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MV aktuell Satower Unternehmer repariert die Blaulicht-Fahrzeuge des Landes
Nachrichten MV aktuell Satower Unternehmer repariert die Blaulicht-Fahrzeuge des Landes
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22:26 07.11.2019
Gido Kunde (l.) betreibt einen Sonderfahrzeugservice in Satow. Er wartet unter anderem Spezialfahrzeuge wie Krankenwagen. Auch sein Vater Horst Kunde ist im Unternehmen beschäftigt. Quelle: Ove Arscholl
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Satow

Es heißt über gute Geschäftsideen: Wenn man es nicht selbst macht, macht es ein anderer. Für die Gründungsgeschichte des Karosseriebauers Gido Kunde gilt jedoch das Gegenteil. Er gründete sein Unternehmen, weil kein anderer eine gute Idee aufgreifen und eine Marktlücke schließen wollte.

Der Meister für Kfz-Technik war 25 Jahre lang bei einem Fahrzeugbauer in der Region angestellt. Immer wieder berichteten ihm Kunden, wie umständlich es sei, Rettungswagen, Feuerwehr- und Polizeiautos in MV reparieren zu lassen. Keine Werkstatt im Land kümmerte sich um die Sirenen, Blaulichter, Tragen und Einbauten. „Es gab offenbar eine große Bedarfslücke. Ich wollte sie gern schließen und habe mit meinem Chef darüber gesprochen“, erzählt Gido Kunde, „aber der hatte kein Interesse an diesem Spezialgebiet“.

In der Werkstatt von Gido Kunde werden unter anderem Krankenwagen gewartet und umgerüstet

Erster Schritt: Teilselbstständigkeit

Das Interesse des 47-Jährigen wuchs dagegen. Schließlich gestattete ihm sein Chef, die Fahrzeuge nach der regulären Arbeitszeit reparieren zu dürfen. So startete Kunde im September 2014 in die Teilselbstständigkeit.

Rückblickend sagt er: „Ich hatte einen Akku-Schrauber aus dem Baumarkt und einen geliehenen Transporter.“ Sogar die Werkstatt musste er anmieten. Und dennoch: „Es gab eine wahnsinnige Entwicklung. Firmen kamen auf mich zu und fragten, ob ich ihr Servicepartner werden wollte.“

Nach schlaflosen Nächten Job gekündigt

Allerdings blieb die Familie bei der vielen Arbeit auf der Strecke. Und er wollte seinen Kunden mehr Service bieten – nicht nur abends und am Wochenende für sie da sein. Nach vielen schlaflosen Nächten und Gesprächen mit seiner Frau Kathleen fiel die Entscheidung: Kunde kündigte zum 1. Januar 2015. Er ließ sich schulen, erwarb Zertifikate, machte sich mit dem Medizinproduktegesetz vertraut und lernte, dass man Einsätze in der Branche nur wenige Tage im Voraus planen kann: „Wenn ein Auto ausfällt, muss man rotieren – es sind Rettungsmittel, die müssen funktionieren.“

Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein sind sein Einsatzgebiet. Sein Wohnort Satow sei dafür ideal gelegen: „Wir sind schnell auf der A 20, A 24 oder der A 19, das ist total genial.“ Überhaupt habe er sehr viel Glück gehabt: „ Unser Haus mit Grundstück liegt in einem Mischgebiet und deshalb durfte ich hier mein Gewerbe ansiedeln.“

Berge versetzt – für die Werkstatt

Dafür habe er im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzt: Das Grundstück musste ausgekoffert werden. Kunde ließ tonnenweise Erde abtransportieren, um seine Werkstatt darauf zu errichten. „Viele Baufirmen haben dafür gar kein Angebot abgegeben, weil sie dachten, ich spinne.“ Davon, dass er es ernst meinte, überzeugten sich im September 2017 schließlich über 100 Kunden, die zur Einweihung der neuen Räume kamen.

Inzwischen hat Kunde und 500 000 Euro investiert. Für einen Teil davon belieh er das fast abbezahlte Wohnhaus. 200 000 Euro investierte er aus dem laufenden Geschäftsbetrieb. Drei vollausgestattete Werkstattwagen fahren im Dauereinsatz und warten fast alle Sonderfahrzeuge des Landes. Fällt ein Blaulicht aus oder müssen neue Geräte eingebaut werden – ob im Notarztwagen oder Rettungshubschrauber – ist der Satower Unternehmer zur Stelle.

Neben ihm, seinem Vater und seiner Frau beschäftigt er einen festangestellten Mitarbeiter. Im Januar kommt ein weiterer Kollege hinzu. Gido Kunde hofft, dass dann auch wieder mehr Zeit für die Familie bleiben wird.

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