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MV aktuell Schliemann-Museum Ankershagen zeigt Originalfunde aus Troja
Nachrichten MV aktuell Schliemann-Museum Ankershagen zeigt Originalfunde aus Troja
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15:57 06.06.2019
Im Eingang des Heinrich-Schliemann-Museums steht die Leiterin Undine Haase. Das Museum würdigt seit 1986 im ehemaligen Pfarrhaus und Elternhaus von Troja-Entdecker Heinrich Schliemann (1822-1890) die Arbeit des bekanntesten Archäologen Deutschlands. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/
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Ankershagen

Der Troja-Ausgräber Heinrich Schliemann (1822-1890) hat Museen mit Gegenständen der griechischen Antike gefüllt. Das einzige Museum, das sich hingegen Schliemann als Person widmet, ist in seinem Elternhaus in Ankershagen in der Mecklenburgischen Seenplatte untergebracht. Es wird am Freitag nach mehrmonatiger Schließzeit mit einer neuen Dauerausstellung wiedereröffnet. Diese geht mehr als bisher auf den widersprüchlichen, ehrgeizigen Menschen Schliemann und seine Beziehungen zu Familie, Verwandten und Freunden in Mecklenburg ein, wie Museumsleiterin Undine Haase erläuterte.

Originalfundstücke aus Troja zu sehen

Die Präsentation in dem alten Fachwerkhaus ist moderner geworden. Sie zeigt Originalfundstücke aus Griechenland und Troja, eine Nachbildung der Maske des Agamemnon, Fotos, Texte und Modelle, ist aber auch mit digitalen Bilderbüchern, Hör- und anderen Medienstationen ausgerüstet. Die Fundstücke sind Leihgaben des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte. Sanierung und Ausstellung des kreiseigenen Museums kosteten Haase zufolge rund eine halbe Million Euro.  

Museum zeigt fünf Meter hohes Trojanisches Pferd

Schliemann-Museum öffnet wieder seine Pforten

Der Kosmopolit Schliemann, der mit 19 Jahren nach Venezuela auswandern wollte, hat sich seiner Heimat zeit seines Lebens verbunden gefühlt. Nach einem Schiffbruch verschlug es ihn nach Amsterdam, später nach Russland, wo er als Großkaufmann ein Vermögen verdiente. Er belieferte die zaristische Armee mit Indigo zum Färben der Uniformen, mit Blei und Schwefel für Munition. Er reiste viel, zog sich von den Handelsgeschäften zurück, studierte in Paris und gelangte auf einer Studienreise nach Griechenland zu der Überzeugung, in Hisarlik das Troja Homers gefunden zu haben.

Schenkte Trojas Schatz 1881 Deutschland

Er trennte sich von seiner russischen Frau und heiratete eine Griechin. Bei zahlreichen Grabungskampagnen entdeckte er in Troja den Schatz des Priamos, den er illegal ausführte, und in Mykene die Maske des Agamemnon. Die Troja-Funde schenkte Schliemann 1881 Deutschland. Sie sind in Berlin zu sehen; der Schatz des Priamos ging jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion.

Die neue Ausstellung zeichnet in zehn Räumen die Lebensabschnitte Schliemanns nach und geht auf seine archäologischen Verdienste ein. In Schliemanns Erinnerungen wurde der Grundstein seiner Passion für das Altertum bereits in seiner Kindheit in Ankershagen gelegt. Die regionalen Sagen um das Silberschälchen und die Goldene Wiege oder den starken Henning Bradenkierl regten seine Phantasie an. Reich und erfolgreich vergaß er seine Geschwister nicht. Er schrieb und unterstützte sie finanziell.

Briefwechsel mit Vater und Geschwistern ausgewertet

100 Jahre nach Schliemanns Tod wurde im Pfarrhaus von Ankershagen erstmals eine Gedenkstätte für den berühmten Mecklenburger eröffnet. Deren Mitinitiator Wilfried Bölke wurde 1986 als Quereinsteiger Leiter des Schliemann-Museums. Die von ihm konzipierte Ausstellung hatte 20 Jahre Bestand, sagte Undine Haase. An der neuen Ausstellung war der 81-jährige Forscher ebenfalls beteiligt. Er schrieb die Texte zu Schliemann und seiner Familie. In den vergangenen Jahren wertete Bölke den Briefwechsel Schliemanns mit seinem Vater und den sieben Geschwistern, mit Verwandten, Freunden und Bekannten aus und gab mehrere Bücher heraus. Schliemann hinterließ mehr als 60 000 Briefe, Reise- und Grabungstagebücher, Geschäftsbücher, Manuskripte. Die eigenen Briefe übertrug er in ein Kopierbuch.

Undine Haase hofft, dass das kleine Museum künftig mehr Besucher hat. Mehr als 18 000 waren es noch in keinem Jahr. Ein Grund sei die schlechte Verkehrsanbindung des Ortes.

Birgit Sander