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12:04 10.08.2019
Agnes Heutmann ist Referendarin am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Wismar. Am Montag beginnt auch für sie wieder der Schulalltag. Quelle: Klaus Amberger
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Wismar

Bei Agnes Heutmann ist der Schreibtisch aufgeräumt. Links und rechts stehen Regale mit griffbereiten Heftern, Ordnern, Büchern. „Struktur ist in meinem Beruf total wichtig“, sagt die 29-Jährige. Am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Wismar ist die junge Frau derzeit Referendarin für die Fächer Deutsch und Geschichte. So ein Referendariat ist üblich bei angehenden Lehrern und ein Vorbereitungsdienst, der aus den Uni-Absolventen „richtige“ Pädagogen macht. 18 oder 24 Monate (Doppelqualifikation) dauert ein Referendariat in MV. Gerade wurden wieder 94 angehende Pauker von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) in Schwerin vereidigt, 659 gibt es derzeit insgesamt und damit so viele wie nie zuvor, sagt das Bildungsministerium.

Was heißt es nun für einen Berufseinsteiger, Referendar zu sein? Agnes Heutmann hat eine Ahnung davon. Ein Jahr Referendariat hat sie hinter sich. „Zu Beginn war für mich alles neu: die Stadt, die Leute, die Kollegen, der ganz andere Alltag“, berichtet sie. Bei Hamburg ist sie aufgewachsen, in Kiel hat sie studiert. „Ich habe mich dann in Mecklenburg-Vorpommern mit meinem Abschlusszeugnis beworben.“ Und bekam die Stelle. „Wichtig ist, dass man in den ersten Wochen viel hospitiert, auch in anderen Fächern“, empfiehlt die schlanke Frau, die gern joggt und tanzt, um den „Kopf frei zu bekommen“. Durch die Hospitation erfährt man unter anderem, wie ein Lehrer in den Unterricht einsteigt, wie er Ergebnisse zusammenfasst, wie Schüler motiviert oder individuell gefördert werden. „Ich habe sehr viele Eindrücke zu Beginn bekommen und viel notiert.“ Wichtig sei, die Vielfalt der Methoden zu beobachten. Also wie man unterrichtet, nicht was. Nach drei, vier Wochen, werde man dann gut an den eigenen Unterricht herangeführt.

Arne Trott aus Rostock ist einer der frisch vereidigten Referendare. „Ich lass mich überraschen, was auf mich zukommt“, sagt der 31-Jährige, der aus Salzwedel (Sachsen-Anhalt) stammt und seit zehn Jahren in Rostock lebt. Ab Montag wird er in der Jenaplan-Schule der Hansestadt Sport und Gesellschaftskunde unterrichten. „Es ist eine glückliche Fügung, dass ich diese Schule bereits kenne, weil ich dort in der Vergangenheit viel ausgeholfen habe – aber eine gewisse Aufregung ist jetzt bei mir vorhanden.“ Sein Mentor, Torsten Ruchhöft (55), macht sich keine Sorgen, um den jungen Kollegen: „Er ist ein prägnanter Typ, der schnell praktikable Lösungen findet.“

Auf Elterngespräche wird man erst in der Praxis vorbereitet

Arne Trott, Referendar an der Jenaplan-Schule in Rostock.

Neu ist im ersten Jahr nach der Uni, dass Referendare gleich mit Tätigkeiten eines Klassenlehrers vertraut gemacht werden: an Elterngespräche teilnehmen, Ausflüge und Elternabende bestreiten, Dienstreiseanträge stellen und so weiter. „Im Studium wird man auf so etwas nicht vorbereitet“, sagt Agnes Heutmann. Rechtliche Fragen seien ein ständiges Thema. Zum Beispiel Aufsichtspflicht. Neu ist vielleicht für frische Referendare, dass man plötzlich allein an einem noch unbekannten Ort lebt. „Ich habe mir in den ersten Monaten viel Besuch von meiner Familie eingeladen“, berichtet lächelnd Agnes Heutmann. Anschluss findet man aber auch bei jüngeren Kollegen, mit denen man sich nach Feierabend mal in ein Café setzt. „Man ist als Referendar kein Einzelkämpfer – auch an den Schulen geht es immer mehr dahin, dass man sich als ein Team versteht.“

