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MV aktuell Skelette in der Baugrube: Was tun, wenn ich Knochen finde?
Nachrichten MV aktuell Skelette in der Baugrube: Was tun, wenn ich Knochen finde?
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05:12 19.07.2019
Bei Grabungen in Stralsund wurden hunderte Skelette gefunden.
Bei Grabungen in Stralsund wurden hunderte Skelette gefunden. Quelle: Stefan Tretropp
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Stralsund

Der Skelettfund in Stralsund hat gezeigt: In historisch bedeutsamen Städten und Regionen, von denen es in MV viele gibt, muss man immer mit makabren Überraschungen im Boden rechnen. Wer beim Ausheben einer Baugrube oder beim Umgraben im Garten menschliche Knochen findet, sollte einige wichtige Punkte beachten. Sonst könnten wichtige archäologische Schätze verloren gehen oder Straftaten nicht aufgeklärt werden.

„Wer Skelettteile findet, muss immer die Polizei rufen“, betont Stefanie Busch, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock. Laut Gesetz muss die Polizei bei jeder unnatürlichen Todesursache ermitteln. „Und der Einzelne kann ja gar nicht einschätzen, ob der Tote eines natürlichen Todes gestorben ist.“ Das gelte auch für historische Gräber. „Auch bei sehr alten Knochen laufen die Ermittlungen ab wie beim Fund einer Leiche“, betont Busch. Der Finder muss daher sofort aufhören zu graben, sobald er den ersten Knochen sieht, um keine möglichen Spuren zu vernichten.

Was im Boden bleiben kann, bleibt

Stellt die Polizei fest, dass es sich um kein Verbrechen handelt, dürfen die Archäologen ran. Auch Landesarchäologe Detlef Jantzen bittet dringend darum, eine Fundstelle nicht mehr zu verändern. Innerhalb von fünf Tagen müssen die Archäologen mit ihrer Arbeit beginnen, „in der Regel sind wir aber noch am selben Tag da“, verspricht Jantzen. Die Experten legen dann die Knochen frei und dokumentieren alle Fundstücke sowie die Auffindesituation. Auch hier gelte die Regel: „Was im Boden bleiben kann, das bleibt“, so Jantzen. Wenn allerdings ein Eingriff nicht zu vermeiden ist, wie etwa auf einer Baustelle, müssen die Knochen geborgen werden.

Die Kosten für diese Arbeiten trägt grundsätzlich der Verursacher des Eingriffs, bei einer Baustelle also der Bauherr. Wer einen Fund verschweigt oder ihn mutwillig zerstört, dem drohen Bußgelder, deren Höhe von der Schwere des Vergehens abhängen, erklärt Jantzen.

Knochen werden bestattet

Geborgene Knochen werden daraufhin untersucht, ob sie eine historische Bedeutung haben, also ob sie etwa von einem Schlachtfeld stammen oder für eine bestimmte Epoche oder Kultur stehen. „Dann werden sie archiviert und für mögliche weitere Forschung im Landesdepot eingelagert“, sagt der Landesarchäologe. Sind Knochen nicht für die Wissenschaft von Interesse, werden sie wieder bestattet – entweder auf einem Friedhof oder wieder an ihrem Fundort. „Menschliche Überreste müssen immer pietätvoll behandelt werden“, betont Jantzen.

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Axel Büssem