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MV aktuell „Segelstreichen ist keine Option“: Zuversicht bei der Airport-Crew
Nachrichten MV aktuell „Segelstreichen ist keine Option“: Zuversicht bei der Airport-Crew
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20:48 07.02.2019
Sandor Szuromi arbeitet beim Bodenverkehrsdienst am Flughafen Laage. Quelle: Axel Büssem
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Laage

Bei den rund 200 Mitarbeitern am Flughafen Laage sorgt die Einigung auf eine Kurzarbeitregelung für Erleichterung. Die zu erwartenden Einbußen durch die Kurzarbeit seien zu verkraften und allemal besser als betriebsbedingte Kündigungen, sagten mehrere Befragte im Gespräch mit der OZ. Sie zeigen sich entschlossen, die Krise gemeinsam durchzustehen: „Wir hängen mit Herzblut an unserer Arbeit“, sagt Maria Feller, die an der Fluggast-Information arbeitet. „Wir haben immer dafür gekämpft und es auch immer geschafft – und wir schaffen es auch diesmal.“

Trost von Passagieren

Maria Feller ist seit 18 Jahren am Flughafen beschäftigt. Die Germania-Pleite wollte sie zunächst gar nicht wahrhaben. „Erst als ich es beim Frühstück im Fernsehen gesehen habe, wurde es mir richtig klar. Da ist mir erstmal der Appetit vergangen.“ Getröstet hätten sie unter anderem die Passagiere. „Sie waren alle sehr lieb und mitfühlend. Ich hatte zwar viele Anfragen von Fluggästen, deren Flug gestrichen wurde, aber keiner war böse auf uns.“ Durch die Kurzarbeit würde sich Fellers Arbeitszeit um fünf Stunden reduzieren. „Das werde ich schon ein bisschen im Geldbeutel spüren. Aber das ist es mir wert, wenn sich eine Lösung findet und hier wieder Flugzeuge starten.“

Die Mitarbeiter erhalten für ihre reduzierte Arbeitszeit den regulären Stundenlohn. Für die bis zu zehn Stunden, die durch die Kurzarbeit wegfallen, gibt es Kurzarbeitergeld, das etwa zwei Drittel des normalen Lohns beträgt. Für Sandor Szuromi vom Bodenverkehrsdienst, der unter anderem für das Auftanken und Enteisen der Flugzeuge zuständig ist, würde das einen finanziellen Einschnitt bedeuten: „Das macht sich bemerkbar, zumal wir in MV ohnehin schon nicht so viel verdienen.“ Aber auch Szuromi glaubt: „Kurzarbeit ist der einzige Weg, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.“

Nur kurzfristige Lösung

Das denkt auch Detlev Follak, Chef der Gewerkschaft Verdi im Bezirk Rostock: „Unter den gegebenen Bedingungen ist Kurzarbeit sicher die bessere Variante als Kündigungen.“ Dies könne jedoch nur kurzfristig helfen: „Um den Flughafen Laage und damit die Arbeitsplätze langfristig zu sichern, wäre der einzig sinnvolle Schritt, wenn das Land als Gesellschafter einsteigen würde“, so Follak.

Dass der Airport Laage als größter Flughafen im Land erhalten bleiben muss, meint auch die Betriebsratsvorsitzende Angelika Schirdewahn. „Gerade für ältere Passagiere ist er sehr komfortabel. Die Airports in Hamburg und Berlin sind ihnen zu groß und zu weit weg.“ Doch im Moment kümmert sie sich vor allem um die Sorgen ihrer Kollegen. „Als wir von der Germania-Pleite erfuhren, war die Unsicherheit groß. Aber mit der Aussicht auf Kurzarbeit ist die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, ein wenig in den Hintergrund gerückt.“

Große Airport-Familie

Für viele gehe es nicht nur um einen Job, betont Schirdewahn, die seit 20 Jahren in Laage ist und in der Passagierabfertigung arbeitet: „Ich und auch ein Großteil der Mitarbeiter sehen den Flughafen als eine große Familie an.“ Das empfindet auch Susanne Gehrke: „So einen Zusammenhalt über die Abteilungen hinweg findet man nicht mehr oft.“ Sie arbeitet in der Buchhaltung und wäre damit von der Kurzarbeit nicht betroffen. Die Nachricht von der Insolvenz habe aber auch sie beunruhigt: „Das war erstmal ein Schlag. Wir wussten zwar, dass es Germania schlecht geht, aber ich hätte nicht geglaubt, dass es so schnell geht.“

Sollte es mit dem Airport Laage trotz aller Bemühungen zu Ende gehen, ist Susanne Gehrke überzeugt: „Ich würde auch etwas anderes finden, etwa in Rostock.“ So weit ist ihre Kollegin Maria Feller noch nicht. „Ich habe mir über Alternativen noch keine Gedanken gemacht. Für mich ist es keine Option, die Segel zu streichen.“

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Axel Büssem