Maxi Arnold lebt seit Kurzem in Prora. In Stralsund ist sie an der Integrierten Gesamtschule Grünthal ab Montag Referendarin für Sport, Geografie und Deutsch. „Es ist aufregend – endlich beginnt die Praxis“, sagt die 25-Jährige, die bei Dresden aufwuchs und in Jena studiert hat. „Ich wollte schon immer einen Job mit viel Praxis und bei dem ich viel mit jungen Leuten zu tun habe.“

Seiteneinsteiger werden kompakt und intensiv qualifiziert

Maxi Arnold, Referendarin an der Stralsunder IGS Grünthal Quelle: privat

So ähnlich wie ein Referendariat ist das, was Ricardo Kolaska vor sich hat. Der 44-Jährige sattelt beruflich um und wird als Seiteneinsteiger an der Hermann-Burmeister-Schule in Stralsund zum Lehrer qualifiziert. Ab Montag geht’s auch bei ihm los. „Ich freue mich auf die Schüler, die Kollegen und natürlich auf den Unterricht – mich macht es froh, wenn ich jungen Leuten etwas fürs Leben mitgeben kann“, sagt der ehemalige Vermessungsingenieur und studierte Berufspädagoge aus Negast bei Stralsund. Nach den bisherigen beruflichen Stationen wollte er sich noch einmal verändern – nun folgen im Rahmen der Grundlegenden pädagogischen Qualifizierung (GPQ), wie es offiziell heißt, intensive Monate. „Mein neunjähriger Sohn freut sich auch und erzählt überall stolz, dass sein Vater Lehrer wird.“

Im ersten Jahr war Agnes Heutmann als Referendarin in Neuburg (bei Wismar) an der Regionalen Schule im Dienst und am Gymnasium in Wismar. Nun, im zweiten Jahr, ist das Hauptmann-Gymnasium ihre berufliche Home-Base. „Ich habe ab kommender Woche zehn eigenverantwortliche Stunden zu geben und zusätzliche durch einen Mentor begleitete Stunden“, erläutert sie. Jeden Mittwoch ist Seminartag.

Lehrer brauchen Humor

Warum ist Agnes Heutmann Lehrerin geworden? „Mir hat es immer schon Spaß gemacht, anderen etwas zu erklären. Deshalb habe ich schon an der Uni Tutorien geleitet.“ Anderes als dieser Job komme auch nicht in Betracht. „Ich bin immer wieder überrascht, wie offen Schüler sind und dass man sie stets zu etwas motivieren kann.“

Sie sagt, als Lehrer müsse man authentisch sein. Meint sie damit, den Spagat zwischen theoretischen Pädagogenwissen und den Gegebenheiten der eigenen Persönlichkeit möglichst unbeschadet hinzubekommen? „Humor ist total wichtig und dass man bleibt, wie man ist.“ Denn der Unterricht laufe oft nicht nach Plan, es kann auch etwas schiefgehen. „Obwohl man das Stundenziel vor Augen hat, muss man die Lockerheit besitzen, vom Plan abzuweichen.“ Wenn man auf die Schüler eingehe, sie ernst nehme, schätzen sie das. „Ich möchte ihnen vor allem beibringen, Dinge kritisch zu hinterfragen und eigene Meinungen zu bilden.“

Die junge Referendarin sitzt in der letzten Woche vor Schulbeginn an ihrem Schreibtisch. Sie könnte zu ihren Eltern fahren, Freunde besuchen, zum Hafen gehen. So viele Optionen. Die Sonne scheint. Sie überlegt. Schließlich: „Ich bleibe am Schreibtisch und bereite Stunden vor.“

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