexander von Gersdorff. Dann könne das Öl wieder fließen.

2,5 Millionen Barrel Öl pro Tag

Die Erdölleitung „Druschba“ oder „Freundschaft“ führt im Nordstrang von Almetjewsk in der Republik Tatarstan über Weißrussland und Polen nach Schwedt an der Oder. Die Gesamtlänge beträgt 5327 Kilometer, die Transportkapazität 2,5 Millionen Barrel pro Tag; ein Barrel entspricht knapp 159 Litern Erdöl. Die Pipeline wurde von 1959 bis 1964 von Staaten des damaligen Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), darunter die DDR, errichtet.

Anfang 2007 wurde die Pipeline im sogenannten Energiestreit zwischen Russland und Weißrussland vom Betreiber Transneft gesperrt. Damit wollte Russland Weißrussland zur Aufgabe der geplanten Transitsteuer in den Westen zwingen. Unter den Erdöl-Abnehmern waren vor allem Polen, Tschechien, Ungarn und Deutschland betroffen.

Die Regierung in Moskau hatte erklärt, dass das Öl aufgrund technischer Probleme verunreinigt worden sei. „Man muss das nicht politisieren. Das kommt in regelmäßigen Abständen vor“, sagte Vize-Regierungschef Dmitri Kosak. Sobald man die Verantwortlichen für die Verschmutzung ausmachen könne, würden diese zur Verantwortung gezogen und bestraft.

Weiterhin Lieferengpässe in MV möglich

Dennoch ist die Gefahr von Lieferengpässen im Nordosten nicht gänzlich gebannt. Der Grund dafür ist laut Mineralölwirtschaftsverband aber nicht der aktuelle Einfuhrstopp in Polen, sondern die allgemeine Versorgung, die bereits nach Ostern zu einigen leeren Tankstellen in MV geführt hatte (OZ berichtete).

„Die Versorgungslage bleibt deutschlandweit angespannt“, sagte Gersdorff. Gründe dafür seien die hohe Nachfrage wegen des guten Ausflugswetters sowie ein Mangel an Tankwagenfahrern und Lokführern. Das könne vorübergehend zu Lieferengpässen an einigen Tankstellen führen. Flächendeckende Versorgungsprobleme seien aber nicht zu befürchten.

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