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MV aktuell Tauchlehrerin aus Satow ist in der Hölle von Sulawesi
Nachrichten MV aktuell Tauchlehrerin aus Satow ist in der Hölle von Sulawesi
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17:20 05.10.2018
Anna Kirstein aus Satow (Landkreis Rostock) lebt und arbeitet im indonesischen Tsunamigebiet.  Quelle: privat
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Satow/Donggala

Anna Kirstein ist durch die Hölle gegangen – und sie ist ihr noch nicht entkommen: Die 28-Jährige aus Satow bei Rostock hat das schwere Erdbeben und den darauffolgenden Tsunami auf der indonesischen Insel Sulawesi hautnah miterlebt. Sie ist Tauchlehrerin im Prince-John-Tauchresort bei Donggala, einem der am stärksten von der Katastrophe getroffenen Orte. Über Facebook schilderte sie der OZ ihre schrecklichen Erlebnisse und die verzweifelte Lage der Überlebenden.

Zum Zeitpunkt des Erdbebens war Kirstein in ihrem Büro: „Ich konnte noch nach unten rennen, bevor es schwierig wurde sich zu bewegen, da die Erde so stark bebte. Sofort brach die Stromversorgung zusammen. Im Büro sind Schränke umgestürzt, und die Menschen im Dorf haben geschrien.“ Wie lange die Erde bebte, daran kann sich die 28-Jährige nicht erinnern. „Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Es war unheimlich laut und angsteinflößend. Als die Erde wieder stillstand, fingen die Menschen an zu rennen und mit ihren Mopeds und Autos davonzufahren. Sie schrien, dass eine Welle kommen würde.“

Bedrohliche Wassermassen

Unmittelbar darauf traf der Tsunami auf Land. „Das Wasser stieg an, viel höher als bei unseren normalen Gezeitenwechseln. Es lief über unsere Mauer ins Resort und breitete sich mit einer ungeheuren Kraft aus.“ Drei Mal stieg das Wasser an und ging zurück, jedes Mal höher. „Es sah aber nicht aus wie eine Welle, sondern eher, als würde der gesamte Meeresspiegel rasant ansteigen und sich in alle Richtungen ausbreiten. Bedrohlich!“

Der Ort Donggala auf der indonesischen Insel Sulawesi ist völlig verwüstet

Im Resort waren zu dieser Zeit 23 Gäste, von ihnen kam niemand zu Schaden. Die meisten Mitarbeiter hatten bereits Feierabend und waren unterwegs nach Hause. „Wie durch ein Wunder gab es unter unseren Mitarbeitern keine Opfer, allerdings haben fast alle von ihnen Freunde oder Familienmitglieder verloren oder zum Teil zerstörte Häuser zu beklagen“, sagt Kirstein. „Einer unserer jungen Mitarbeiter aus dem Dorf war zur Zeit des Bebens noch mit unserem kleinen Tauchboot unterwegs. Er schaffte es gerade noch zurück und berichtete von einem Strudel, in den er und das Boot fast gezogen worden wären.“

Tod und Zerstörung

Kirstein hatte wohl einfach nur Glück, denn in unmittelbarer Nähe wütete der Tsunami mit riesiger Zerstörungskraft. „In unserem Nachbarort Donggala ging eine richtige Welle an Land, riss Menschen mit sich, spülte Häuser weg und drückte Schiffe aus dem Hafen in die Straßen der Stadt“, schildert Kirstein. Ein Todesfall geht ihr besonders nahe: „Adi, ein hilfsbereiter Mechaniker aus Donggala, der immer mal wieder für uns im Einsatz war, hinterlässt seine Frau und fünf Kinder, die alle noch schulpflichtig sind.“

Und das Grauen nimmt kein Ende: „Seit dem Tag des Unglücks werden Trümmer an unseren Strand gespült. Die Geschichten dahinter möchte man sich eigentlich nicht vorstellen, so schrecklich müssen sie sein.“ Die Mitarbeiter des Resorts und ihre Familien übernachten, wie viele Andere in der Region, auf Straßen und in den Bergen, weil sie Angst vor Nachbeben oder einer Welle haben. „Die Stromversorgung bei uns ist noch nicht wiederhergestellt. Und die Menschen haben Angst, dass sie sich bald nicht mehr mit Lebensmitteln und Wasser versorgen können“, berichtet die Satowerin.

Die Gäste konnten inzwischen in Sicherheit gebracht werden – unter großen Mühen: „Autos, Boot, Flugzeuge – nichts schien zu klappen. Diesel und Benzin sind knapp oder gar nicht verfügbar. Fahrer waren nicht bereit, die weite Strecke auf der zum Teil zerstörten Straße zum nächsten Flughafen zu fahren.“ Am Ende gelang es den Mitarbeitern doch, ausreichend Autos zusammenzusuchen, um alle Gäste wegzubringen.

Spendenaufruf

Kirstein blickt nach vorn: „Sobald die Grundversorgung hier vor Ort wieder gewährleistet ist, wird Geld zum Wiederaufbau die größte Hilfe sein. Viele Menschen haben ihre Häuser verloren und nicht mehr als das, was sie am Körper tragen.“ Kirstein und ihre Kollegen haben daher einen Spendenaufruf über das Konto ihrer Satower Kirchengemeinde gestartet. „Dadurch, dass wir vor Ort sind, können wir hundertprozentig gewährleisten, dass das Geld dort ankommt, wo es am dringendsten gebraucht wird“, verspricht sie.

Spendenkonto Tsunamihilfe

Auch eine Woche nach den Erdbeben und dem Tsunami in Indonesien zeichnet sich erst allmählich das ganze Ausmaß der Schäden ab. Die Zahl der bestätigten Todesopfer lag nach Angaben des Sicherheitsministers Wiranto vom Freitag bei 1658. Es wurde allerdings auch bekannt, dass diese Zahl noch um mehr als 1000 steigen könnte.

In der Stadt Palu seien nach den Beben rund 1000 Häuser in einem Erdloch verschwunden, sagte der Sprecher des nationalen Rettungsdienstes, Yusuf Latief, am Freitag. Der Ortsvorsteher habe angegeben, es könne dort noch mehr als 1000 Vermisste geben.

Die Kirchgemeinde Satow sammelt Spenden für die indonesische Bevölkerung.

Empfänger: Kirchengemeinde Satow

Verwendungszweck: Tsunamihilfe Donggala

Ostseesparkasse Rostock

IBAN DE48130500000515001104

BIC NOLADE21ROS

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