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MV aktuell So oft kommt es in den Ämtern von MV zu Übergriffen
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15:20 06.12.2019
Polizeieinsatz im Landratsamt in Wismar: Nach einem schweren Vorfall im September hat der Landkreis seine Sicherheitsmaßnahmen überarbeitet. Quelle: Heiko Hoffmann
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Rostock/Wismar

Wie gut schützen sich Behörden und Ämter in Mecklenburg-Vorpommern vor Gewalttätern und Übergriffen? Ein besonders gefährlicher Fall in Wismar sorgte im September landesweit für Aufsehen: Ein aggressiv auftretender Mann aus Ghana nahm im Landratsamt für mehr als sechs Stunden einen Säugling in seine Gewalt, bis ihn SEK-Polizisten überwältigten.

Seitdem hat sich auf den ersten Blick nicht viel geändert. Besucher gelangen noch immer ohne Kontrolle ins Gebäude und bis vor das Büro von Landrätin Kerstin Weiß (SPD). Laut Kreisverwaltung habe sich hinter den Kulissen einiges getan.

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32 Vorkommnisse in Rostock

Viele Jobcenter und andere Behörden in MV haben bei der Sicherheit aufgerüstet, wie eine OZ-Umfrage in Städten und Kreisen an der Küste zeigt. Grund dafür ist das rauer werdende Klima in den Ämtern. 32 Vorkommnisse meldet allein die Stadtverwaltung Rostock für den Zeitraum von Januar bis November. Es geht um Bedrohungen und Übergriffe, die sich gegen insgesamt 79 Mitarbeitende richteten. Die Stadt geht von einer Dunkelziffer aus, weil wahrscheinlich nicht alle Vorfälle gemeldet wurden.

Kein Tag ohne Anzeige

In den Landkreisen vergeht kein Tag ohne Strafanzeige nach Angriffen auf Behördenmitarbeiter und Polizisten. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald meldete für 2018 insgesamt 480 Anzeigen aufgrund von Straftaten gegen die öffentliche Ordnung sowie Widerstand gegen die Staatsgewalt. In Vorpommern-Rügen waren es im gleichen Zeitraum sogar 639 Fälle – durchschnittlich 1,7 Anzeigen pro Tag.

Wismar hält fest am „offenen Haus“

Der Landkreis Nordwestmecklenburg will trotz des Zwischenfalls in Wismar am „Prinzip des offenen Hauses“ in seinen Ämtern festhalten, erklärt Sprecherin Petra Rappen: „Die Kreisverwaltung sieht sich als Dienstleister und ist jederzeit für die Bürger da.“ Das habe sich seit Jahren bewährt, „verschlossene Türen findet man bei uns nicht.“

Die Verwaltung habe sich mit der Sicherheitslage der Beschäftigten auseinandergesetzt. Das Ergebnis seien „mehrere Maßnahmen“, die aber öffentlich mitgeteilt werden, damit sie ihre Wirkung nicht verfehlen. Bei dem Polizeieinsatz in Wismar habe sich gezeigt, dass die bereits vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen griffen und alle Mitarbeiter ruhig und besonnen auf die Situation reagierten.

Barrieren zu den Besuchern

Am häufigsten gibt es Ärger in den Sozialämtern, den Ausländerbehörden und im Jobcenter, heißt es bei den Behörden im Nordosten. Als Reaktion darauf wurden in Wismar unter anderem Verbindungstüren zwischen einzelnen Büros und Tresen mit Glasaufbau installiert. Die Mitarbeiter sollen so Fluchtmöglichkeiten und natürliche Barrieren zu den nicht immer nur freundlichen Besuchern haben.

Rostock arbeite mit Wachdiensten und Polizei zusammen, um übergriffige Personen in Gewahrsam nehmen zu können. Im Greifswalder Migrationsamt beobachten Panoramakameras das Geschehen. So gut wie alle befragten Kreise und Institutionen bieten ihren Mitarbeitern spezielle Schulungen an. Was nicht immer reicht. „Manchmal müssen wir die Polizei rufen“, heißt es im Landkreis Vorpommern-Rügen.

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Von Gerald Kleine Wördemann