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Schonfrist für Geburtenstation in Crivitz - Entscheidung bis Juni

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18:28 19.12.2019
Solidarität mit Crivitz und Parchim. Rund 60 Leute schlossen sich am Dienstag (17.12.2019) dem Aufruf der BI an und versammelten sich vor der Einfahrt zum Wolgaster Krankenhaus. Quelle: Tilo Wallrodt
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Schwerin

Die Zukunft der Geburtshilfestation am Krankenhaus in Crivitz bleibt eine Wackelpartie. Zwar wurde nach zweitägigen Verhandlungen am Donnerstag die zum Jahresende verkündete sofortige Schließung kurzfristig abgewendet. Doch in welchem Umfang ab Juli 2020 dort noch Kinder zur Welt gebracht werden bleibt offen. Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) sprach nach Abschluss der Gespräche mit den Klinik-Betreibern von einem „Zeitgewinn“. Bis zum 30. Juni soll nun ein gemeinsames Konzept für die Krankenhäuser in Crivitz und Parchim (Landkreis Ludwigslust-Parchim) entwickelt werden.

Glawe von Ministerpräsidentin Schwesig zurückgepfiffen

Glawe hatte der Schließung der bei werdenden Müttern über Jahrzehnte hinweg sehr beliebten Geburtenstation der Mediclin-Klinik in Crivitz und der Konzentration auf Parchim schon zugestimmt. Doch wurde er von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zurückgepfiffen und zu Nachverhandlungen verpflichtet. Der Landtag forderte in der Vorwoche zudem einstimmig den Erhalt der Station für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Crivitz und eine tragfähige Lösung für die seit Juni geschlossene Kinderstation in der Asklepios-Klinik Parchim.

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An der umstrittenen Idee, Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Parchim zu konzentrieren, halten die Krankenhaus-Konzerne Asklepios und Mediclin den Angaben zufolge fest. Mediclin-Regionaldirektor Philipp Schlösser sicherte zu, die geburtshilfliche Versorgung noch ein halbes Jahr sicherzustellen.

In der Vereinbarung wird das Ziel formuliert, „jeweils eine Gynäkologie-Geburtshilfe-Vollversorgung an beiden Klinikstandorten“ zu gewährleisten. In welchem Umfang das im Krankenhaus in Crivitz, das wegen fehlender Kinderstation ohnehin nur mit Sondergenehmigung Geburten vornehmen darf, künftig noch möglich sein wird, blieb offen.

Vor der Krankenhauseinfahrt solidarisierten sich die Protestler mit Crivitz und Parchim.

„Zeitfenster für gute Lösung gewonnen“

Nach Meinung von Ministerpräsidentin Schwesig wurde mit der Übereinkunft ein wichtiges Etappenziel erreicht: „Das Wichtigste ist für mich, dass es gelungen ist, die Schließung der Geburtenstation in Crivitz zum Jahreswechsel abzuwenden. Es ist ein Zeitfenster gewonnen worden, um eine gute Lösung für Parchim und Crivitz zu finden.“

Teil der Übereinkunft ist auch die Errichtung einer Kinderstation mit vier Tagesbetten in Parchim. Am Asklepios-Krankenhaus werden bereits seit Pfingsten wegen fehlender Ärzte keine Kinder mehr stationär behandelt. Nun sollen dort wieder zwei Ärzte eingestellt werden, einer bezahlt vom Land, wie Glawe sagte. Dafür stünden für die zweijährige Laufzeit des Modellprojekts 300 000 Euro bereit.

„Gebe der Sache eine Chance“

Landrat Stefan Sternberg, der lange den Erhalt einer vollstationären Versorgung für Kinder und Jugendliche verlangt hatte, beugte sich den Realitäten. Seit mehr als einem halben Jahr gebe es in Parchim nichts mehr für die Versorgung kranker Kinder. „Jetzt können wir aber wieder etwas aufbauen“, sagte er. Zudem sei nach einem Jahr eine Überprüfung des Modellprojekts der Tagesklinik vorgesehen. „Ich gebe der Sache eine Chance“, sagte Sternberg, der zuvor nicht mit Kritik an den Klinikbetreibern gespart hatte.

Asklepios-Regionalgeschäftsführer Guido Lenz nannte den Mangel an Fachkräften als Hauptgrund für die medizinischen Versorgungslücken in ländlichen Regionen. Kritik richtete er auch an die Adresse der Politik. Während die Bundesregierung auf die Schließung kleiner Kliniken dringe und die Konzentration in großen, leistungsfähigen Kliniken befürworte, fahre die Landesregierung in Schwerin einen anderen Kurs und wolle auch alle kleinen Kliniken in der Fläche erhalten. „Beides zusammen und für nichts geht nicht“, sagte Lenz.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Torsten Koplin, nannte das Verhandlungsergebnis für den Standort Crivitz „unter den gegebenen Umständen vernünftig“. Er forderte die SPD/CDU-Landesregierung auf, landesweit zu klären, wie die stationäre Versorgung zukunftsfest aufgestellt werden könne. Zudem äußerte er sein Unverständnis dafür, dass Asklepios in Parchim der Sonderstatus eingeräumt werde, eine Arztstelle dauerhaft vom Land finanzieren zu lassen.

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Von RND/dpa