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MV aktuell Personenkult? Schwesig-Zitat in Abi-Prüfung sorgt für Aufregung in MV
Nachrichten MV aktuell Personenkult? Schwesig-Zitat in Abi-Prüfung sorgt für Aufregung in MV
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19:22 04.04.2019
Erst am Wochenende wurde Manuela Schwesig erneut zur SPD-Landeschefin gewählt. Wenige Tage später taucht sie in der schriftlichen Abiturprüfung im Fach Geschichte auf – offenbar nur in MV. Das finden Kritiker problematisch. Quelle: dpa
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Schwerin

Aufregung um die Abiturprüfung im Fach Geschichte: Schüler im Nordosten mussten sich in dieser Woche mit dem Wahlrecht seit 1789 beschäftigen. Bei einer Frage taucht plötzlich ein prominenter Name der Gegenwart auf: Manuela Schwesig (SPD) hatte sich 2014, damals Bundesfamilienministerin, für das Familienwahlrecht ausgesprochen. Familien mit Kindern sollten mehr Stimmen haben, auch wenn Kinder nicht wahlberechtigt sind. Eine Fußnote erklärt den Abiturienten: Schwesig ist heute Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern.

Das macht die Frage nach Meinung vieler Kritiker brisant. Denn gestellt bekamen diese nach OZ-Informationen nur Prüflinge in MV. Während der Nordosten bei Abiturfragen in den Fächern Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch mit anderen Bundesländern kooperiert, gelte dies für Geschichte nicht, heißt es von mehreren Experten. Die Schwesig-Frage habe sich eine Kommission in Abstimmung mit dem Bildungsministerium ausgedacht. Dort ist Birgit Hesse (SPD) die Chefin.

Kommentar: Schwesig-Zitat in Abiturprüfung: Ungeschickt bis frech

Juso-Mitglied ist begeistert

Das fand eine Jungsozialistin ziemlich beglückend: Lilly Blaudszun, Mitglied im Landesvorstand der SPD-Nachwuchsorganisation Jusos in MV, verbreitete über den Kurznachrichtendienst Twitter kurz nach ihrer Geschichtsprüfung die Nachricht: „Ich glaube, ich habe die Hälfte der 5,5 h Geschichtsprüfung darüber gelacht, dass ich sogar in meiner Prüfung eine Stellungnahme @ManuelaSchwesig diskutieren musste.“ Schwesig ist seit zwei Jahren auch SPD-Landesvorsitzende, wurde am Wochenende mit großer Mehrheit wiedergewählt.

Die umstrittene Abiturfrage im Fach Geschichte. Als Fußnote wird ergänzt: „Schwesig wurde 2017 Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern.“ Quelle: Frank Pubantz

Linke: Schwesig will Einfluss auf Abiturienten nehmen

Andere finden die Abi-Frage mit SPD-Anstrich gar nicht lustig, schon gar nicht wenige Wochen vor wichtigen Kommunal- und Europawahlen. „Dubios“ nennt Simone Oldenburg, Linken-Fraktionschefin im Landtag, den Vorgang. Denn Schwesig sei seit zwei Jahren bekanntlich nicht mehr Familienministerin. „Das gab es noch nie: Eine amtierende Ministerpräsidentin ist Stoff der Abiturprüfung.“ Offenbar wolle Schwesig „ihren Einfluss auf die Abiturienten im ganzen Land ausdehnen“, kritisiert Oldenburg. „Diese Art der Einflussnahme muss künftig unterlassen werden.“

CDU: Politischer Personenkult hat an Schulen nichts zu suchen

Auch bei der CDU brodelt es. Das Bildungsministerium müsse erklären, warum nicht eine Aussage zum Beispiel prominenter Experten außerhalb der Politik in der Prüfung angeführt wurde. „Die Nennung einer aktiven Politikerin jedenfalls nährt den Verdacht, dass hier Personenkult betrieben wird“, so Bildungsexperte Marc Reinhardt. Und legt nach: „Politischer Personenkult und politische Einseitigkeit haben an Schulen nichts verloren, schon gar nicht in Prüfungen.“ Es wäre gar „eine wenig subtile Form der Indoktrination, wenn ein Schüler, der eine abweichende Meinung hat in vorauseilendem Gehorsam eine mit der Meinung der Ministerpräsidentin konforme Einordnung des Themas vornimmt, um eine schlechte Note zu vermeiden“, so Reinhardt. Von „Abi-Gate“ spricht FDP-Generalsekretär David Wulff: „Das SPD-geführte Bildungsministerium hätte diese Frage niemals zulassen dürfen.“

Politikwissenschaftler sieht keine Indoktrination

Anderer Auffassung ist Prof. Wolfgang Muno, Politikwissenschaftler an der Universität Rostock. Die Debatte zum Familienwahlrecht gebe es seit 2003; in der Prüfungsfrage werde ein aktueller Bezug hergestellt. Indoktrination wäre es daher nur, wenn „allein die Position von Frau Schwesig als einzig richtige Antwort“ Thema wäre.

Ministerium: Lehrkräfte entscheiden allein über Fragen

Das Bildungsministerium teilt mit: „Die Abiturprüfung im Fach Geschichte ist eine landesweite Prüfung.“ Die Aufgaben stelle eine Kommission aus Lehrkräften zusammen, die nach „allein fachlichen Gesichtspunkten“ frei entscheide. „Das Bildungsministerium macht keine Vorgaben zur Art der Aufgaben“, so Sprecher Henning Lipski. Im genannten Fall habe die „Abituraufgabenkommission“ die Frage für die Prüfung ausgewählt. „Weder die Bildungsministerin, noch der Staatssekretär, noch der zuständige Abteilungsleiter haben Einfluss auf die Fragen“, erklärt Lipski.

Kritiker halten dagegen: Das Ministerium habe sehr wohl Einfluss –über das ihm unterstellte Institut für Qualitätssicherung, das die Abiturfragen absegne.

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Frank Pubantz

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